Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

kreuz.net

Kardinal Lehmann rügt Pfarrer Jolie

Das Bistum Mainz veröffentlichte heute Morgen eine Erklärung zur Causa Hendrick Jolie. In einem Gespräch zwischen dem Pfarrer und Vertretern des Bistums musste Jolie entgegen seinen bisherigen Äußerungen Kontakte zur Redaktion von kreuz.net und eine aktive Mitarbeit einräumen. Die Inhalte der von Jolie bei kreuz.net eingereichten Texte seien allerdings von den „anderen, verunglimpfenden, strafwürdigen und menschenverachtenden Äußerungen“ des Portals zu unterscheiden. Doch sei die Mitwirkung auf dieser Seite „eines Priesters unwürdig“. Jolie habe „außer den betroffenen Personen auch die Kirche beschädigt“.

Pfarrer Jolie entschuldigt sich in der Erklärung für sein „unkluges und unüberlegtes Handeln zu großem Schaden für die Diözese“ und bittet um Vergebung. Er verspricht darüber hinaus, seine Arbeit zu überdenken und Konsequenzen zu ziehen. Der Bischof von Mainz, Kardinal Lehmann, hat diese Entschuldigung angenommen und belässt es bei einer Ermahnung Jolies zu einem sensibleren Verhalten in der Öffentlichkeit.

Auch wenn die Vorgehensweise Kardinal Lehmanns gleich wieder kritisiert wird, erscheint sie mir sehr ausgewogen und intelligent. Zum einen hat Pfarrer Jolie seine Falschaussagen und Fehler eingestanden, was anzuerkennen ist. Darüber hinaus scheint er diese auch zu bereuen und gelobt Besserung. Viel mehr kann man zuerst einmal nicht von ihm verlangen, es bleibt aber die Aufgabe des Bistums, zu überprüfen, ob der Priester sich jetzt an seine Versprechen hält.

Zudem erreicht der Kardinal mit seiner Entscheidung, dass Jolie nicht wie andere – man denke an Mixa, Wagner oder Williamson – zum Märtyrer oder Opfer hochstilisiert und auf kreuz.net gefeiert wird.

Vermutlich wird es auch bei anderen Unterstützern und Hintermännern der Seite ähnlich ablaufen. Sobald sie aus dem feigen Hinterhalt der Anonymität ans Tageslicht gezerrt werden, kippen die Schreibtischtäter ganz schnell um. Die Geschichte zeigt allerdings, dass solche Leute nicht minder gefährlich sind, weshalb ein weiteres Vorgehen gegen diese Hetzseite richtig ist.

6 Kommentare 27.11.12 16:40, kommentieren

Die Welt der rechtskatholischen Brandstifter

Das rechtsradikale Hassportal kreuz.net sorgt weiterhin für Schlagzeilen. Immer mehr Namen von potentiellen Unterstützern, Sympathisanten und Hintermännern drängen an die mediale Öffentlichkeit. Entgegen den Beteuerungen der Kirchenoberen stehen auch einige Geistliche im Verdacht, in die Machenschaften dieser Hetzseite involviert zu sein. Sicherlich ist die Forderung des Bistums Mainz, wo einer der verdächtigen Priester seinen Dienst tut, richtig, keine Vorverurteilungen vorzunehmen. Aber dennoch ist zu konstatieren, dass die Macher dieses antikatholischen Portals durchweg bestens informiert sind, wenn es um sensible und aktuelle Informationen aus dem Inneren der Kirche geht. Man kann  nur hoffen, dass hier nicht ein weiterer Vatileaks-Skandal ansteht.

Was jedoch jedem katholischen Christen außerhalb der rechten Ecke seiner Kirche die Sorgenfalten ins Gesicht treiben muss, ist die Art und Weise, wie die Verdächtigten auf den einschlägigen katholischen Portalen und Blogs verteidigt werden, obwohl ein direkter Kontakt zu dem Hassportal bewiesen ist. Mit den fadenscheinigsten Begründungen wird das völlig inakzeptable Verhalten begründet und rechtfertigt. Wer kreuz.net auch nur ein einziges Mal gelesen hat, der wird sich mit Abscheu abwenden. Eine Zusammenarbeit ist für jeden Katholiken unentschuldbar. Ein billiges Herausreden oder Herunterspielen der Zusammenarbeit ein Zeichen von Charakterschwäche.

Das Hassportal zeichnet sich durch einen ausgeprägten Antisemitismus und eine wahnhafte Homophobie aus. Es wird gegen liberale Bischöfe und Theologen gekeilt und auf schäbige Weise von Protestanten gesprochen. Dabei wird gerne mit Naziterminologie hantiert und der Holocaust-Leugner Williamson als Held gefeiert. Es ist erschreckend, dass die Seite sich "katholisch" nennen darf, ohne dass von Rom offiziell und öffentlich dagegen vorgegangen wird.

Wenn man sich die Dauerbrenner-Themen der Rechtskatholiken einmal anschaut, dann sind da die so genannte Homoehe zu nennen, die Abtreibung, die Bedrohung durch den Islam und die angeblich linksgrünen "Mainstreammedien". Das einfältige Weltbild sieht ungefähr so aus: Die linksgrüne Mehrheitsgesellschaft in Europa sorgt mit ihrer falsch verstandenen Toleranz dafür, dass Europa seine christliche Prägung verliert und so auf Dauer muslimisch wird. Zwischenzeitlich begeht man in falsch verstandener Freiheit einen Massenmord an ungeborenen Kindern und verweichlicht durch eine immer mehr von Homosexuellen bestimmte Kultur, so dass das Schrumpfen der einheimischen Bevölkerung noch beschleunigt wird.

Dazu ein paar Gedanken: Täglich sterben weltweit Christen in muslimisch geprägten Ländern, es wäre unredlich, dies abzustreiten. Und das ist auch scharf zu verurteilen! Doch die Art und Weise, wie dies von rechtskatholischer Seite gegen die unschuldigen muslimischen Mitbürger in europäischen Ländern in Stellung gebracht wird, ist unerhört. So gefährdet man das friedliche Zusammenleben und schürt Hass und Misstrauen und schafft damit gerade eine Situation, wie sie in den muslimischen Ländern herrscht.

Es wird zudem auch komplett außer Acht gelassen, dass die Gewalttäter auch in diesen Ländern einer Minderheit angehören, die Masse der Muslime friedlich mit den Christen zusammen lebt. Damit ist kein einziger Mord rechtfertigt oder relativiert. Aber man muss die Kirche schon im Dorf lassen und genau hinschauen, wer da aus welchen meist banalen politischen Machtinteressen und eben nicht aus religiösen Gründen zum Mord aufruft. Mord an Unschuldigen ist auch mit dem Koran nicht zu rechtfertigen.

Dann muss sich der Westen auch einmal die Frage gefallen lassen, ob die westliche Außenpolitik der letzten Jahrzehnte - gerade auch der Amerikaner, z.B. ein Präsident Bush, der von Kreuzzügen spricht – nicht mit für den Hass auf die Christen verantwortlich ist. Doch dies scheint gerade hohen amerikanischen Würdenträger kein Gedanke wert zu sein. Man schlägt sich im Präsidentschafts-Wahlkampf lauthals auf die Seite des republikanischen Kandidaten, ungeachtet der Gefahr weiterer furchtbarer Kriege. Wichtiger scheint den Würdenträgern das Vorgehen der Republikaner gegen Verhütungsmittel und Homoehe zu sein. Hier hat man wohl offensichtlich den Blick für die wesentlichen Dinge verloren, wie auch Barbara Jentzsch auf Publik Forum unterstreicht.

Offensichtlich fällt es manchem der katholischen Bischöfe sehr schwer zu akzeptieren, dass die Kirche auch in einer säkularen Gesellschaft eine Verantwortung hat, das Evangelium zeitgemäß zu verkünden. Unentwegt wird auf die gute alte Zeit geschielt, wehmütig von gestern gesprochen und das Gegenwärtige abgewertet. Die Auseinandersetzung um die radikale Piusbruderschaft hat dieses Phänomen leider noch verstärkt, so dass der einzig richtige Ansatz des Zweite Vatikanums, die Zeichen der Zeit zu erkennen und den Glauben in die Sprache der Zeit zu übersetzen, völlig aus dem Blick gerät. Ein unerhörter Skandal. Nie zuvor war die Weltkirche so vollständig zusammen getreten und nie zuvor konnte sich ein Konzil freier von begrenzenden Vorgaben und Einflüssen entfalten.

Anstatt sich daran abzuarbeiten, wie man homosexuell veranlagten Menschen, die der Kirche aufgrund ihrer rigiden Sexualmoral den Rücken gekehrt haben, ein Leben in Liebe und Partnerschaft verwehren kann, sollte man sich doch wieder auf die wirklich wichtigen Potentiale des Evangeliums konzentrieren. Jesus sagt nichts über Homosexualität und die wenigen Bibelverse, die dies tun, sind offensichtlich nicht frei von zeitbedingten Vorurteilen.

Und auch die Absolutsetzung der Ehe stößt die säkularisierten Menschen ab. Schon die frühkirchliche Tradition kennt Ausnahmebestimmungen. Und die Aussagen Jesu sollten auch in der historischen Situation gesehen werden, wo die Frau existentiell von der Zuwendung des Ehemannes abhängig war. Jesus war immer auf der Seite der Schwachen, so auch im Falle der Ehescheidungspraxis.

Ebenso hilft die konfrontative Strategie der radikalen Lebensschützer bei der Abtreibungsdebatte wohl kaum weiter, schon gar nicht einer Frau in einer Konfliktsituation. Wenn man wirklich ein Interesse daran hat, auch nur ein Leben zu retten, was ich niemandem absprechen möchte, dann doch nur durch eine liebende Zuwendung, eine sachliche und hoffnungsspendende Beratung, vor allem aber durch ein System, das es durch Unterstützungsangebote und Hilfen erst ermöglicht, eine Entscheidung für das Leben zu treffen. Ob der Rückzug aus der Schwangerschaftskonfiktberatung der richtige Weg war, wage ich zu bezweifeln. In eine katholische Beratungsstelle werden nur noch die Frauen kommen, die die Bindung zur Kirche noch nicht vollständig gelöst haben, ihr noch nicht ganz den Rücken zugewandt haben. Aber was ist mit den anderen??

Die Rechtskatholiken suhlen sich gerne in ihrer Opferrolle und sehen gerade darin eine biblische Bestätigung für ihre Haltung, wenn sie immer wieder auf die Ablehnung, die Jesus erfahren hat, verweisen. Doch Jesus ist abgelehnt worden, weil er sich mit den Mächtigen seiner Zeit anlegte und sich für die Armen, Kranken, Ausgestoßenen und Schwachen einsetzte, indem er ihnen das Evangelium vom beginnenden Reich Gottes vorlebte. Umgekehrt ist es bei den rechten Schreihälsen, die gegen Frauen in Konfliktsituationen, gegen die Minderheit von homosexuellen Menschen, die von vielen Seiten verspottet und diskriminiert werden, und gegen die Minderheit friedlicher Muslime und Juden vorgehen. Eine Pervertierung der christlichen Botschaft. Diese Brandstifter dürfen keinen Einfluss in der Kirche haben.

2 Kommentare 20.11.12 12:20, kommentieren

Von faulen Früchten in kirchlichen Gärten

Es rumort zurzeit ganz gewaltig im rechten Kirchenschiff. Nachdem das führende deutschsprachige Schreihalsportal nach dem Tod von Dirk Bach mit einer der üblichen vulgärsprachlichen Hasstiraden provozierte, lobte der Bruno Gmünder Verlag 15000 Euro Belohnung für diejenigen aus, die zur Identifikation der Betreiber beitragen können. David Berger, dem Kardinal Meisner nach seinem Outing als Homosexueller die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen hatte, war in der Folgezeit einer der Opfer dieser Seite, was ihn zu einem der engagiertesten Gegner des Portals machte. Auch an der aktuellen Aktion des Bruno Gmünder Verlags ist er wesentlich beteiligt.

Seit Berger einen ersten Erfolg der Aktion verkündete und auch Namen von Priestern und Kirchenmitarbeitern genannt wurden, ist eine zunehmende Unruhe zu beobachten. Selbst kath.net, das sich trotz der Fokussierung auf katholische Nachrichten in den vergangenen Wochen weigerte, auch nur ansatzweise vom Fall Bach zu berichten, publiziert plötzlich einen Artikel. Dabei fällt die ungewohnte Sachlichkeit dieses Beitrags ins Auge. Alleine die Tatsache, dass Berger neutral als "ehemaliger Religionslehrer" bezeichnet wird, statt wie zuletzt als scheinheiliger Homo-Religionslehrer neben dem Bild eines „crazy frogs“, zeigt an, dass man in der kath.net-Redaktion plötzlich Kreide gefressen hat.

Und auch in der vorzensierten Kommentarspalte (politisch korrekt auch moderierte Kommentarspalte genannt) hält man sich beachtlich zurück. Dass dies nur eingeschränkt funktioniert – im Grunde gehe es ja nicht um das Schmuddelportal, sondern um ein Vorgehen Bergers gegen die katholische Kirche - mag man aufgrund der unterdrückten Emotionen großzügig überlesen.

Eigenartig nur, dass es vielen Kommentatoren so schwer fällt, sich einfach einmal deutlich, ohne Relativierungen und ohne kindische „die anderen sind aber genauso blöd“-Reaktion von dem Nachrichtenportal zu distanzieren. Eindeutig haben sich selbst die bei den konservativsten Katholiken beliebten Bischöfe von der Internetseite distanziert und sie als unkatholisch und inakzeptabel bezeichnet. Aktuell ist eine solche Einschätzung auch von Kardinal Schönborn zu vernehmen.

Warum fällt aber vielen eine solche eindeutige Distanzierung so schwer?? Sollte Berger etwa Recht haben mit seiner Einschätzung, dass auf dem Nachrichtenportal nur das in radikaler Weise formuliert wird, was viele Katholiken sowieso denken? Wenn man sich einmal ein wenig in der katholischen Blogger-Szene umschaut, dann kann man vereinzelt diesen Eindruck gewinnen.

Mein Predigtgarten etwa. Da wird bemüht sachlich versucht, über die aktuellen Ereignisse rund um das Portal zu berichten, doch gelingt es dem Blogger kaum, seine Sympathie für das Portal, das in der Vergangenheit mehrfach positiv über den Garten berichtete, und seine Antipathie für den Theologen Berger zu verbergen.

So wird nicht etwa eine der legendär-verkreuzten Hasstiraden zum Einstieg in den Artikel gewählt, nein, ein vulgäres Zitat eines kritischen watchblogs ziert die ersten Zeilen des Blogeintrags. Die anderen sind auch nicht besser als wir Katholiken, das muss wohl die Intention dieser Vorgehensweise sein. Der Respekt vor dem Erfolg des Portals wird kurzerhand dem Spiegel „in den Mund“ gelegt. Und die Qualität eines Blogs scheint sowieso von den Klicks abhängig zu sein, scheinbar ein gut katholisches Prinzip?! Die Masse macht’s, Bild lässt grüßen.

Immerhin wird eingestanden, dass mit dem Artikel über Dirk Bach die Schmerzgrenze überschritten wurde. Wenn alles andere, der offene Antisemitismus, der Hass auf Homosexuelle und die Verachtung von Protestanten, scheinbar noch im Toleranzbereich ist, dann frage ich mich, weshalb die Bischöfe das Portal auch schon vor dem Fall Bach verurteilten?!

Doch so erklärt sich dann auch das verdutzte Fragen nach der Zielsetzung der Aktion des Verlages um Berger. Weshalb man nun nach den Hintermännern forscht, ist dem Blogger völlig schleierhaft. „Ziel der Aktion unter organisatorischer Leitung von David Berger ist es, den Behörden möglichst eindeutiges Material liefern zu können, um – ja, um was eigentlich…?“

Die Antwort wäre mit einem Klick auf die Homepage der Aktion ganz leicht zu erfahren gewesen. Dort heißt es: „Der Bruno Gmünder Verlag hat heute wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung Strafanzeige gegen den Autoren des Textes, aber auch kreuz.net selbst erstattet.“

Schließlich wird noch versucht, David Berger als unzuverlässig und verwirrt darzustellen, indem verschiedene Aussagen, die er zur Anzahl von Redakteuren und potentiellen Autoren gemacht hat, gegeneinander gestellt werden.

Zu guter Letzt wird noch auf die öffentliche Distanzierung eines verdächtigten Priesters von dem pseudokatholischen Nachrichtenportal verwiesen, scheinbar um anzudeuten, dass die Gegner im Grunde nichts in der Hand haben. Spätestens hier hätte dem Blogger aber aufgehen können, was die einzig vernünftige Reaktion im Zusammenhang mit dieser abscheulichen Seite ist, die eindeutige Distanzierung! Besonders dann, wenn man selbst auf dieser Seite hofiert wird.

Aber das ist wohl zu viel verlangt von einem Blogger, der zum Geburtstag des Reformators Martin Luther ausschließlich über dessen Judenhass berichtet und im Bericht über ein "islamisches Fahrrad" ein Zitat einflechtet, in dem vermutet wird, dass dieses dem Fahrer wohl den Kopf abschlägt. Vielleicht wird gerade an diesen Stellen deutlich, weshalb es so wichtig ist, dass sich die boshafte Saat des führenden Schreihalsportals nicht weiter ausbreiten darf und welche Früchte diese Saat hervorbringt.

2 Kommentare 9.11.12 22:33, kommentieren

Bucklige Verwandtschaft

Die Entscheidung des Vatikans um die Wiedereingliederung der Piusbruderschaft unter das Dach der Kirche rückt näher. Die erwartungsvolle Spannung kann man an dem unterschiedlichen Umgang der beiden führenden Schreihalsportale mit diesem Thema ablesen. Während die Kreuzer sich mit zum Teil widersprüchlichen Meldungen nur so überschlagen, gaukeln die Kather Gelassenheit vor und bringen gar keine Meldung.
 
Was auch immer die Zukunft in dieser dem Papst so wichtigen Angelegenheit bringen mag, es liegt Sprengstoff darin. Die Ideallösung, dass die gesamte Bruderschaft die Aussagen des letzten Konzils akzeptiert, ist wohl lediglich theoretischer Art. Viel spricht dafür, dass der Konflikt weiter schwelen wird. Wenn explizit.net heute eine Meldung bringt, in der eine Verbindung zwischen kreuz.net und der Piusbruderschaft behauptet wird, dann kann man die Sorge vieler Katholiken dieser Entwicklung gegenüber verstehen. Es läge dann wohl auch ein Widerspruch zwischen den Bemühungen des Papstes um diese Traditionalisten und den Aussagen vieler deutscher Ortsbischöfe, die den Machern dieses Portals die Katholizität absprechen.
 
Es fällt schwer zu glauben, dass es der Einheit der Kirche dient, wenn diese hasserfüllten Fäkalsprachakrobaten wieder einen Platz in der Kirche fänden. So aber bleibt nur zu hoffen, dass das unendliche Bemühen des Papstes zu einer Mäßigung im rechtskatholischen Lager führt.

12.5.12 17:04, kommentieren

Von Sünden und Böcken im Land der Verschwörungstheorien

Der Sündenbock im alten Israel war wahrlich eine reinigende Institution. Beladen mit den Sünden des Gottesvolkes trieb man ihn in die Wüste und wusste sich von begangener Schuld befreit. Christen glauben, dass Jesus zum Opferlamm für die Schuld der Menschheit geworden ist und uns so Gott als liebenden, gnädigen und unter Sünde leidenden offenbart hat.

Nun waren sowohl der Bock als auch Jesus in Bezug auf die aufgeladene Schuld selber doch schuldlos, was scheinbar zur Konzeption des stellvertretenden Sühneopfers gehört. Vor diesem Hintergrund könnte man Matthias Matusseks Artikel auf spiegelonline verstehen, wenn er dort die katholische „Linke“, die er als liberal, progressiv und reformwillig beschimpft, für das Denunziantentum in der katholischen Kirche verantwortlich macht. Er packt all die Sünden der dunklen Hurra-Katholiken auf den Buckel der katholischen Theologin Saskia Wendel: Denunziation, Schnüffelei, das Fahnden ohne höheren Auftrag, Selbstgerechtigkeit, Ausgrenzung, Einschüchterung etc. und schickt sie in die Wüste der Romuntreue.

Das Ziel der matussekschen Polemik ist allerdings nicht Versöhnung und Frieden, sondern - in ihrer Umkehrung der Tatsachen - Spaltung und Verleumdung. Zusammen mit seinem Kumpanen Alexander Kissler und beider Publikum auf kath.net unterstellt man den so verhassten reformwilligen Katholiken genau das, was man selbst immer weiter perfektioniert: Denunziation.

So richtet sich der Hass vor allem gegen den Jesuiten Klaus Mertes, der sich für eine wirkliche Aufklärung der Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche einsetzt. Oder eben gegen reformorientierte Theologen, die das Memorandum unterschrieben haben, wie Frau Wendel.

Diesen allerdings Schnüffelei, Einschüchterung und Ausgrenzung vorzuwerfen ist an Boshaftigkeit schwer zu überbieten. Sind es doch vor allem die erzkonservativen kath.net-Traditionalisten, die liberale Bistümer und Theologen beobachten, um nach eigener Definition festgestellte Häresien und abweichende Lehren aufzudecken. Das kisslersche Pfingstdossier war der bisherige Höhepunkt im Denunziations- und Spaltungsbestreben dieser Leute. Matussek hat sich auf seiner Homepage an der Verschwörungstheorie dann auch fleißig beteiligt.

All diejenigen, denen zusammen mit dem Papst an der Einheit der Kirche gelegen ist, die sich für Frieden und Versöhnung einsetzen, all diese Menschen sollten sich von den Kisslers und Matusseks fern halten. Diesen Journalisten in katholischen Fragen ein Forum zu bieten, würde bedeuten, den Bock zum Gärtner zu machen. Der Hass und die giftige Polemik, die in ihren vergifteten Artikeln zum Ausdruck kommen, disqualifizieren sie, für die katholische Kirche die Stimme zu erheben.

Kardinal Meisner hat sich deutlich von Internetplattformen wie kreuz.net distanziert. Er begründet seine Entscheidung mit dem gehässigen und beleidigenden Stil der Kommentare. Diese findet man auch auf kath.net zuhauf. Wenn man die jüngsten Entwicklungen beobachtet, dann sollten sich die deutschen Bischöfe endlich dazu durchringen, kath.net zu ächten. Es kann nicht sein, dass man sich von diesen Leuten beschimpfen lässt, ihnen aber weiterhin Interviews und Stellungnahmen anbietet und sie so aufwertet und legitimiert. Das Einmischen in bischöfliche Aufgaben, wie das Wächteramt über die rechte Lehre, darf nicht toleriert werden. Böcke können den Gärtner eben nicht ersetzen.

2 Kommentare 9.8.11 19:25, kommentieren