Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Bestrafung auf der Grundlage des Evangeliums?

Kurienerzbischof Gänswein ist auf Deutschlandtournee und äußert sich dabei zu aktuellen kirchenpolitischen und vatikanboulevardesken Themen. So wird er auch nach dem vom Vatikan entsorgten Priester Krzysztof Charamsa gefragt, der vor der Familiensynode seine homosexuellen Beziehung outete und der vatikanische Glaubenskongregation "paranoide Homophobie" vorwarf. Gänswein verteidigt die Suspendierung und den Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis mit den Worten: "Die Kirche braucht Mut, Klarheit und Eindeutigkeit zum Evangelium." (hier)

Klarheit und Eindeutigkeit in Bezug auf das Evangelium würde ich mir an dieser Stelle von Gänswein wünschen. Mir ist nämlich nicht auf Anhieb klar, was die disziplinarischen Maßnahmen mit dem Evangelium zu tun haben. Im 15. Kapitel des Korintherbrief fasst Paulus das Evangelium folgendermaßen zusammen:

"Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe. Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen? Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, 5und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der «Mißgeburt». Denn ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe."

Im Evangelium nach Paulus ist nirgendo vom Zölibat die Rede, die Evangelien sagen nichts über homosexuelle Liebe, nicht einmal von einer kirchlichen Lehrerlaubnis ist dort zu lesen. Das Evangelium sollte man wahrlich nicht als Grundlage für die Bestrafung des Priesters heranziehen!

24.11.15 17:03

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