Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Neuevangelisierung

Es ist schlecht, eine Horrormeldung nicht Horrormeldung zu nennen

Eine schwangere Frau bekommt die Diagnose, dass sie einen tödlichen Hirntumor hat. Die möglicherweise rettende Chemotherapie lehnt sie aufgrund ihrer Schwangerschaft ab. Sie fällt ins Koma und gebiert Monate später ein gesundes Kind bevor sie dann verstirbt. Was für eine traurige Geschichte von Leben uns Tod? Mit Hiob möchte man Gott anschreien:

"Du wandelst dich zum grausamen Feind gegen mich, mit deiner starken Hand befehdest du mich. [...] Ja, ich hoffte auf Gutes, doch Böses kam, ich harrte auf Licht, doch Finsternis kam." (30,21+26)

Man kann an Gott verzweifeln, wenn man von solchen Schicksalen erfährt. Haben die Kinder und der Ehemann dieser Frau nicht auch eine Mutter und Ehefrau verdient? Immer wieder drängt sich uns die Theodizeefrage auf, wie  kann ich einen guten Gott denken, wenn ich diese Schicksale betrachte? Bei Hiob führt erst seine Gottesschau zu Trost und Frieden. Auf diese hoffen auch wir, dass im Angesicht Gottes doch alles zum Guten geführt wird.

Umso erstaunter war ich, als ich diese Geschichte bei kath.net unter der Überschift 'Es ist gut, nicht nur Horrormeldungen zu erhalten' las. Wie geling es Weihbischof Laun, diese Horrorgeschichte als etwas Gutes zu bewerten? Das kann nur dann funktionieren, wenn man in einer schwarzweißen Gedankenwelt beheimatet ist. Abtreibung ist schlecht, Leben schenken ist gut. Nur, wird man den vielfältigen Schicksalsschlagen von Menschen damit gerecht? Kann man eine Frau verurteilen, die leben will?

Man macht es sich zu einfach, wenn man hier mit pauschalen Urteilen arbeitet. Diese Dilemmasituationen dürfen nicht für die eigene Ideologie missbraucht werden, damit wäre man in der Rolle der Freunde Hiobs, die ihn ununterbrochen auffordern doch endlich seine Sünde zuzugeben, die für die Strafen Gottes verantwortlich sind. Diese Freunde verurteilt Gott zuletzt. Und deshalb ist die Linie des Papstes, nicht mehr mit rigorosen Gesetzen und Pauschalurteilen zu arbeiten, sondern den Menschen Hilfe und Stütze zu sein, völlig richtig und zutiefst biblisch!

2 Kommentare 16.9.17 14:22, kommentieren

Die Opfer im Kampf der Giganten

Wie wichtig und dringend notwendig Reformen in der katholischen Kirche sind, machten neue Richtlinien der irischen Bischofskonferenz deutlich. Zum ersten Mal traut sich ein solches Gremium an ein innerkirchliches Tabuthema: Der Umgang mit Kindern von ehelos lebenden Priestern.

Ähnlich wie bei den Missbrauchsskandalen wird hier ein morsches und anachronistisches Verdrängungssystem des Klerus aufgedeckt und reformiert, das der Glaubwürdigkeit der Kirche immensen Schaden zugefügt hat und leider auch immer noch zufügt.

Zwei Welten prallen hier aufeinander. Auf der einen Seite das völlig überhöhte priesterliche Selbstbverständis, einer geistlichen Elite anzugehören, die allen weltlichen Dingen entsagt, auf der anderen Seite ein ebenso überhöhter Ehebegriff, der nicht weniger verlangt, als  im Ehebund die Treue Gottes zu den Menschen zu symbolisieren, damit ist die Ehe einzig legitimer Ort, Leben zu schaffen.

Und nun treffen diese beiden Absolute aufeinander, und das Ergebnis ist absolut schlecht: Kinder von Priestern darf es nicht geben, deshalb muss dieses "Problem" diskret gelöst werden. Die Opfer sind die Kinder, die ohne Vater aufwachsen und oftmals vor einer Mauer des Schweigens oder der Lüge stehen bzw selber zu Lüge und Heimlichkeit gezwungen werden.

Aus rein theologischer Logig steht das Ehesakrament über der nur kirchenrechtlichen Verpflichtung zum Zölibat. Man wundert sich, dass bei der Rhetorik von der sakramentalen Ehe, die auf eine Weitergabe des Lebens ausgerichtet ist, mit dem Recht des Kindes auf Vater und Mutter, die man allerorts von Bischöfen und sich selbst glorifizierenden katholischen Muttertieren hört, niemand auf die Idee kommt, den Priestervater auf eine Heirat hin zu verpflichten. Oder steht dann der Zölibat doch über allen Sakramenten und vor allem über dem Wohl des Kindes?

Und wenn es nach mir ginge, könnte der verheiratete Priester selbstverständlich seinen Beruf weiter ausüben, vermutlich sogar in vielen Fällen besser als vorher.

24.8.17 14:12, kommentieren

Entweltlichung zum Feldlazarett

Ein Bischof bringt Licht ins Dunkel, während sich eine ganze Bischofskonferenz mit dem Dunkel arrangiert. Auf der einen Seite die verbeulte Kirche der Armen, das Feldlazarett, wie Franziskus sich Kirche wünscht, auf der anderen Seite eine Kirche, die sich mit der weltlichen Macht verbrüdert, prunkvoll und reich. "Entweltlichung" forderte Benedikt XVI für die Kirche; zwei Päpste, eine Botschaft.

23.7.17 10:28, kommentieren

Bischof Oster auf Zuckerentzug

Von seiner theologischen Ausrichtung ist Jugendbischof Oster ein Greiser, ein Mann vergangenener Tage, der in Polen, wo die kirchlichen Uhren noch um einige Jahrzehnte nachgehen, besser aufgehoben wäre als in Deutschland. Bei seinem Antrittsbesuch vor dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend wirft er dem Verband vor, ein Evangelium light zu vertreten. Was ist seine Kritik?

Engagement für Flüchtlinge und gegen Rassismus seien zwar löblich, und auch die demokratische Beteiligungskultur sei begrüßenswert, aber man sei zuerst einmal Kirche und nicht Politik. Der Jesus, der in der "Theologie der Verbände" zum Vorschein komme, sei eine Karikatur, viel zu nett.

Und natürlich blieb es nicht nur bei der Kritik des Vorhandenen, Oster zeigt auch auf, wie er sich eine Korrekktur hin zum wahren Evangelium vorstellt: Mehr beten und gegen Abtreibung demonstrieren.

Statt wirklich zu helfen, also demonstrieren, statt hinaus in die Welt zu gehen, also beten. Vielleicht so wie im Gebetshaus zu Augsburg, mit einer spektakulären Show, da fand Oster zumindest keine kritischen Worte. Das also ist Osters Vorstellung von Evangelium?

Aus meiner Sicht könnte Oster vom BDKJ lernen, seine eigene Lightversion zu überdenken und das zu tun, was Jesus und die Apostel taten: Hinausgehen in die Welt und die frohe Botschaft eines "netten" Gottes verkünden, der seinen Himmelsthron verlässt und sich die Mühe macht,  als (mit-) leidender Mensch zu den Ärmsten der Armen zu gehen. Die nennt man heute z.B. Flüchtlinge oder auch Frauen in Konfliktsituationen. Denen kann man übrigens auch tatkräftig helfen, dazu bedarf es auch gar keiner großen Demonstration!

Die Süße des Evangeliums kann Oster sich aber auch auf anderem Wege besorgen: Papst Franziskus verteilt sie gerade auf beeindruckende Weise in Fatima (vgl. hier).

13.5.17 10:01, kommentieren

The Hunger Games

Bischof Oster hat die Magie zurück in die katholische Kirche geholt, sein Obermagier ist Showprediger Johannes Hartl. Magie ist die geheime Kunst sich übersinnliche Kräfte dienstbar zu machen, sie für die eigenen Zwecke einzusetzen.

"Die Welt besteht mehr als aus dem Sichtbaren. Es gibt Kräfte zwischen Himmel und Erde, von denen die Naturwissenschaft nichts weiß. Gott erhört Gebet, und Gebet hat real Kraft. In besonderen Zeiten jedoch wird in der Bibel zusätzlich dazu gefastet. Zum Beispiel hier, wo eine nationale Katastrophe droht und ein Plan des Bösen verwandelt werden soll."

Und die nationale Katastrophe scheint auch uns zu drohen, hat man sich im Gebetshaus doch für die vorösterliche Fastenzeit vorgenommen, die Rettung Europas herbeizuhungern. Europa scheint besonders bedroht zu sein, doch "alle Tendenzen und Pläne der Zerstörung über unseren Ländern sind für Gott kein Hindernis". Man fragt sich, weshalb die Flüchtling der Welt zu großen Teilen nach Europa drängen, wo doch hier die große Zerstörung droht?!?

Wie auch immer, Hartl weist uns den Weg, das Böse zu besiegen und Europa zu retten: "Lasst uns in diesen 40 Tagen fasten und beten für Leben statt Tod und Heil statt Zerstörung - eine veränderte Geschichte in Europa." Und so wundert es auch nicht, dass er für seine theologische Begründung nicht auf das Neue Testament verweist, sondern eine Geschichte aus dem Buch Ester bemüht, wo die Heldin das Volk um Beistand durch Fasten bittet und so die Vernichtung der Juden verhindert. Mit Jesu Reden und Handeln wäre es nämlich relativ schwierig, ein solch Gott besänftigendes und lenkendes Ritual zu begründen.

"Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet." (Mt 6,5-8)

Scheinbar weiß Gott, was wir uns wünschen und was wir brauchen, leider wissen wir nicht immer, was Gott will, das musste schon Hiob lernen, der sich an alle religiösen Vorschriften und Rituale hielt und dennoch leiden musste. Und auch Jesus bitte Gott den Kelch des Kreuzestodes noch einmal an ihm vorbei ziehen zu lassen. Doch Gottes Pläne waren andere.

Zu oft hatte Jesus sich mit den religiösen Eliten seiner Zeit angelegt, hatte mit seiner Tempel- und Gesetzeskritik die Mächtigen gegen sich aufgebracht. Die Reinheitsgebote und das Sabbatgebot hatte er relativiert und den Männern den Scheidebrief gegen das mosaische Gesetz untersagt. Wer so mit den Machtinstrumenten der Mächtigen der Welt umgeht, lebt gefährlich.

Seine Reich-Gottes-Botschaft, die Reich Gottes schuf, indem die Leidenden geheilt, die Armen gespeist und die Ausgestoßenen integriert wurden, war denjenigen, die Vorteile aus den Unterschieden zogen, ein Dorn im Auge. Seine Tischgemeinschaften, seine Feiern mit diesen Menschen wurden ihm zum Vorurf gemacht: "Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder!" (Mat 11,19)

Und so kehrten die Eliten dieses Verhalten Jesu ins Gegenteil um, indem sie ihre Autorität als Verwalter der Gesetze Gottes und der religiösen Rituale gegen ihn verwendeten:

"Da die Jünger des Johannes und die Pharisäer zu fasten pflegten, kamen Leute zu Jesus und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer fasten? Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten." (Mat 9,14f)

Aber anders als die Johannesjünger, die sich vor dem apokalyptischen Endgericht wähnten und diesem mit Fasten entgegenfürchteten, verkündet Jesus eine Freudenzeit, denn der Herr ist unter den seinen, und dies gilt es zu feiern. Und in dieser Freudenzeit sollten doch alle Geistgetauften leben.

Vielleicht sollte Hartl seine Anhängerschaft also eher dazu animieren, hinaus an die Ränder der Gesellschaft zu gehen und dort mit den Einsamen, den Obdachlosen, den Armen und Kranken zu feiern, anstatt für die Rettung Europas eine Medienshow zu veranstalten, dann würde Reich Gottes tatsächlich wachsen, auch in Europa und vielleicht nicht nur da.

1 Kommentar 12.3.17 13:25, kommentieren

Autoritäre Päpste im Vergleich

Ja, ich wiederhole mich, aber es ist schon erstaunlich, was da im rechtskatholischen Lager gerade abgeht. Der absolutistische Alleinherrscher Franziskus hört einfach nicht auf seine Beratergremien, auch nicht auf die Glaubenskongregation, und trifft eigenmächtige Entscheidungen. Ein Vorwurf, den man vor 2013 vielleicht von "Wir sind Kirche", in Theologenmemoranden oder aus Pfarrerinitiativen hätte vernehmen können, aber doch nicht aus rom- und papsttreuen den Adel und die Monarchie verherrlichenden rechtskatholischen Kreisen?!
 
Man traut seinen Ohren und Augen kaum. Synodalität wird eingefordert, der vor 2013 verteufelte Begriff des "Dialoges" bemüht. Franziskus hat wahre Wunder bewirkt! Jaaaa, ihr habt ja so Recht! Endlich sind die Lager innerhalb des Katholizismus auf einer Linie. Nun muss man rechts der katholischen Mitte nur noch begreifen, dass Franziskus genau das gemacht hat! Er hat eine Synode einberufen und nicht nur die üblichen Hardliner aus dem Vatikan an der Entscheidungsfindung beteiligt, sondern die Weltkirche. Und schwubs, endlich geht mal was. Halleluja!
 
Nun können rechte und linke Katholiken endlich zusammenarbeiten und alle willkürlich-autoritären Entscheidungen von Päpsten, die gegen jede Vernunft und gegen das Zeugnis der Bibel durchgesetzt wurden, kritisieren. Der Ausschluss von Frauen vom Weiheamt fiele mir da natürlich zuallererst ein.
 
Wenn man aktuell rumjammert, Franziskus habe die Einwände der Glaubenskongregation bezüglich Amoris laetitia ignoriert, dann muss man auch Ordinatio sacerdotalis kritisieren. Hier geht es nämlich um eine definitive Lehrentscheidung, die ebenfalls fatale Auswirkungen auf ein Sakrament hat. Alle Frauen werden damit automatisch ausgeschlossen, entgegen dem neutestamentlichen Zeugnis! Das hatte die Päpstliche Bibelkommission schon 1976 beanstandet, Johannes Paul II ging jedoch über diese Erkenntnisse der führenden katholischen Theologen hinweg und definierte diese Lehre endgültig. Während Franziskus synodal für eine Öffnung der Sakramente auch für gescheiterte Menschen kämpft, schloss Johannes Paul II autoritär einen Großteil der Katholiken aus dem Weihesakrament aus.

1 Kommentar 11.1.17 17:22, kommentieren

Von windigen Verkündern

Selten ist mir eine abstoßendere Verkehrung des Evangeliums begegnet als in einem Pamphlet von Professor Hubert Windisch, veröffentlicht auf dem papstkritischen Portal kath.net.

"Viele Äußerungen von Bischöfen oder Kirchenfunktionären unterscheiden sich nicht wesentlich von politischen Stellungnahmen. Im Gegenteil, manchmal erscheinen sie wie religiös verbrämte Verlautbarungen von Regierungssprechern, die eine unrealistische Fernstenliebe propagieren und dabei das konkrete Leben ihrer Schäflein vor Ort übersehen. Viele der letzten Weihnachtsansprachen atmen diesen Geist. Immer mehr Menschen wenden sich ungläubig kopfschüttelnd von den Kirchen ab, wenn der politischen Bevormundung draußen im Land im Kirchenraum, bei der Predigt zumal, die klerikal-moralisierende Bevormundung folgt. Die Verkündigung der Kirche ist erschütternd horizontal und flach geworden."

Der Begriff der Fernstenliebe soll wohl der christlichen Nächstenliebe gegenüber gestellt werden. Nächstenliebe richte sich an die "Schäflein vor Ort" nicht an die Wölfe von außerhalb, so kann man den windischen Gedanken wohl zu Ende denken. Was für eine Pervertierung des Evangeliums. Man fragt sich, wer einen solchen Kerl ausgebildet und in hohe Ämter eingesetzt hat?

Gottlob ist die kirchliche Verkündigung seit Franziskus "horizontal und flach" geworden, damit liegt sie nämlich wieder auf der Linie Gottes, der sich selbst klein macht, zum Menschen wird und ihnen auf der horizontalen und flachen Ebene begegnet, zuerst den Fremden und Ausgestoßenen und Kranken. Und da macht er so manche erstaunliche Erfahrungen, die dem Professor in seinem theologischen Elfenbeinturm vielleicht vorenthalten wurden?! Da ist es der Fremde Samariter, der sich als einziger von zehn Geheilten dankbar zeigt, so dass Jesus auch einen Samariter zum Helden eines Gleichnisses macht, in dem der Fremde einem Überfallenen hilft, während die religiöse Elite vorbeizieht.

Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Die beiden Schäfchen oder der Fernste?

Die Nächsten kommen bei Jesus eigentlich gar nicht so gut weg. So kanzelt er seine Familie ab und betont, dass die Menschen, die ihm folgen, seine Familie sind. "Wer ist meine Mutter und wer ist mein Bruder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder."

Jesus fordert nicht nur die Fernstenliebe, er fordert sogar die Feindesliebe, Windischs weichgespültes Wohstandschristentum braucht kein Mensch.

1.1.17 13:04, kommentieren