Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Der Splitter im Auge des Muslimen

Es ist ermüdend und ja, ich wiederhole mich, aber die rechtskatholischen Schreihälse fordern es immer wieder ein, deshalb noch einmal in aller Kürze...

Die "papsttreue katholische Publizistik" gefällt sich gerade wieder in ihrer Islamkritik. Der eine oder andere Bischof bläst mittlerweile in dasselbe Horn. Der Islam hat ein Gewaltproblem, Terrorismus sei nicht international, sondern islamisch, friedliche Muslime müssten sich viel mehr gegen den islamistischen Terrorismus stellen und ihm öffentlich abschwören.

Dem muss man mal wieder entgegen halten, dass man doch erst einmal vor der eigenen Haustüre kehren sollte. Bei den Opferzahlen unschuldiger Zivilisten ist der Westen immer noch uneinholbar in Führung. Im Irak, im Jemen, in Syrien, in Afghanistan, Pakistan und anderswo sterben Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder, wie die Fliegen. Und ich höre von den obigen Schreihälsen auch nicht nur ein einziges Wort darüber.

Wer hat den Nahen Osten denn überhaubt in Brand gesetzt? Und wer will mit den daraus resultierenden Flüchtlingsströmen gleichzeitig nichts zu tun haben? Christliche Nationen, christliche Bomberpiloten, christliche Drohnenpiloten. Wir haben wirklich keinen Grund, unseren muslimischen Mitbürgern gegenüber auf dem hohen moralischen Ross zu sitzen und auch nur irgendetwas von diesen Leuten einzufordern, wenn wir nicht ganz laut das Mea Culpa singen. Wer Krieg sät, darf über die eigenen Opfer nicht lamentieren. Und damit meine ich auch den drittgrößten Waffenlieferanten der Welt, Deutschland!

19.7.16 11:36

Letzte Einträge: Brückenbau mit Abrissbirne, Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, The Hunger Games, Alternative für Ockenfels, Die wahren Freunde des Papstes

bisher 7 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(19.7.16 13:00)



Armand Arnold / Website (20.7.16 08:44)
Ich bin ja in den meisten Fällen durchaus Ihrer Meinung. Ich bestreite auch nicht, dass Sie Recht haben, wenn Sie auf die Mitschuld des "Westens" an den grassiereden Problemen im Nahen Osten und anderswo hinweisen. Dass der Islam allerdings ein Gewaltproblem hat, ist nicht zu bestreiten. Und dass die meisten (muslimischen) Opfer im Nahen Osten und anderswo auf das Konto islamistischen Terrors gehen auch nicht. Dass sich der Islam seit längerem so leicht für gewaltverherrlichende Ideologien missbrauchen läßt, liegt eben schon auch daran, dass er ideel und spirituell ausgetrocknet und in einem fundamentalistischen Anachronismus erstarrt ist. Dies ist ein Vorwurf, den man den geistlichen Autoritäten im Islam nicht ersparen kann.


Volker Schnitzler (20.7.16 11:07)
Ich glaube, Sie machen es sich zu einfach... das wollte ich mit obigem Text zeigen...


Bernd Heise (21.7.16 16:09)
Ein aktuelles Beispiel für zivile Opfer der Westmächte

http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-opposition-fordert-stopp-von-us-luftangriffen-auf-is-ziele-a-1104095.html


Armand Arnold / Website (22.7.16 10:37)
Ein Gespräch über dieses Thema ist offensichtlich nicht möglich: die eine Seite sieht alles Böse beim Islam, die andere Seite meint ihn verteidigen zu müssen mit dem Argument, der sogenannte Westen sei noch viel schlimmer. Meine Mutter beendete derlei kindisches Gezänk jeweils mit den Worten:"Der eine ist Mist, der andere ist Dreck"


Armand Arnold / Website (22.7.16 10:47)
Was ich mit meinem ersten Kommentar meinte, bringt der muslimische Theologe Mouhanad Khorchide in einem Zeit-Artikel treffend auf den Punkt:http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2016/02/dschihad-islam-glaube-koran.


Volker Schnitzler (22.7.16 12:16)
Der Satz "Dass der Islam ein Gewaltproblem hat..., dass er ideell und spirituell ausgetrocknet und in einem fundamentalistischen Anachronismus erstarrt ist", stammt von Ihnen. Sie sollten das mit Ihrer Mutter klären! Ich heiße Gewalt gegen Unschuldige weder von christlicher noch von muslimischer Seite aus gut!

Darüber hinaus finde ich die innerislamische Debatte über den Islamismus sehr richtig. Wir kehren dann vor unserer eigenen Haustüre und können dann mit Muslimen darüber ins Gespräch kommen, wie wir gemeinsam eine bessere Gesellschaft schaffen. Eine gesamte Religion zu verteufeln hilft aber nicht weiter.

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