Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Rechter Populismus

Immer wieder gegen die rechtskatholische Propaganda auf katholischen Nachrichtenportalen und der katholischen Bloggerwelt anzuschreiben ist ermüdend. Man wiederholt sich, hat den Eindruck, das alles schon einmal geschrieben zu haben.

Zudem habe ich das Gefühl, dass es in der Kirche insgesamt besser läuft, seitdem Franziskus am Ruder steht. Die Riege der papsttreuen katholischen Publizistik ist doch entscheidend ruhiger und weniger aggressiv unterwegs und auch kath.net ist etwas friedlicher geworden.

Trotzdem ist es Papst Franziskus wohl nicht entgangen, was im deutschsprachigen Raum so los ist. Bei der Audienz mit Ministerpräsidenten Torsten Albig sprach er das Thema Fremdenfeindlichkeit und Populismus offensichtlich aus eigenem Antrieb an.

Albig vertrat dabei die Linie der Kanzelrin, sah aber deutlich die Gefahr des rechten Populismus:

„Das Besorgniserregende oder das Traurige daran ist: Dass wir in einer Zeit, in der wir einer solch humanitären Aufgabe in Deutschland eigentlich eindrucksvoll gerecht geworden sind und Anlass hätten, uns über diesen Erfolg zu freuen – dass wir gerade dabei sind, uns in dieser Angst zu verfangen. Und diese Angst führt uns auf eine schiefe Bahn, das merken wir auch in Schleswig-Holstein.“

Schade, dass Franziskus dabei nicht besonders den Populismus anprangert, der aus der katholischen Ecke kommt. Eine Paradebeispiel für einen solchen liefert aktuell Padre Ockenfels auf kath.net, ausgerechnet unter dem Titel “Populistische Phrasendrescher”. Der Artikel könnte also glatt als Satire durchgehen, ich befürchte allerdings, dass Ockenfels das so meint, wie er es schreibt.

Fester Bestandteil einer jeden rechtskatholischen Propaganda ist die Kritik an der “deutschen Nationalkirche” mit ihrem geldgeilen Kirchensteuersystem, ob es passt oder nicht, das muss in einen richtigen Ockenfels hinein, auch wenn er eigentlich über Populismus und Flüchtlingspolitik schreibt.

In den ersten Kapiteln gibt es denn auch wenig Konkretes, unbegrüdetes rechtskatholisches Blabla. Doch eine Sache ist interessant, die Art und Weise, wie Ockenfels die Bergpredigt, letztendlich das Evangelium kastriert.

“Die Kirchenleitungen sind in Deutschland gerade dabei, ihre Wahrheitsansprüche dialogisch-dialektisch aufzuheben, in trauter Eintracht die Bergpredigt Jesu als politische Handlungsanweisung umzudeuten und – namentlich in der Flüchtlingsfrage – die strukturelle Soziallehre mit individualmoralischen Pflichten zu verwechseln.”

Hört sich kompliziert an, soll es auch, damit keiner versteht, was hier steht: Christentum und Evangelium haben nach Ockenfels nichts in der Politik zu suchen, Politiker sollten möglichst nicht mit der Bergpredigt hantieren. Dann kann man auch die C-Parteien ignorieren und mit sauberem Gewissen zur AfD wechseln. Aber das meint Ockenfels sicher nicht...

Das Recht auf Asyl hochzuhalten, Flüchtlinge in Not aufzunehmen, also die “Wir-schaffen-das-Linie” der Kanzlerin bezeichnet er als “quasitheologischen Nonsens”. “Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen”, lesen wir aus Jesu Munde im Matthäusevangelium. Und danach richtet er die Menschen. Nach Ockenfels quasitheologischem Populismus ist das hanebüchener Schwachsinn und “pastoraler Populismus”, das gilt vielleicht für den deutschen Bettler, nicht aber für den syrischen Flüchtling. Der gehört hier gar nicht hin, dann kann einem die Bergpredigt auch nicht quer kommen. Flüchtling! Lass dich taufen und verrecke im Mittelmeer oder im Krieg, im Himmel wird es dir dann schon besser gehen.

Ohne Merkel gäbe es also in Deutschland gar keine Probleme mit Flüchtlingen. Klar, wenn man alle an den Grenzen verrecken ließe, dann wäre das wohl so, AfD-Populismus lässt grüßen.  Und sicherlich wird Merkel auch für den Krieg in Syrien und im Irak verantwortlich sein!

Und natürlich darf zum Schluss auch die Lügenpresse nicht fehlen, in der arme Katholiken wie Ockenfels zensiert werden. Ich frage mich, weshalb mir sein Gerede auf kath.net oder in der Jungen Freiheit begegnet?

Letztlich versucht er dann noch die Befürworter der merkelschen Flüchtlingspolitik mit Nazivokabular zu verunglimpfen, eine Strategie, die man von den Höckes, Petrys und Gaulands dieser Nation schon zur Genüge kennt. Die “Aufsüdung” des Volkes sei aufgrund der massenhaften Abtreibung nötig, damit wäre Tradis Lieblingsthema auch noch drin und die Verschwörungstheorie perfekt. Brovo Ockenfels.

Zuletzt weist er Merkel noch Slogans aus der Persil-Werbung nach, sein Thema war ja populistische Phrasen, nicht vergessen! Ich frage mich, wann Ockenfels endlich nen Persilschein bekommt. KzH bis DZE heißt das bei der Bundeswehr.

11.10.16 12:57

Letzte Einträge: Brückenbau mit Abrissbirne, Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, The Hunger Games, Alternative für Ockenfels, Die wahren Freunde des Papstes

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


indianfire (26.10.16 09:38)
Ich verstehe Sie. Wenn man auf die Bergpredigt verweist in Sachen Flüchtlinge, hallt einem "unreflektierter Gutmensch!!" um die Ohren. Sooo sei das nicht gemeint und nie gemeint gewesen. Punkt. Und überhaupt: Erst, wenn das ungeborene Leben überall respektiert wird, dann kann man das auch mit denen, die auf der Welt sind und leiden, in Angriff nehmen (so Gandalf).
Mir ist es inzwischen egal. Jesus hat nie etwas zu Themen wie Abtreibung und Homosexualität gesagt, aber da genau wollen sie seinen Willen vertreten. Und was er gesagt hat, das ist .. das muss.. äh, das ist nicht so gemeint.



maria / Website (22.11.16 17:40)
Ja, der Herr Pater! Da legt er sich ja wieder einmal mächtig ins Zeug, schnauf schnauf. Populismus hin, Populismus her, damit lässt sich so schön spielen und es den und allem Missliebigen unterbuttern. Eine klare Begriffsdefinition seinerseits würde da bei diesem Geschäft nur stören. D a s System wird eh bald am Ende sein, orakelt er und die e i n e Partei, die der islamischen Invasion Widerstand leistet, wird völlig verkannt. Er weiß es halt hundertprozentig, für immer und ewig. Wie schön für ihn.

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