Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Missbrauch

Die perfiden Methoden der Vertuscher

Der Sekretär der DBK, Pater Langendörfer, kann einem wirklich leidtun. Wegen der traurigen Entwicklung um die Aufklärung des Missbrauchsskandals mit dem KFN setzt es weiterhin von allen Seiten Prügel.

Dass nun aber auch aus konservativer Ecke zum Knüppel gegriffen wird, das ist schon ein starkes Stück, hat man doch unentwegt gegen dieses Projekt anargumentiert. Jürgen Liminski hat in einem Kommentar in der “Katholischen Sonntagszeitung” für das Bistum Augsburg noch einmal deutlich gemacht, dass der Bruch alleine in der Tatsache begründet ist, dass Pfeiffer nicht wusste, dass das Kirchenrecht vorschreibt, Täterakten nach 10 Jahren zu vernichten. Diese Information haben aber scheinbar katholische Hardliner um den kreuz.net-Priester Jolie dem KFN zugespielt, um das Projekt zum Scheitern zu bringen.

Natürlich kommt das Opus-Dei-Mitglied Liminski nicht auf die Idee, diesen Leuten die Torpedierung der Studie vorzuwerfen, lieber schießt man sich auf Langendörfer ein, den man aus konservativen Kreisen bereits beim Weltbildskandal scharf anging und zum Rücktritt aufforderte. Ungehemmt wird im kath.net-Artikel auch auf diesen Umstand verwiesen.

Kein Wort von den Opfern der Missbräuche, man sorgt sich vielmehr um die verdächtigen Priester, die sich nach Aktendurchsicht vielleicht hätten rechtfertigen müssten.

Zuletzt bedauert Liminski, dass man wohl auch diesmal keine Konsequenzen in der DBK ziehen werde. Ja, das wäre wirklich bedauerlich, müsste man doch dringend dafür sorgen, dass die wahren Vertuscher und Strippenzieher keinen Einfluss mehr auf diese Projekte nehmen können, um ihre Manipulationen dann auch noch anderen in die Schuhe schieben zu können!

28.1.13 17:08, kommentieren

Der Masochismus der DBK

Die DBK gibt sich auch weiterhin große Mühe, sich in der Causa Pfeiffer lächerlich zu machen. Offenbar hat man Gefallen daran gefunden, medial Prügel zu beziehen. Dieser masochistische Zug sollte den Katholiken im Lande aber so langsam Sorgen bereiten.

Heute zog man den Antrag auf Erlass der Einstweiligen Verfügung wegen des verleumderischen Zensurvorfwurfs zurück und gönnte Christian Pfeiffer einen weiteren Sieg. Ein Paradebeispiel dafür, wie die Kirche sich in aller Öffentlichkeit vorführen lässt, ist dann auch gleich im Spiegel nachzulesen. „Sie wird nun die Kosten einschließlich unserer Anwaltsgebühren zu tragen haben. Und ich kann weiterhin ohne Maulkorb das verkünden, was ich von Beginn an als Grund des Scheiterns benannt hatte. Die Unterlassungsandrohung war reine Show“, weiß Pfeiffer dort süffisant zu kommentieren.

Spannend auch Pfeiffers Erklärung für den Bruch zwischen KFN und DBK:

„Es gibt einen Moment, von dem ich rückblickend denke, dass er entscheidend war. Ich habe vor Vertretern der Kirche einen Vortrag gehalten, warum der sexuelle Missbrauch in den USA in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen ist. Die Erkenntnis der dort durchgeführten Studie war: nur 5 Prozent der Täter innerhalb der Kirche waren pädophil, 95 Prozent sogenannte Ersatzhandlungstäter, die sich an Kindern vergehen, weil der von ihnen bevorzugte Sexualpartner nicht verfügbar ist. Doch das hat sich durch die sexuelle Revolution gewandelt. Priester, die sich nicht an den Zölibat halten wollten, konnten mit ihren Wunschpartnern Beziehungen eingehen. Doch dieser Erklärungsansatz war für die Kirche eine enorme Bedrohung.“

Eine Minderheit der Täter sind also Pädophile, das deckt sich doch ungefähr mit den Ergebnissen der Analyse forensisch-psychiatrischer Gutachten von Prof. Dr. med. Norbert Leygraf, die die DBK im Dezember veröffentlichte. Wer die Ursachen von Kindesmissbrauch durch Geistliche wirklich ernsthaft aufdecken will, der sollte bei derartigen Übereinstimmungen aufhorchen, satt sich von den Hardlinern des NKP auf Konfrontationskurs bringen zu lassen.

1 Kommentar 22.1.13 18:44, kommentieren

Nachtrag zu: Katholische Kliniken weisen Missbrauchsopfer ab

Ja, heute muss man kath.net wohl auch einmal loben. Es wird die Meldung des Kölner Stadt-Anzeigers  aufgegriffen, dass die Täuschung einer pro-life-Aktivistin eine Verunsicherung bei den katholischen Krankenhäusern der Cellitinnen ausgelöst hat. Diese hatte ungeschützten Verkehr vorgegeben und die "Pille danach" verlangt und auch bekommen. Eine Denunziation beim Erbistum Köln folgte. Die Angst vor Konsequenzen hatte dann wohl zu der unterlassenen Hilfeleistung im Falle der vergewaltigten Frau geführt.

Ein Paradebeispiel dafür, wohin Denunziation und Angst, aber auch der Irrglaube, alles in Gesetzen regeln zu wollen, was den Glauben betrifft, hinführen. Wie wahr klingen vor diesem Hintergrund doch die Worte des Apostels Paulus:  Wenn ihr also durch das Gesetz gerecht werden wollt, dann habt ihr mit Christus nichts mehr zu tun; ihr seid aus der Gnade herausgefallen (Gal 5,4).

19.1.13 10:34, kommentieren

Nachtrag zur Aufkündigung der Zusammenarbeit zwischen DBK und KFN

An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf meinen Artikel unten verweisen, der belegt, dass das Netzwerk Katholischer Priester (NKP) um den kreuz.net-Mitarbeiter Pfarrer Jolie von Anfang an gegen Professor Pfeiffer und das KFN schoss. Man kann nur inständig darum beten, dass die Aufkündigung der Zusammenarbeit nicht mit dem Einfluss dieser Leute zu tun hat!!
 
UPDATE: Gestern Abend berichtete Christian Pfeiffer bei Beckmann, dass das NKP ihn persönlich zu einer Veranstaltung eingeladen hat, wo er erstmals von der Regelung erfuhr, dass laut Kirchenrecht Personalakten von Tätern nach 10 Jahren geschreddert werden müssen. Vor diesem Hintergrund aber sei eine Analyse der Akten bis zum Jahre 1945, was ein Teil der Vereinbarung zwischen dem KFN und der DBK war, obsolet gewesen. Damit ist wohl der Beweis erbracht, dass diese Vereinigung von Ultrakonservativen mitverantwortlich für das Zerwürfnis ist! Es wird immer peinlicher für die DBK.
 
 
 

1 Kommentar 18.1.13 13:49, kommentieren

Vergewaltigung einer Vergewaltigten

Zur Erfolgsgeschichte von kath.net gehört, radikal-fundamentalistische Positionen nicht im Nachrichtenteil selbst zu publizieren, sondern diese dem Kommentatoren-Mob zu überlassen. Zwar gibt es Ausrutscher, aber man ist vorsichtig geworden, schließlich kann man beobachten, wie es kreuz.net an den Kragen ging und auch gloria.tv zunehmend in die Kritik gerät.

So ist ein beliebtes Mittel die einseitige und tendenziöse Berichterstattung. Man selektiert die Nachrichten so, dass der treue Leser die Welt durch die kath.net-Brille sieht. Hier die Artikel über die weltweiten Massenproteste gegen die gleichgeschlechtliche Ehe, dort ein paar Artikel radikaler und christenfeindlicher Muslime und abschließend noch ein paar Breitseiten gegen liberale Kirchenzerstörer. So entstseht die schöne einfache kath.net-Welt.

Nach diesem Konzept arbeitet man nun auch in der Sache der verweigerten Hilfeleistung für die vergewaltigte Frau in Köln (s.u.). Die Nachricht selbst wird zuerst einmal unterschlagen. Dann veröffentlicht man aber doch einen Artikel, der die Entschuldigung der Verantwortlichen thematisiert und den Fall als Missverständnis und eine Fehlinterpretation einzelner Krankenhausmitarbeiter abtut. Und heute schließlich schiebt man ein Interview mit einer Frau hinterher, die durch eine Vergewaltigung gezeugt wurde.

Es werden wieder Zahlen genannt, so seien nahezu 1% der US-Amerikaner in Vergewaltigungen gezeugt. Und die Frau betont, dass es für diese Menschen sehr verletzend sei, ihnen durch die Diskussion über eine mögliche Abtreibung im Falle einer Vergewaltigung den Eindruck zu vermitteln, "als wenn man sie wegwerfen könnte und „dass sie nie hätten geboren werden sollen“, dass man sie hätte „wegwerfen“ können."

So werden die pro-life-Aktivisten, die für eine klare Gesetzgebung in den USA gesorgt haben, als wahre Helden gefeiert: "Jene Juristen, welche am Gesetz von Michigan mitgearbeitet hatten und „zu hundert Prozent und ohne Kompromiss pro-life waren und die mich mit Gesetzen beschützt haben… sie haben für mich das Leben gewählt. Und sie sind meine Helden. Manche von uns brauchen Helden.“

Dass diese Frau so empfindet kann ich sehr gut nachvollziehen. Wie kath.net diesen Artikel in der aktuellen Situation einsetzt, allerdings weniger. Die wahren Helden sind nämlich nicht die pro-life-Aktivisten, sondern die Mütter dieser Kinder, die die Kraft und die Stärke, sicher auch die Leidensbereitschaft hatten, nach einer zutiefst zerstörerischen Erfahrung noch ja zum Leben sagen zu können. Diese Mütter spielen aber im Artikel keine Rolle. Man möchte lieber der eigenen pro-life-Haltung huldigen und diese glorifizieren, sich selbst als Helden darstellen.

Vielleicht sollte man einfach mal "Selbstmord nach Vergewaltigung" in eine Suchmaschine eingeben und sich vom überwältigen Ergebnis dieses Massenphänomens auf den Boden der Tatsachen zurück holen lassen. Wenn dann deutlich wird, dass hier Leben gegen Leben steht, dann kann man überlegen, wie man zuerst einmal diesen Frauen helfen kann!

1 Kommentar 18.1.13 11:10, kommentieren

Zu: Katholische Kliniken weisen Missbrauchsopfer ab

Einige katholische Krankenhäuser des Erzbistums Köln verweigern in bestimmten Fällen die Behandlung von vergewaltigten Frauen. Nach Recherchen des Kölner Stadt-Anzeigers war eine 25-jährige Frau im Dezember von zwei Kliniken abgewiesen worden. Sie wollte sich untersuchen lassen, weil sie nach einer Party auf einer Parkbank in der Stadt aufgewacht war und vermutete, sie sei mit K.-o.-Tropfen betäubt worden (weiter hier oder  hier ).


Ein ähnlich gelagerter Fall:

Ein Mann fuhr von Leverkusen nach Düsseldorf hinab und wurde von Bandidos überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen. Zufällig kam ein Priester dieselbe Straße entlang; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Jurist kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. Dann kam ein Homosexueller aus Köln, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, säuberte seine Wunden und verband sie. Dann lud er ihn in sein Auto, brachte ihn zu einem Hotel und sorgte für ihn. Am andern Morgen holte er zweihundert Euro hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.

Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Bandidos überfallen wurde? Der Generalvikar antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso! (Im Orginal hier)

17.1.13 14:07, kommentieren

Statt eines Kommentars

Was auch immer da in meiner Kommentarfunktion streikt, ich krieg es auf die Schnelle nicht raus! Nach einem längeren Mail-Austausch mit Josef Bordat, der sich in meiner Kritik an seinem Rechenexempel missverstanden fühlt, möchte ich seinen Kommentar, der warum auch immer einfach nicht freigeschaltet wird, hier publizieren. Meine Antwort füge ich gleich unten an. Sollten auch andere Leser die Erfahrung gemacht haben, dass die Kommentare nicht veröffentlicht werden, bitte ich um eine kurze Information. Das System ist so eingestellt, dass alles ohne Moderation und Zensur veröffentlicht wird. Spam, rassistische Äußerungen und Beleidigungen nehme ich aber selbstverständlich aus dem Blog.

 

Sehr geehrter Herr Schnitzler,

gegen unterstellte Absichten und Motive kann man sich nicht wehren. Wer mich falsch verstehen will, der wird das tun und der soll das auch tun. Menschen, die mich kennen, die mich *genau* kennen, wissen, dass ich schon aus höchstpersönlichen Gründen kein Interesse daran haben kann, Missbrauch herunterzuspielen. Das als Vorbemerkung.

1. Ich denke, Sie missverstehen mein Anliegen. Zumindest wird dieser „Querverweis“ (für den ich an und für sich dankbar bin) in Art und Ausführung meinem Anliegen nicht gerecht. Gerade die Charakterisierung meines Vorgehens als "kühl" und "unsensibel" verletzt mich sehr.

Aber: Man darf mich falsch verstehen, kein Thema. Nur haben Sie mich eben mit dieser Notiz wirklich *maximal* falsch verstanden. Ich sage gerade nicht, dass "der eigentliche Skandal nicht die Missbräuche sind, sondern die ihnen nachfolgende Diskussion um den Zölibat", sondern dass der "eigentliche Skandal" darin besteht, dass über die "nachfolgende Diskussion um den Zölibat" (und über andere Strukturfragen der Kirche, die nachweislich nichts mit Missbrauch zu tun haben), das Thema als *gesellschaftliches* Problem völlig aus dem Blick gerät.

Und: nein, ich meine *nicht*, dass man grundsätzlich nicht über den Zölibat reden darf. Ich meine nur, dass man *im Zusammenhang mit der Suche nach Ursachen für sexuellen Missbrauch* nicht über den Zölibat zu reden braucht, ja, dass eine solche Fokussierung in der Debatte, wie sie oft stattfindet (in den Medien, aber auch innerhalb der Kirche) sogar den Blick auf den eigentlichen Skandal verstellen kann: nämlich den, dass in Deutschland täglich über 800 Kinder sexuell missbraucht werden - von Männern, die nicht zölibatär leben.

Ich kann mir anscheinend die Finger wund schreiben und betonen, worum es mir geht (nämlich um einen offenen Diskurs) und worum es mir nicht geht (um die Verharmlosung von sexuellem Missbrauch). Es scheint nichts zu bringen. Ich verweise auf einen Blogbeitrag, in dem ich versuche, meine Intention zu verdeutlichen (http://jobo72.wordpress.com/2013/01/12/ein-offenes-wort/).

2. Meine These ist: Wir brauchen ein anderes Framing des Themas. Und ich schreibe eben, damit das gelingt. Das ist mein Beitrag für die Prävention. Denn das Thema zu „öffnen“ ist ein wichtiges Anliegen des Opferschutzes – das sage nicht ich als „katholischer Fundamentalist“, sondern darin weiß ich die eher unverdächtige Alice Schwarzer eng an meiner Seite.

Mit dem ehemaligen Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio bin ich der Ansicht, dass die mediale Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs in kirchlichen Einrichtungen bislang über weite Strecken Kampagnencharakter hatte. Umgekehrt: Für Menschen, die nicht von Priestern oder Prominenten missbraucht wurden, sondern ganz „normal“ (in drei von vier Fällen) von ihren Verwandten oder Bekannten, gibt es in den Medien keinen Raum. So entsteht in der Öffentlichkeit ein völlig schiefes Bild vom Missbrauchsproblem, wie eine Umfrage („ARD-Deutschlandtrend“ vom 19. März 2010) zeigt: Nach wochenlanger Berichterstattung über das Bekanntwerden von Missbrauchsfällen in kirchlichen Einrichtungen waren dieser Umfrage zufolge 9 Prozent der Deutschen sicher, dass sexueller Missbrauch ausschließlich in kirchlichen Einrichtungen vorkommt. Ausschließlich!

Für jeden elften Deutschen gibt es nach dieser Umfrage also keinen Missbrauch in Familien, Sportvereinen, staatlichen Schulen, humanistisch-reformpädagogischen Internaten, Ausbildungsbetrieben und Kinderchören, also dort, wo 99,9 Prozent aller Fälle sexuellen Missbrauchs stattfinden. Nur 88 Prozent halten es für erwiesen, dass auch außerhalb der Kirche Missbrauch stattfindet, 3 Prozent sind unsicher.

Dagegen schreibe ich an. Von "Ablenken" kann also keine Rede sein, eher von "Hinlenken", und zwar auf den Missbrauch als *gesellschaftliches* Problem!

3. Ihr Text entspricht auch nach der vorgenommenen Änderung (vielen Dank für den guten Willen und die Mühe) nicht wirklich dem, was ich ausdrücken wollte. Gemeint habe ich: Die Diskussion um den Zusammenhang von Zölibat und Missbrauch ist nicht skandalös, sondern *abwegig*. - *Skandalös* ist, dass eine abwegige Diskussion diskursive Ressourcen bindet, die bitter nötig wären, um die gesellschaftliche Dimension des Missbrauchs zu adressieren. *Skandalös* ist also, dass die Diskussion um den Zusammenhang von Zölibat und Missbrauch von der gesellschaftlichen Dimension des Missbrauchs ablenkt. *Skandalös* ist, dass nur dann über Missbrauch berichtet wird, wenn es Priester oder Prominente betrifft. Der ganz „normale“ Missbrauchsalltag in Deutschland wird weitestgehend verschwiegen. Das ist skandalös.

Schön wäre es also, wenn Sie hinzufügten: „weil er der Ansicht ist, dass eine solche Verengung des Blickwinkels der gesellschaftlichen Dimension des Missbrauchs nicht gerecht wird“. Denn damit würde klar, was ich in Wahrheit meine.

Herzliche Grüße,

Ihr

Josef Bordat

 

 

 

Verehrter Herr Bordat,

sicherlich wollte ich Sie mit meiner Kritik nicht persönlich angreifen. Ich halte sie aber auch nach Ihrer Richtigstellung für angebracht. Wir als Katholiken sollten zuerst einmal ein Interesse daran haben, in unserem Bereich für Aufklärung und Wiedergutmachung zu sorgen. Es sind unglaublich schreckliche Dinge geschehen, und das durch Menschen mit einem höchsten moralischen Anspruch in einer Institution mit einem ebensolchen Anspruch. Offensichtlich scheint sich der Missbrauch innerhalb der Kirche auch von dem außerhalb zu unterscheiden. Jeder Verweis auf die noch größere Zahl von Missbräuchen in der Gesellschaft wird wohl von vielen Menschen als Ablenkung bewertet werden. Wir haben in der Kirche zuerst einmal genug zu tun.

Zudem denke ich, dass in nahezu jeder Diskussion um den Missbrauch in der Kirche auch betont wird, dass die meisten Missbräuche in der Familie stattfinden. Ich sehe hier keine Verschwörung. Nur: Was nützt uns diese Tatsache für die Aufklärungsarbeit in der Kirche? Dass wir in der Kirche mit vielen Vorurteilen zu kämpfen haben, das weiß ich natürlich aus eigener Erfahrung, aber mit wilden Abwehrreaktionen kommen wir wohl auch nicht weiter. Eine professionelle Aufklärung und eine sachliche Diskussion würde der Kirche aber sicher helfen, wieder Vertrauen bei den Menschen zu gewinnen. Am wichtigsten aber ist, dass wir die Opfer in den Fokus rücken und nicht an ihnen vorbei diskutieren.  Was wird ein kirchliches Missbrauchsopfer empfinden, das von Kirchenvertetern erfährt, dass der Missbrauch in der Familie doch noch viel größer ist als in der Kirche?

Sie fordern eine Öffnung des Themas im Sinne des Opferschutzes, indem Sie den Zölibat und die kirchlichen Strukturen als Untersuchungsgegenstand der Aufarbeitung ausschließen. Wie passt das zusammen?

Viele Grüße

Volker Schnitzler

 

15.1.13 17:34, kommentieren