Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Neuevangelisierung

Bischof Oster auf Zuckerentzug

Von seiner theologischen Ausrichtung ist Jugendbischof Oster ein Greiser, ein Mann vergangenener Tage, der in Polen, wo die kirchlichen Uhren noch um einige Jahrzehnte nachgehen, besser aufgehoben wäre als in Deutschland. Bei seinem Antrittsbesuch vor dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend wirft er dem Verband vor, ein Evangelium light zu vertreten. Was ist seine Kritik?

Engagement für Flüchtlinge und gegen Rassismus seien zwar löblich, und auch die demokratische Beteiligungskultur sei begrüßenswert, aber man sei zuerst einmal Kirche und nicht Politik. Der Jesus, der in der "Theologie der Verbände" zum Vorschein komme, sei eine Karikatur, viel zu nett.

Und natürlich blieb es nicht nur bei der Kritik des Vorhandenen, Oster zeigt auch auf, wie er sich eine Korrekktur hin zum wahren Evangelium vorstellt: Mehr beten und gegen Abtreibung demonstrieren.

Statt wirklich zu helfen, also demonstrieren, statt hinaus in die Welt zu gehen, also beten. Vielleicht so wie im Gebetshaus zu Augsburg, mit einer spektakulären Show, da fand Oster zumindest keine kritischen Worte. Das also ist Osters Vorstellung von Evangelium?

Aus meiner Sicht könnte Oster vom BDKJ lernen, seine eigene Lightversion zu überdenken und das zu tun, was Jesus und die Apostel taten: Hinausgehen in die Welt und die frohe Botschaft eines "netten" Gottes verkünden, der seinen Himmelsthron verlässt und sich die Mühe macht,  als (mit-) leidender Mensch zu den Ärmsten der Armen zu gehen. Die nennt man heute z.B. Flüchtlinge oder auch Frauen in Konfliktsituationen. Denen kann man übrigens auch tatkräftig helfen, dazu bedarf es auch gar keiner großen Demonstration!

Die Süße des Evangeliums kann Oster sich aber auch auf anderem Wege besorgen: Papst Franziskus verteilt sie gerade auf beeindruckende Weise in Fatima (vgl. hier).

13.5.17 10:01, kommentieren

The Hunger Games

Bischof Oster hat die Magie zurück in die katholische Kirche geholt, sein Obermagier ist Showprediger Johannes Hartl. Magie ist die geheime Kunst sich übersinnliche Kräfte dienstbar zu machen, sie für die eigenen Zwecke einzusetzen.

"Die Welt besteht mehr als aus dem Sichtbaren. Es gibt Kräfte zwischen Himmel und Erde, von denen die Naturwissenschaft nichts weiß. Gott erhört Gebet, und Gebet hat real Kraft. In besonderen Zeiten jedoch wird in der Bibel zusätzlich dazu gefastet. Zum Beispiel hier, wo eine nationale Katastrophe droht und ein Plan des Bösen verwandelt werden soll."

Und die nationale Katastrophe scheint auch uns zu drohen, hat man sich im Gebetshaus doch für die vorösterliche Fastenzeit vorgenommen, die Rettung Europas herbeizuhungern. Europa scheint besonders bedroht zu sein, doch "alle Tendenzen und Pläne der Zerstörung über unseren Ländern sind für Gott kein Hindernis". Man fragt sich, weshalb die Flüchtling der Welt zu großen Teilen nach Europa drängen, wo doch hier die große Zerstörung droht?!?

Wie auch immer, Hartl weist uns den Weg, das Böse zu besiegen und Europa zu retten: "Lasst uns in diesen 40 Tagen fasten und beten für Leben statt Tod und Heil statt Zerstörung - eine veränderte Geschichte in Europa." Und so wundert es auch nicht, dass er für seine theologische Begründung nicht auf das Neue Testament verweist, sondern eine Geschichte aus dem Buch Ester bemüht, wo die Heldin das Volk um Beistand durch Fasten bittet und so die Vernichtung der Juden verhindert. Mit Jesu Reden und Handeln wäre es nämlich relativ schwierig, ein solch Gott besänftigendes und lenkendes Ritual zu begründen.

"Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet." (Mt 6,5-8)

Scheinbar weiß Gott, was wir uns wünschen und was wir brauchen, leider wissen wir nicht immer, was Gott will, das musste schon Hiob lernen, der sich an alle religiösen Vorschriften und Rituale hielt und dennoch leiden musste. Und auch Jesus bitte Gott den Kelch des Kreuzestodes noch einmal an ihm vorbei ziehen zu lassen. Doch Gottes Pläne waren andere.

Zu oft hatte Jesus sich mit den religiösen Eliten seiner Zeit angelegt, hatte mit seiner Tempel- und Gesetzeskritik die Mächtigen gegen sich aufgebracht. Die Reinheitsgebote und das Sabbatgebot hatte er relativiert und den Männern den Scheidebrief gegen das mosaische Gesetz untersagt. Wer so mit den Machtinstrumenten der Mächtigen der Welt umgeht, lebt gefährlich.

Seine Reich-Gottes-Botschaft, die Reich Gottes schuf, indem die Leidenden geheilt, die Armen gespeist und die Ausgestoßenen integriert wurden, war denjenigen, die Vorteile aus den Unterschieden zogen, ein Dorn im Auge. Seine Tischgemeinschaften, seine Feiern mit diesen Menschen wurden ihm zum Vorurf gemacht: "Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder!" (Mat 11,19)

Und so kehrten die Eliten dieses Verhalten Jesu ins Gegenteil um, indem sie ihre Autorität als Verwalter der Gesetze Gottes und der religiösen Rituale gegen ihn verwendeten:

"Da die Jünger des Johannes und die Pharisäer zu fasten pflegten, kamen Leute zu Jesus und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer fasten? Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten." (Mat 9,14f)

Aber anders als die Johannesjünger, die sich vor dem apokalyptischen Endgericht wähnten und diesem mit Fasten entgegenfürchteten, verkündet Jesus eine Freudenzeit, denn der Herr ist unter den seinen, und dies gilt es zu feiern. Und in dieser Freudenzeit sollten doch alle Geistgetauften leben.

Vielleicht sollte Hartl seine Anhängerschaft also eher dazu animieren, hinaus an die Ränder der Gesellschaft zu gehen und dort mit den Einsamen, den Obdachlosen, den Armen und Kranken zu feiern, anstatt für die Rettung Europas eine Medienshow zu veranstalten, dann würde Reich Gottes tatsächlich wachsen, auch in Europa und vielleicht nicht nur da.

2 Kommentare 12.3.17 13:25, kommentieren

Autoritäre Päpste im Vergleich

Ja, ich wiederhole mich, aber es ist schon erstaunlich, was da im rechtskatholischen Lager gerade abgeht. Der absolutistische Alleinherrscher Franziskus hört einfach nicht auf seine Beratergremien, auch nicht auf die Glaubenskongregation, und trifft eigenmächtige Entscheidungen. Ein Vorwurf, den man vor 2013 vielleicht von "Wir sind Kirche", in Theologenmemoranden oder aus Pfarrerinitiativen hätte vernehmen können, aber doch nicht aus rom- und papsttreuen den Adel und die Monarchie verherrlichenden rechtskatholischen Kreisen?!
 
Man traut seinen Ohren und Augen kaum. Synodalität wird eingefordert, der vor 2013 verteufelte Begriff des "Dialoges" bemüht. Franziskus hat wahre Wunder bewirkt! Jaaaa, ihr habt ja so Recht! Endlich sind die Lager innerhalb des Katholizismus auf einer Linie. Nun muss man rechts der katholischen Mitte nur noch begreifen, dass Franziskus genau das gemacht hat! Er hat eine Synode einberufen und nicht nur die üblichen Hardliner aus dem Vatikan an der Entscheidungsfindung beteiligt, sondern die Weltkirche. Und schwubs, endlich geht mal was. Halleluja!
 
Nun können rechte und linke Katholiken endlich zusammenarbeiten und alle willkürlich-autoritären Entscheidungen von Päpsten, die gegen jede Vernunft und gegen das Zeugnis der Bibel durchgesetzt wurden, kritisieren. Der Ausschluss von Frauen vom Weiheamt fiele mir da natürlich zuallererst ein.
 
Wenn man aktuell rumjammert, Franziskus habe die Einwände der Glaubenskongregation bezüglich Amoris laetitia ignoriert, dann muss man auch Ordinatio sacerdotalis kritisieren. Hier geht es nämlich um eine definitive Lehrentscheidung, die ebenfalls fatale Auswirkungen auf ein Sakrament hat. Alle Frauen werden damit automatisch ausgeschlossen, entgegen dem neutestamentlichen Zeugnis! Das hatte die Päpstliche Bibelkommission schon 1976 beanstandet, Johannes Paul II ging jedoch über diese Erkenntnisse der führenden katholischen Theologen hinweg und definierte diese Lehre endgültig. Während Franziskus synodal für eine Öffnung der Sakramente auch für gescheiterte Menschen kämpft, schloss Johannes Paul II autoritär einen Großteil der Katholiken aus dem Weihesakrament aus.

1 Kommentar 11.1.17 17:22, kommentieren

Von windigen Verkündern

Selten ist mir eine abstoßendere Verkehrung des Evangeliums begegnet als in einem Pamphlet von Professor Hubert Windisch, veröffentlicht auf dem papstkritischen Portal kath.net.

"Viele Äußerungen von Bischöfen oder Kirchenfunktionären unterscheiden sich nicht wesentlich von politischen Stellungnahmen. Im Gegenteil, manchmal erscheinen sie wie religiös verbrämte Verlautbarungen von Regierungssprechern, die eine unrealistische Fernstenliebe propagieren und dabei das konkrete Leben ihrer Schäflein vor Ort übersehen. Viele der letzten Weihnachtsansprachen atmen diesen Geist. Immer mehr Menschen wenden sich ungläubig kopfschüttelnd von den Kirchen ab, wenn der politischen Bevormundung draußen im Land im Kirchenraum, bei der Predigt zumal, die klerikal-moralisierende Bevormundung folgt. Die Verkündigung der Kirche ist erschütternd horizontal und flach geworden."

Der Begriff der Fernstenliebe soll wohl der christlichen Nächstenliebe gegenüber gestellt werden. Nächstenliebe richte sich an die "Schäflein vor Ort" nicht an die Wölfe von außerhalb, so kann man den windischen Gedanken wohl zu Ende denken. Was für eine Pervertierung des Evangeliums. Man fragt sich, wer einen solchen Kerl ausgebildet und in hohe Ämter eingesetzt hat?

Gottlob ist die kirchliche Verkündigung seit Franziskus "horizontal und flach" geworden, damit liegt sie nämlich wieder auf der Linie Gottes, der sich selbst klein macht, zum Menschen wird und ihnen auf der horizontalen und flachen Ebene begegnet, zuerst den Fremden und Ausgestoßenen und Kranken. Und da macht er so manche erstaunliche Erfahrungen, die dem Professor in seinem theologischen Elfenbeinturm vielleicht vorenthalten wurden?! Da ist es der Fremde Samariter, der sich als einziger von zehn Geheilten dankbar zeigt, so dass Jesus auch einen Samariter zum Helden eines Gleichnisses macht, in dem der Fremde einem Überfallenen hilft, während die religiöse Elite vorbeizieht.

Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Die beiden Schäfchen oder der Fernste?

Die Nächsten kommen bei Jesus eigentlich gar nicht so gut weg. So kanzelt er seine Familie ab und betont, dass die Menschen, die ihm folgen, seine Familie sind. "Wer ist meine Mutter und wer ist mein Bruder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder."

Jesus fordert nicht nur die Fernstenliebe, er fordert sogar die Feindesliebe, Windischs weichgespültes Wohstandschristentum braucht kein Mensch.

1.1.17 13:04, kommentieren

Weihnachten ohne Lichtershow

Papst Franziskus steht zur Zeit ganz schön unter Beschuss. Die Kirche zeigt sich darin mal wieder von einer unschönen Seite. Intrigen, Skandale, Lügen, nichts lassen hohe Würdenträger und ihr traditionalistisches Klientel aus, um dem Papst zu schaden. Auch dem papsttreuen kath.net fällt es immer schwerer, nicht auf die Linie der Konkurrenz von gloria.tv oder katholisches.info abzugleiten. Doch so kritisch ich kath.net auch sehe, eines muss man dem Portal zugutehalten: Es lässt den Papst immer wieder authentisch zu Wort kommen.

Das allerdings ist dann auch durchaus demaskierend, wenn man die Seite einmal mit Verstand quer liest. Die Zerissenheit der Tradis wird dann nämlich mit Händen greifbar, weil Franziskus Predigt diamentral zur kath.net-Linie steht.

Dies fiel mir gerade heute Morgen wieder auf, als ich die päpstliche Predigt bei der Christmette und anschließend das Interview mit Johannes Hartl auf kath.net las. Bei einem Portal, das sich deutlich gegen jedweden "postfaktischen Journalismus" stellt, verwundern manipulative und von Vorurteilen geprägte Fragestellungen doch sehr.

"kath.net: Im deutschsprachigen Raum hat man das Gefühl, dass nicht wenige Kirchenvertreter wie beispielsweise Bischöfe öffentlich oft vor allem mit politisch-korrekten Aussagen auftreten. Ein deutscher Kardinal wird bei einer Google-Abfrage hauptsächlich in Zusammenhang mit der AFD oder mit Flüchtlingen gefunden, fast nie in Zusammenhang mit Jesus. Gläubige Katholiken sind darüber alles andere als glücklich. Wie schätzt Du diese Situation ein, dass die Kirche bei der Jesus-Botschaft so stumm geworden ist?"

Deutschsprachige Bischöfe sprechen also politisch korrekt, was mit einer evangeliumskonformen Verkündigung nicht einhergehen kann. Man äußert sich lieber politisch als christlich. Und anstatt diesem Schwachsinn zu widersprechen, nimmt Starprediger Johannes Hartl die Vorlage dankbar auf:

"Hartl: Man kann sich jetzt natürlich endlos über manche Kirchenleute ärgern. Doch fruchtbarer finde ich es, selbst mit gutem Beispiel voran zu gehen. Fakt ist selbstverständlich: wir reden von allem möglichen, aber viel zu wenig von Jesus. Wir brauchen zeugnishafte, bekennende Rede von Gott. Natürlich wünsche ich mir diese viel mehr von den Bischöfen und Pfarrern. Doch auch im Alltag ergeben sich so viele Gelegenheiten, in denen man unverkrampft und bekenntnisfroh davon berichten kann, was einem Jesus bedeutet. Das Evangelium hat nichts an seiner Kraft verloren. Es breitet sich überall dort aus, wo es mutig bekannt wird. Und zum Glück gibt es gute Initiativen wie YOUCAT, Alphakurse, Wege erwachsenen Glaubens oder Radio Horeb (um nur wenige zu nennen), in denen die Verkündigung wieder ganz in den Mittelpunkt gestellt wird."

Also: Nicht über Bischöfe ärgern, die sich weigern, das Evangelium zu verkünden, aufstehen und selber verkündigen! Eine perfekte Überleitung zum eigentlichen Ziel des Interviews, Werbung für Hartls MEHR-Konferenz zu betreiben, dem Kontrastprogramm zu der lauen deutschsprachigen Verkündigung der Bischöfe... Hier kommt Jesus endlich einmal zu Wort, Hartl sei Dank!

"Hartl: Wir haben tatsächlich schon wieder fast doppelt so viele Anmeldungen wie das letzte Mal. Und eine solche Verdoppelung haben wir die letzten Jahre schon öfter erlebt, seit wir einmal mit 130 Teilnehmern gestartet haben. Also: ich bin mir nicht sicher, wie lange es noch Resttickets gibt, doch unter mehr.gebetshaus.org bekommt man zumindest aktuell noch Tickets. Der Sinn der MEHR ist ganz einfach: gemeinsam zu erleben, wie faszinierend Jesus ist. Diese Faszination verändert alles. Tausende Menschen, denen es um Jesus geht, in einer Atmosphäre von Tag-und-Nacht-Gebet, das seit über 5 Jahren nicht abreißt: das ist einfach was ganz Einzigartiges."

Für läppische 140 Euro kann man dann auch eine ganz andere Show erleben als in einer kirchensteuerfinanzierten Bischofsmesse. So etwa Ben Fitzgerald, der von göttlichen Visionen beauftragt einen "Kreuzzug" in Europa startet, um den Europäern Jesus, den sie  zu 98% nicht kennen, näher zu bringen. Bei Walter Heidenreich kann man dann "geistliche Kampfschulung" trainieren. Es ist also Aktion angesagt, im Gebetshaus zu Augsburg, wie soll da ein deutschsprachiger Bischof auch mithalten können? Mit AfD-Kritik und Engagement für Flüchtlinge sicherlich nicht, da sind sich kath.net und Johannes Hartl offenbar sicher.

Lassen wir die politisch korrekten deutschen Oberhirten also einmal beiseite und lauschen wir dem Wort des Papstes in der gestrigen Christmette, gibt er sich doch auch alle Mühe, den wahren Kern des Christentums herauszustellen. Allerdings kommt er ohne Begriffe wie Kreuzzug und Kampfschulung aus, das sei schon vorausgeschickt, damit die Enttäuschung nicht zu groß wird.

"Wenn wir das wahre Weihnachten feiern wollen, lasst uns dieses Zeichen betrachten: die zerbrechliche Einfachheit eines kleinen Neugeborenen; die Sanftheit, mit der er daliegt; die zarte Liebe, welche die Windeln ausdrücken, die ihn umhüllen. Dort ist Gott."

Zerbrechlich, Einfachheit, klein, Sanftheit, zart, Liebe... Ob sich mit diesem etwas verweichlichten und femininen Vokabular etwas reißen lässt?

"Mit diesem Zeichen offenbart uns das Evangelium ein Paradox: Es spricht vom Kaiser, vom Statthalter, von den Großen jener Zeit, aber dort taucht Gott nicht auf; er erscheint nicht im Nobelsaal eines königlichen Palastes, sondern in der Armut eines Stalls; nicht im Prunk der äußeren Erscheinung, sondern in der Einfachheit des Lebens; nicht in der Macht, sondern in einer Kleinheit, die überrascht. Und um ihm zu begegnen, muss man dorthin gehen, wo er ist: Man muss sich niederbeugen, sich erniedrigen, klein werden."

Bedeutet dies etwa, Jesus nicht auf einer prunkvollen Bühne mit effektvoller Lichtshow zu suchen, sondern im Angesicht der Armen, der Hungernden, der Vertriebenen? Franziskus scheint das so zu meinen:

"Lassen wir uns anfragen vom Kind in der Krippe, aber lassen wir uns auch anfragen von den Kindern, die heute nicht in einer Wiege liegen und von der Liebe einer Mutter und eines Vaters umhegt sind, sondern in den elenden „Futterkrippen der Würde“: im unterirdischen Bunker, um den Bombardierungen zu entkommen; auf dem Bürgersteig einer großen Stadt, auf dem Boden eines mit Migranten überladenen Schleppkahns. Lassen wir uns anfragen von den Kindern, die man nicht zur Welt kommen lässt; von denen, die weinen, weil niemand ihren Hunger stillt; von denen, die nicht Spielzeug, sondern Waffen in den Händen halten."

Auch der Papst ein politisch Korrekter, der die Jesus-Botschaft verschweigt? Wohl kaum. Jesus begenet nach Franziskus gerade im Angesicht eines armen Menschen, weil er selber in die Armut geboren wurde und sich zuerst den Armen angenähert hat. Dort unten ist Jesus zu finden, nicht da oben auf der Showbühne.

Und deshalb bin ich froh, dass ich einen Bischof habe, der dies immer wieder predigt. Fremdenfeindlichkeit, Hass gegenüber Flüchtlingen und Christentum sind unvereinbar. Es ist eine wichtige Botschaft, eine Botschaft des Evangeliums. Wer das nicht erkennt, hat trotz lichtdurchfluteter Hallen nichts verstanden.

25.12.16 08:00, kommentieren

Kirchenpolitik und göttliche Offenbarung

Es ist schon eine wirkliche Farce, was sich da gerade um das Apostolische Schreiben "Amoris laeitia" herum abspielt. Nun hört man heute zum ersten Mal die gewichtige Stimme Kardinal Müllers, dem Präfekten der Glaubenskongragtion, zu dem Thema.

In Bezug auf die Streitfrage um die Zulassung wiederverheiratet Geschiedener meint Müller: "Wir können sicher davon ausgehen, dass der gerechte und barmherzige Gott immer unser Heil will, in welcher Not wir uns auch befinden. Es steht aber nicht in der Macht des Lehramtes, die Offenbarung Gottes zu korrigieren oder die Nachfolge Christi bequem zu machen."

Das finde ich eine ganz sinnvolle und schlüssige Aussage! Ich wundere mich allerdings, dass die Wogen gerade im Zusammenhang mit "Amoris laetitia" so hoch schlagen, denn es ist doch ganz offensichtlich in der Offenbarung Gottes grundgelegt, dass er ein zutiefst barmherziger ist. Er selbst gibt sich in die Welt hinein, um gerade den Sündern, den Armen und Ausgestoßenen nahe zu sein. An dieses Programm hält sich auch Franziskus, der wie Jesus zu diesen Menschen geht und ihnen nicht ihre Verfehlungen vor den Schädel knallt, sondern eine helfende und heilende Hand ausstreckt. "Ich verurteile dich nicht!" Das ist die Stimme Gottes gegenüber der Ehebrecherin. "Ich bin bei dir!"

Den Papst nun in seinem jesuanischen Tun zu kritisieren, ist schon ein starkes Stück. Als Johannes Paul II 1994 die Unmöglichkeit der Kirche, Frauen zu Priesterinnen zu weihen, definitiv entschied und autoritär jede weitere Diskussion untersagte, hörte man aus den Reihen dieser Kritiker keinen Widerspruch. Und das, obwohl die Päpstliche Bibelkommission schon 1976 feststellte, dass es im Neuen Testament keine klaren Hinweise gibt, die ein solches Verbot rechtfertigten. Ohne eindeutigen konkreten Anschluss an die Offenbarung wurde eine definitive Lehrentscheidung getroffen, mit der deutlichen Forderung, jede weitere Diskussion dieser Frage einzustellen. Aus den Reihen der heutigen Kritiker gab es damals nur Zustimmung, sie spürten keine Sorge um die Lehre, keine Verwirrung der Gläubigen, die es damals wie heute natürlich gibt, weshalb Franziskus zum Glück das frühchristliche Diakonissenamt wieder in den Blick rückt.

1 Kommentar 1.12.16 16:49, kommentieren

Eine Anekdote des Vatikan-Korrespondenten Angelo Johanni

Am frühen Morgen begab Franziskus sich wieder in den Petersdom. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es. Da trugen vier alte und erfahrene Kardinäle und ihre Unterstützer von kath.net und der Blogözese den Fall einer Frau vor, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie warfen sie in die Mitte und sagten zu ihm: "Heiliger Vater, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt. Jesus hat uns im Evangelium vorgeschrieben, solche Frauen von den Sakramenten auszuschließen. Nun, was sagst du?"

Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Franziskus aber bückte sich zu der Frau hinunter und wies mit dem Finger auf das Apostolische Schreiben "Amoris laetitia".

Als die Kardinäle hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: "Wer von euch ohne Sünde ist, schließe sie von den Sakramenten aus." Und er bückte sich wieder zu der Frau hinunter und schrieb der Kardinäle Verfehlungen auf die Erde. Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst der Älteste.

Franziskus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte hockte. Er richtete sie auf und sagte zu ihr: "Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?" Sie antwortete: "Keiner, Vater". Da sagte Franziskus zu ihr: "Auch ich verurteile dich nicht. Lass uns gemeinsam versuchen, weniger zu sündigen!"

1 Kommentar 19.11.16 10:42, kommentieren