Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Zimmermann

Die Perspektive des Zimmermanns

Schöner-Wohnen-Bischof Oster (vgl. hier) erkennt im Zusammenhang mit den Renovierungsarbeiten an seinem neuen Zuhause, dass sich auch das Haus der Kirche in einem "Transformationsprozess" befindet. Von unten sieht die Welt offensichtlich anders aus als aus dem Fenster des dogmatischen Elfenbeiturms, als der Blick noch etwas pessimistisch verstellt war (hier). So aber macht Oster eine Erfahrung, der sich auch Gott in der Inkarnation des Zimmermanns nicht hat entziehen wollen. ;-)

16.11.14 11:45, kommentieren

Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder

Der Psychoanalytiker Tilmann Moser schrieb in den 70er Jahren über die "Gottesvergiftung" durch problematische Gottesbilder und löste damit eine heftige Diskussion aus. Aktuell kann man auf Publik-Forum (hier) ein sehr interessantes Interview mit ihm lesen, in dem er den Kulturverlust einer immer säkulareren Gesellschaft bedauert und neben der Gottesvergiftung auch die "segensreiche Einwirkung eines tragfähigen Glaubens" anerkennt.

So relativiert er zwar die Bewertung Freuds, die Religionen seien "kollektive Neurosen", die auf infantiler "Bedürftigkeit nach Trost und Führung" fußten, zu einem gläubigen Menschen macht ihn das aber dann doch nicht, wenn er den Glauben als kindlich und das Leben ohne Gott als erwachsen bewertet.

Bewundernswert ist aber dennoch seine Aufrichtigkeit, wenn er am Ende des Interviews in Bezug auf das Christentum von Rätselhaftem spricht und für ihn ungeklärte Fragen formuliert.

"Sie selbst stellen die Frage nach dem Schöpfer nicht?

Moser: Nein. Aber dennoch bleibt das Christentum auch für mich ein Rätsel. Ich frage mich, wie es kommt, dass dieser geschichtliche Jesus mit seinen paar Leuten zu einer Weltbewegung geworden ist. Und warum auch heute noch so viele kluge Menschen an der Kirche hängen. Wie kommt es zu der Wirkung dieser Idee? Hängt das mit der Krise des Römischen Reiches zusammen? Mit den großen sozialen Problemen damals? Dass er ein Prophet der Armen war? Und wieso ist daraus eine reiche, protzende Weltkirche geworden? Das ist ein historisches Rätsel, auf das ich keine Antwort habe."

Und tatsächlich spricht er hier auch einen für mich ganz entscheidenden Punkt an. Die Botschaft dieses Handwerkers und seiner Bauern und Fischer geht nach einem grandiosen Scheitern und der totalen Verzweiflung und Auflösung aufgrund von unzähligen Erscheinungen und Visionen innerhalb einer Generation einmal um die gesamte bekannte Welt.  Und Erfolgsrezept ist tatsächlich das Angebot der unterschiedslosen Gottes-Kindschaft für jeden Menschen, sei er nun Sklave oder Freier, Jude oder Heide, Mann oder Frau. Und so bin ich als gläubiger Mensch dann auch gerne staunendes Kind ;-)

22.8.14 09:53, kommentieren

Das Handwerk des Zimmermanns

Die Kritik an der historisch-kritischen Methode scheint sich nach dem Werk von Klaus Berger (vgl. hier) unter Theologen weiter zu verbreiten. Aktuell hat sich Professor Klaus Wengst in diese Richtung geäußert (vgl. hier). Die Evangelien seien keine protokollarischen Berichte, entscheidend sei die Auferstehung, etwas, das mit wissenschaftlicher Methodik nicht zu fassen sei, weshalb sich die Evangelien legendarischer Sprache bedienten. Da historische Jesusforschung verwertbares Datenmaterial des Menschen Jesus von Nazareth zum Ziel habe, müsse sie den Konstruktionspunkt der Evangelien, das Zeugnis der Auferstehung, zerschlagen. Dann erhalte man Trümmerstücke, die wiederum zu einem imaginierten, selbstgemachten Jesusbild zusammengefügt würden. „Das – Gottes endzeitlich-neuschöpferisches Handeln am hingerichteten Jesus und nicht irgendeine Besonderheit am Menschen Jesus – ist der Konstruktionspunkt der Evangelien.“

Nun mag an dieser Darstellung einiges stimmen. Die Frage, die sich jedoch stellt, ist die nach der Alternative zur historischen Exegese? Ich bin nicht der Meinung, dass das Leben des historischen Jesus durch das Christusgeschehen so verdeckt wird, dass man keine präzisen Aussagen mehr machen kann. Beides gehört zusammen. Auch wenn erst die nachösterliche Sicht den Blick auf die wahre Bedeutung dieses Jesus von Nazareth freigibt, so war er auch als Mensch schon Sohn Gottes. Und gerade an diesem Menschsein des Gottessohnes hängt doch für uns Christen sehr viel, weshalb wir es nicht einfach vernachlässigen können.

Gerade dieses Menschsein provoziert von Anfang an. Die Inkarnation eines Gottes, der als Gottverlassener am Kreuz endet, war den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit (1Kor 1, 23). Schon die Evangelien verarbeiten teilweise die Vorwürfe, mit denen sich die ersten Christen konfrontiert sahen, so z.B. Mt 27, 62-66 den Vorwurf des Leichenraubes, um die Auferstehung behaupten zu können. Paulus bezieht sich manchmal, wenn auch nicht oft, auf Weisungen Jesu, so z.B. bei der Problematik der Ehescheidung (1 Kor 7). Und auch in der Abgrenzung von gnostischen Sekten, die Jesus als reines Gottwesen verstanden, besteht die frühe Christenheit auf der wahren Menschlichkeit des Gottessohnes.

Es muss für uns Christen also von höchstem Interesse sein, dem historischen Menschen Jesus so nahe wie möglich zu kommen. Zwar ist es richtig, dass dabei viele verschieden Akzente gesetzt werden, viele Jesusbilder entstanden sind. Aber auch das ist bereits bei den Evangelien zu beobachten. Lukas bezeichnet die Versuche seiner Vorgänger als unzureichend und schreibt deshalb sein eigenes Evangelium, in seinem Fall sorgfältig recherchiert und der Reihe nach aufgeschrieben (Lk 1, 1-3). Er benutzt sogar den von Wengst verworfenen Begriff des Berichtes, sieht sich der Verfasser des lukanischen Doppelwerkes doch als Geschichtsschreiber.

Und deshalb kann Joseph Ratzinger in Offenbarung und Überlieferung sagen: „Auch hier wäre im übrigen wiederum festzuhalten, daß die kirchliche Theologie des Neuen Testaments, obgleich mit der inneren historisch erfaßbaren neutestamentlichen Theologie des Neuen Testaments nicht einfach identisch, sondern über sie hinausgreifend, ihr aber dennoch nicht bloß Äußerliches ist. Denn auch hier beginnt schon mitten im Neuen Testament selber der Vorgang der kirchlichen Auslegung des Überlieferten; die kirchliche Theologie des Neuen Testaments reicht als Prozeß mitten in das Neue Testament selbst hinein, wie sich etwa die Geschichte der synoptischen Überlieferung aufs deutlichste zeigt.“

Gerade die Unterschiedlichkeit und die Widersprüchlichkeit der Evangelien schreit ja geradezu nach einer kritischen historischen Auseinandersetzung, die es eben von Anfang an gegeben hat, selbst in der Bibel. Weshalb sollten wir also damit aufhören? Gerade wenn man diesen Jesus den Menschen unserer Tage vermitteln will, muss man dies auch zeitgemäß tun, das kann man vielleicht auch von Lukas lernen, der sein Evangelium nicht für Juden, sondern für eine heidenchristliche Gemeinde schreibt.

Auch die weitere Bewertung der historisch-kritischen Methode durch Wengst ist teilweise nicht fair. So hält er das doppelte Differenzkriterium für erledigt, seine Definition desselben ist aber unvollständig, damit er es als antijudaistisch stigmatisieren kann.

Einigermaßen sicheren Boden haben wir nur in einem einzigen Fall unter den Füßen, wenn nämlich Tradition aus irgendwelchen Gründen weder aus dem Judentum abgeleitet noch der Urchristenheit zugeschrieben werden kann, speziell dann, wenn die Judenchristenheit ihr überkommenes Gut als zu kühn gemildert oder umgebogen hat“, schrieb Ernst Käsemann 1954. Auf dieses Zitat bezieht sich Wengst in seinen Ausführungen indirekt, ohne jedoch den zweiten Aspekt der christlichen Abmilderung zu erwähnen. Dass diese Kriterien gar nicht so überholt sind, kann man an einem Beispiel aufzeigen, das der Neutestamentler Peter Pilhofer in einer Vorlesung zum historischen Jesus zur Veranschaulichung des Unableitbarkeitskriterium anführt. In Mk 2,23–28 heißt es:

Und es begab sich, daß er am Sabbat durch Saatfelder ging, und seine Jünger begannen im Vorübergehn Ähren auszuraufen. Und die Pharisäer sagten zu ihm: „Sieh doch! Warum tun sie am Sabbat, was nicht erlaubt ist?“ Und er sprach zu ihnen: „Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Not litt und Hunger hatte, er und seine Gefährten? Wie er in das Haus Gottes eintrat, zur Zeit des Hohenpriesters Abiathar, und die Schaubrote aß, die nur die Priester essen dürfen, und auch seinen Gefährten davon gab?“ Und er sprach zu ihnen: „Der Sabbat ist um des Menschen willen da und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“ Also ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.“

Pilhofer zeigt auf, dass auf die Anfrage der Pharisäer im Grunde drei Antworten gegeben werden, die nicht alle auf den historischen Jesus zurückgeführt werden können. Die rabbinische oder auch typisch jüdische Antwort lautet: Schaut auf das Handeln Davids! Dieses Handeln Davids hat aber gar nichts mit dem Sabbat zu tun, hier wird vielmehr nach rabbinischem Vorbild ein Schriftwort gegen ein anderes gestellt.

Dann eine zweite, typisch nachösterliche, also christliche Antwort, die lautet: Christus ist Herr über den Sabbat! Die christliche Gemeinde schwächt das Jesuswort ab und überträgt das Sabbatgebot auf die Eucharistiefeier. Christus, nicht jedoch die Christen, ist Herr über den Sabbat. Die Christen haben das Gebot weiter zu befolgen.

Und schließlich die authentisch jesuanische Antwort: Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht umgekehrt! Der Mensch ist frei in seiner Haltung zum Sabbat. Jesus bedarf keines Schriftwortes, um das Gesetz zu relativieren. Er tritt mit Autorität gegenüber Gesetzesvorschriften auf. Das ist eine Provokation, die sich weder Matthäus noch Lukas trauen in ihr Evangelium zu übernehmen.

Nur die Antwort „Der Sabbat ist für den Menschen da“ ist weder aus jüdischem noch aus christlichem Kontext ableitbar und damit jesuanisch. Doch der Jesus, der da zum Vorschein kommt, ist so radikal, dass er durch die beiden anderen Antworten entschärft werden muss. Hier spricht einer mit göttlicher Autorität, von einer legendarischen Darstellung kann keine Rede sein, der Tod am Kreuz, den diese und andere Provokationen nach sich ziehen, ist historisch gut belegt.

Mir sind Theologen und Kirchenmänner suspekt, die Jesus Christus aus der Welt heraustheologisieren wollen, zu einem überhöhten Christus, dessen Transzendenz der des Schöpfergottes gleich kommt. Gott wurde Mensch, das feiern wir Weihnachten und auch Ostern macht nur Sinn, wenn dieser Jesus gelitten hat und gestorben ist, also wahrhaft Mensch war.

Wenn ich Joseph Ratzinger in Offenbarung und Überlieferung richtig verstanden habe, dann geht die Offenbarung Gottes im Christusgeschehen der Schrift und der Überlieferung voraus. Und Überlieferung bzw. Verkündigung hat trotzdem immer Auslegung gemäß der Schrift zu sein. Natürlich ist es entscheidend, wie man der Schrift begegnet, ob als Gläubiger oder als Ungläubiger, nur der Glaube erlaubt es, die christliche Offenbarung zu erfassen. Aber den historisch arbeitenden Theologen als jemanden zu bezeichnen, der die Offenbarung hintergeht, halte ich für ungerechtfertigt. Wenn Jesus nicht erst durch die Auferstehung zum Christus wird, sondern dies vor aller Schöpfung war, dann ist die historische Rückfrage doch auch ein Arbeiten an der Offenbarung.

Ratzinger schreibt: „Es gibt eine neutestamentliche Theologie des Neuen Testamentes [...], also jene Theologie, die der Historiker als solcher dem Inneren des Neuen Testaments entnehmen kann […] Es drückt sich aus die Einheit von Christus des Glaubens und Jesus der Geschichte: daß der Jesus der Geschichte kein anderer ist als der Christus des Glaubens, wenn Glaube auch immer mehr ist als Geschichte.Von hier aus gilt, daß gleichwie es ein Wächteramt der Kirche und ihrer geistbegabten Zeugenschaft gibt, so auch ein Wächteramt der Exegese besteht, die den Literalsinn erforscht und so aller Gnosis entgegen die Bindung an die Sarx [Menschlichkeit Jesu] des Logos [Göttlichkeit Jesu] hütet. […] Das, was wissenschaftlich […] eindeutig aus der Schrift zu erkennen ist, hat die Funktion eines wirklichen Kriteriums, vor dem auch die lehramtliche Äußerung sich bewähren muss. Gewiss handelt es sich hier um die untere Komponente, die des Wissens, das nicht über den Glauben richtet, aber das eben doch auch im Glauben als kritische Instanz besteht und als solches eine vordringliche Aufgabe hat: auf die Reinheit […] des einmal ergangenen Zeugnisses zu achten, die Sarx der Geschichte gegen die Eigenmacht der Gnosis zu verteidigen, die sich immer wieder verselbständigen will.“

Eine wunderbare Interpretation der Aufgabe der Exegese! Ob die aber heute schon Wirklichkeit ist, das darf bezweifelt werden. Zuletzt zeigte Gerd Häfner auf, dass die Erkenntnisse moderner Bibelexegese so gut wie gar nicht in lehramtliche Äußerungen einfließen (hier). Vor diesem Hintergrund halte ich die frömmelnden Beiträge von Klaus Berger oder Klaus Wengst für kontraproduktiv!

1 Kommentar 30.5.14 13:40, kommentieren

Auf der Straße und im Elfenbeinturm

Ok, Neukardinal Müller sieht es offfensichtlich als seine Aufgabe an, den pastoralen und Menschen zugewandten Weg des Papstes mit dogmatischen Leitplanken zu begrenzen, damit nicht noch ein Unglück geschieht und eine Frau, die 19 Jahre mit einem geschiedenen Mann, von dem sie zwie Kinder hat, zusammen lebt, zur Kommunion geht (hier). Gut, ist wohl seine Aufgabe als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre. Im Elfenbeinturm darf man natürlich über Ideale sinnieren.

Dass er dabei jedoch jedes Gespür für das Evangelium vermissen lässt, wundert doch schon ein wenig. Der katholische Glaube sei keine "Wohlfühlreligion", wird er aktuell auf katholisch.de zitiert (hier). Na, wenn das mal keine Botschaft ist?! Hat da nicht ein handwerklich begabter Wanderprediger aus einem Nest bei Sepphoris etwas ganz anderes über sich und sein Handeln verbreiten lassen?

"Geht und berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, und Aussätzige werden rein; Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet." (Lk 7,22)

Aber vielleicht ist das auch eine über die Jahrhunderte verfälschte Übersetzung? Vielleicht heißt es im Orginal ja vielmehr: Geht und berichtet dem Johannes, was ihr gesehen habt: Blinde sehen die Schönheit der göttlichen Ordnung, Lahme gehen auf dem Weg der dogmatischen Präzision, und Aussätzige werden sich an der katholischen Lehre innerlich reinigen; Taube hören die Dogmen, Tote verehren sie im Himmelreich, und den Armen wird ein Katechismus gespendet. Nein, das ist wahrlich keine Wohlfühlbotschaft...

3 Kommentare 2.5.14 09:42, kommentieren

Die Gottesversteher

Manchmal kann es einem einfach nur noch schlecht werden, wenn man so manche Auslassung von Würdenträgern des konservativsten Flügels der Kirche liest. Zwei Beispiele liefert aktuell katholisches.info mit Bischof Thomas Joseph Tobin von Providence und dem Dominikaner Pater Giovanni Cavalcoli.

Ersterer maßt sich an, das Verhältnis Gottes zu einzelnen Menschen so genau zu kennen und bestimmen zu können, dass er eine Warnung vor dem Besuch einer auf Rhode Island nun erlaubten staatlichen Homo-Eheschließnug ausspricht: Die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung könne nämlich das „Verhältnis zu Gott schädigen“. Ich bin mir nicht sicher, ob es für Katholiken nicht viel schädlicher ist, sich vom Gottesbild dieses Mannes beeinflussen zu lassen?! Jesus jedenfalls hat sich nicht davor gescheut, den Menschen, die als unrein, ausgestoßen und sündhaft galten, zu begegnen und mit ihnen zu essen und zu feiern!

Das obige Beispiel kann der Dominikaner Cavalcoli jedoch noch toppen, wenn er uns sein Bild von Jesus Christus vor Augen führt, um zu verdeutlichen, dass Jesus - anders als die dialogisierenden Gutmenschen nach dem Zweiten Vatikanum - nicht dialogisiert, sondern hart mit seinen Feinden ins Gericht geht:

„Wenn wir aber das Vorbild Christ anschauen, sehen wir seine scharfen Streite mit Pharisäern, Schriftgelehrten und Priestern, mit härtesten Ausdrücken aus seinem Mund, mit denen er sie anklagt, den Teufel zum Vater zu haben, ihnen erklärte, daß sie in ihren Sünden sterben werden, er ihnen mit strengen göttlichen Strafen drohte, sie immer wieder der Heuchelei beschuldigte, des Geizes, der Lüge, der Untreue gegenüber Moses, an rein menschlichen Traditionen zu hängen, der Grausamkeit, der Ungerechtigkeit, der Frevel, des Mordes, der Glaubenslosigkeit und ihnen zwei harte Beschimpfungen entgegenschleuderte, wenn er sagte, sie sind „Natterngezüchte“ und „übertünchte  Gräber“ und noch anderes mehr.“

Ja, Jesus stritt mit den Pharisäern, den Schriftgelehrten, den Priestern. Mit all denen, die Gott für sich vereinnahmten, die genau wussten, wer Gott ist, was er will und wen er verurteilt. Selbst Petrus muss sich diese harten Worte anhören: Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Genau das sollte sich so mancher Würdenträger vielleicht einmal vor Augen führen. Mit den Armen, den Sündern, den Ausgestoßenen hegte Jesus diese harte Sprache nicht. Vielmehr war dieser sein Umgang mit an den Rand gedrängten Menschen der Stein des Anstoßes für die selbstgerechten Gotteskenner, die das mosaische Gesetz zu ihrem eigenen Wohl und Ansehen auslegten, um andere zu entwürdigen.

Jesus selbst stellte sich deshalb gegen manche dieser Gesetze (Sabbatgebot Mk 2,23ff, Ehescheidungspraxis Mk 10,4ff, Fastenpraxis Mk 2,18ff, Reinheitsgebote Mt 15,17f etc.). Ihm warf man „Untreue gegenüber Moses“ und Gotteslästerung vor! Doch genau damit entlarvte er die Gotteskenner als Selbstgerechte und Selbstverliebte, die die Liebe Gottes nicht zu den Menschen am Rande der Gesellschaft brachten.

Cavalcoli versucht uns einen Jesus zu präsentieren, der mit seinen Feinden hart ins Gericht geht, sie verurteilt und in die Hölle verbannt. Hat Jesus aber nicht vielmehr die Feindesliebe gefordert? Und geht er nicht vielmehr mit den selbstgerechten Gotteskennern hart ins Gericht?

17.5.13 10:26, kommentieren

Ein gesegnetes Osterfest

Vetrauen wir den Frauen, die vom leeren Grab kommen, den ersten Verkündern der Auferstehung. Jesus Christus ist von den Toten auferstanden. Ich wünsche allen ein gesegnetes Osterfest!

31.3.13 09:51, kommentieren

Traditionen im neutestamentlichen Dialog

Der Theologe Dr. Gerhard Hotze zeigt in einem aktuellen Artikel in WORT UND ANTWORT  das Mit- und Gegeneinander biblischer Traditionsstränge auf. Er bringt die Bedeutung der Tradition für die neutestamentlichen Schriftsteller und das frühe Christentum auf die Formel: "Tradition ja – starres Festhalten nein". Ein lesenswerter Beitrag gegen jede Form von Traditionalismus!

2.3.13 16:20, kommentieren