Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Zimmermann

Naturgesetze von sich selbst erhaltenden Systemen

Es hilft ja alles nichts, ich muss wohl auch meinen Senf zum Lohmann-Hype beisteuern. Da es mir aber eigentlich widerstrebt, diesen auch noch durch mein Dazutun am Leben zu erhalten, den Hype meine ich, versuche ich einen etwas grundsätzlicheren Gedanken.

Zuallererst fragt man sich doch wirklich, weshalb sich statt dieses Eiferers Lohmann niemand von unseren hoch bezahlten und theologisch geschulten Bischöfen dazu in der Lage sieht, die katholische Position in Talkshows zu vertreten. Und dann bitte in Worten, die die Menschen von heute wenigstens ansatzweise verstehen und nachvollziehen können. Ist das Image der katholischen Kirche eigentlich nicht schon ramponiert genug, als dass man einen von diesen Betonköpfen als Vertreter in alle Kameras halten muss?  

Aber diese medialen Peinlichkeiten reichen unseren tapferen Kirchenfürsten noch lange nicht. Schließlich möchte man auch selbst aktiv an der Imagezerstörung teilhaben. Von Progromstimmung (Erzbischof Müller) und Katholikenphobie (Kardinal Meisner) ist da die Rede und ich frage mich, ob die wirklich in Europa leben. Sicherlich steht der Elfenbeinturm, aus dem diese Position heraus formuliert wurde, nicht mehr auf irdischem Boden, ganz sicher aber nicht auf europäischem. Wer solch einen Unsinn verbreitet, muss sich nicht wundern, wenn er nicht mehr ernst genommen wird.

Offensichtlich liest man auch in höchsten Kirchenkreisen zu viele „katholische Nachrichten“! Dann glaubt man irgendwann den dort propagierten Schwachsinn, dass man als Katholik in Deutschland und Österreich kaum noch auf die Straße gehen kann, ohne angepöbelt oder gar angegriffen zu werden. Was man dabei aber übersieht, ist die immense Aggression, mit der radikale Lebensschützer, wie auch Lohmann einer ist, oder auch andere Hardliner, die vielleicht tatsächlich auch ablehnende Erfahrungen machen, ihre „katholische“ Position vortragen und damit eine Abwehr provozieren.

Wenn man Frauen in Konfliktsituationen anpöbelt, homosexuellen Menschen ein Leben in Sünde vorwirft, Geschiedenen und Wiederverheirateten unentwegt mit der Moralkeule vor den Schädel schlägt, muss man sich über eine heftige Gegenreaktion nicht wundern. Das ist im Übrigen ganz  natürlich, quasi ein Naturgesetz. Über Naturgesetze hat sich bisher nur unser Herr Jesus Christus hinweggesetzt, als er die Feindesliebe einforderte. Und dann seine ersten Nachfolger, als sie sich über Herkunft, Geschlecht und gesellschaftlichen Status hinwegsetzten, wenn sie Menschen gleichberechtigt und gleichwertig in den Leib Christi eintauften (Gal 3,26-28). Schade, dass die Kirche diese Radikalität in ihrer Geschichte nicht durchgehalten hat. Wir unterscheiden wieder weltlich-brav nach Geschlecht, sexueller Orientierung und steuerlich förderwürdigem Status. Und unseren Feinden verpassen wir ordentlich eins.

Gestern hörte man auch vom Papst, dass der Christ ein Fremdkörper in der Gesellschaft sei, ein Stachel gegen Tendenzen des Egoismus. Geht es uns Katholiken wirklich nur gut, wenn wir ausgegrenzt werden? Ist das gar ein Zustand, den wir anstreben sollten? Mir scheint, da droht ein sich selbst erhaltendes System. Erst tritt man seinen Mitmenschen auf die Füße, so dass man eine Gegenreaktion erfährt, und dann sieht man sich darin bestätigt, von der Welt abgelehnt zu werden und beruft sich dabei auch noch auf Jesus und suhlt sich in der Ablehnung. Nur, wem - außer vielleicht sich selbst - hilft man damit?

Und wenn ich mir dann das anschaue, was Jesus als Reich-Gottes-Botschaft verkündete, dann ist da von Abgrenzung wenig die Rede. Blinde sehen wieder, Lahme gehen, und Aussätzige werden rein; Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet (Lk 7,22).

Und wer sind diese Hilfsbedürftigen und Diskriminierten in der heutigen Zeit? Wer lebt am Rande der Gesellschaft? Alleinerziehende Mütter oder Väter, häufig leider immer noch Homosexuelle, Verlassene, Geschundene etc. Und wie gehen wir als Kirche mit diesen Menschen um? Jesus hat ihnen nicht vor den Kopf gestoßen, er hat sie auch nicht verurteilt, von Gottes Gesetz wollte er nichts hören. Ein aus Barmherzigkeit und Liebe sich entwickeldes Vertrauen, das war sein Ansatz. Dein Glaube hat dir geholfen. Doch Glaube kann man dem Mitmenschen nicht einbläuen. Um Glauben zu ermöglichen bedarf es einer Vertrauensbasis. Doch die verspielen wir als Kirche unentwegt. Aber bitte bitte, wir sollten das nicht als die Ablehnung der bösen Welt deuten. Wir in der Kirche sind es, die nicht in der Lage sind, das Evangelium vom Reich Gottes in einer zeitgemäßen Sprache zu verkünden. Wir sollten die Verantwortung dafür übernehmen und nicht über die böse Welt jammern. Diese bräuchte unseren Einsatz statt unser Gejammer.

Natürlich, die harte Linie konnte Jesus auch fahren, vor allem gegen die Besserwisser, die Schriftgelehrten und Tempelpriester. Von diesen ist er auch abgelehnt und angefeindet worden. Zu sehr waren sie in Machtpositionen und überkommenen Anschauungen verhaftet. Wir sollten einfach mal wieder in das Evangelium schauen und weniger ins Kirchenrecht. Wenn man jemandem was um die Ohren hauen muss, dann wohl dem einen oder anderen katholischen Lohmann das Evangelium.

5 Kommentare 10.2.13 10:09, kommentieren

Nachtrag zur "reinen Lehre"

Der Theologe Michael Gurtner liefert wie auf Bestellung ein anschauliches Beispiel  für das, was Thomas Binotto (s.u.) mit seiner Kritik an der "reinen Lehre" meint. In seiner Apologie des Churer Buschofs Vitus Huonder geht Gurtner auf dessen Haltung zur Ausstellung von Beratungsscheinen in der Schwangerschaftskonfliktberatung ein, was in Graubünden offenbar noch Praxis ist. Gurtner schließt diesen Punkt wie folgt ab:

"Die Beratung der Kirche darf nicht ergebnisoffen sein, sondern muß ganz klar auf die Austragung des Kindes abzielen. Dieses Ziel wird aber Verdunkelt, wenn am Ende erst recht wieder das begünstigt wird, was man unter allen Umständen zu verhindern beabsichtigen muß. Es geht nicht um Zahlen oder Relationen, sondern um die Einzelfälle!"

Nicht eine Erfolgsquote von geborenen Kindern scheint ausschlaggebend zu sein, sondern die "reine Lehre" der Kirche. Ist man damit wirklich aus der Verantwortung??

26.11.12 16:07, kommentieren

Wie können wir sauber bleiben, wenn Gott sich schmutzig macht?

In Anlehnung an das zuletzt Gesagte bin ich auf einen exzellenten Beitrag in einem Pfarrblatt aus dem Kanton Zürich gestoßen. Der Autor Thomas Binotto wirbt darin in Abgrenzung zu einer theoretisch "reinen Lehre" für ein in der Praxis "schmutziges Christentum". 
 
Schließlich hat Gott seinen himmlisch-vollkommenen Platz verlassen und sich als Mensch in die schmutzige Welt hineingeboren, um so bei den Menschen sein zu können. Wie sagte schon der Kirchenvater Hieronymus in einer Predigt im Jahre 385 n.Chr.:
 
„Unter dem Vorwand, Christus zu ehren, haben wir heute die aus Lehm gefertigte Krippe entfernt und durch eine silberne ersetzt. Ich sehe aber mit Staunen, dass der Herr und Schöpfer der Welt nicht in Gold und Silber, sondern in Staub geboren wurde.“
 
So scheute sich Jesus nicht vor dem Kontakt mit dem Sündigen und Unreinen, im Gegenteil, gerade den ausgestoßenen Menschen wandte er sich gegen die Gesetze zu. 
 
Folgen Sie dem LINK zum Gedankenspiel von Thomas Binotto!
 
 

25.11.12 10:46, kommentieren

Zum 20-jährigen Jubiläum - Ein Wortgottesdienst in einer lebendigen Sprache ;-)

lossjonn

10.11.12 16:42, kommentieren

Dan Browns Einfluss auf die Wissenschaft

Nun doch noch ein paar lose Gedanken zum „sensationellen“ Papyrusfund, der aufgrund seiner Andeutung, Jesus sei verheiratet gewesen, für einiges Medienecho sorgte. Der in koptischer Sprache verfasste Papyrusschnipsel wird von der Wissenschaftlerin Karen King in das 4. Jhd. datiert. Sie übersetzt ihn bis zum achten Vers wie folgt:

«1. [. . .] nicht zu mir. Meine Mutter gab mir das Leben [. . .] 2. Die Jünger sagten zu JS [. . .] 3. verneint. Maria ist dessen würdig [. . .] 4. [. . .] Es sagte JS zu ihnen: Meine Frau [. . .] 5. [. . .] sie kann meine Jüngerin sein [. . .] 6. Lasst böse Menschen anschwellen [. . .] 7. Ich, ich wohne (oder: existiere) mit ihr, damit [. . .] 8. ein Bild [. . .]»

Sowohl aufgrund der verwendeten Sprache als auch inhaltlich weist das Fragment große Verwandtschaft zu Texten auf, die in der Vergangenheit in Ägypten gefunden wurden. Hier vor allem zum Evangelium des Philippos und dem der Maria.

Neben der koptischen Sprache wird in diesen beiden gnostischen Evangelien ebenfalls eine besondere Beziehung zwischen Jesus und Maria Magdalena angedeutet. Und auch in der kritischen Haltung einiger Jünger dieser Maria gegenüber findet sich eine Parallele. So heißt es im Evangelium des Philippos: "Der Heiland liebte Maria Magdalena mehr als alle Jünger und er küsste sie oftmals auf den Mund." 

Und im Evangelium nach Maria hört man Petrus sagen: „Schwester, wir alle wissen, dass der Retter dich [Maria Magdalena] lieber hatte, als all die anderen Frauen. Später wendet Andreas ein: "Sagt doch, was denkt ihr über das, was sie gesagt hat? Ich glaube nicht, dass der Retter so geredet hat. Seine Lehren haben eine andere Bedeutung. Sollen wir ihr etwa zunicken und alle auf sie hören? Hat er sie uns vorgezogen?“

Nun ist die Gnosis sicherlich ein synkretistisches und völlig uneinheitliches Gebilde und gerade ihre Ursprünge liegen zum großen Teil im Dunkeln. Typisch aber scheint die Vorstellung eines vollkommen fernen obersten Gottes zu sein, der nicht der Schöpfer der Welt ist. Diese ist vielmehr durch unvollkommene Kräfte (Demiurgen) entstanden, lediglich ein göttlicher Funke (Seele) im Menschen hält diesen am Leben. Dieser wartet auf Erlösung durch Erkenntnis (Gnosis). 

Zudem liegt in den gnostischen Systemen ein ausgeprägter Dualismus vor, der z.B. im Gegensatz von Geist und Materie zum Ausdruck kommt. Die weibliche Seele eines Menschen bedarf der Vervollkommnung durch eine männliche Gotteskraft. So könnte etwa der Traum der Maria, der im gleichnamigen Evangelium beschrieben wird, eine solche Vervollkommnung bedeuten. Durch eine „hohe Gestalt“, die in die Welt kam, wurde die Seele Marias „aus der Welt gerettet“ und hat so Erkenntnis (Gnosis) erlangt.

Weiter zeichnet sich die Gnosis durch einen mehr oder weniger ausgeprägten Doketismus aus, eine Lehre, die davon ausgeht, dass das Göttliche (Jesus) nicht wirklich leiden und sterben kann, dies für die Menschen nur so erschien. So schreibt das Philippos-Evangelium: „Die sagen: Zuerst ist der Herr gestorben und dann auferstanden, sie irren.“ Im Sakrament des Brautgemaches, mit dem sich dieses Evangelium sehr ausführlich beschäftigt, wird veranschaulicht, wie gnostische Auferstehung zu denken ist. Der männliche „Engel“ oder „Bruder“ verbindet sich in einem rituellen Hochzeitfest mit der weiblichen Seele. In diesem „Sakrament des Brautgemachs“ erreicht der Gnostiker die Erlösung und Auferstehung.

So sprechen die Abwertung von Materie und Welt und die Gnosis als geistiger Prozess wohl gegen eine oberflächliche und zu konkrete Deutung dieser Texte. Im Philipposevangelium beispielsweise wird ein Kuss mitnichten als körperlicher Ausdruck von Zuneigung verstanden, wenn es heißt: „Die Endgültigen werden durch einen Kuss schwanger, durch die Gnade, die unter uns ist.“

Und auch der Begriff "Gefährtin", der in der damaligen Zeit soviel wie Ehefrau bedeutete, wird in der Gnosis wohl eher eine übertragene, geistige Bedeutung haben, wenn Philippos schreibt: „Drei gingen jederzeit mit dem Herrn, seine Mutter Maria und ihre Schwester und Magdalena, die man seine Gefährtin nennt. Maria ist nämlich seine Schwester und seine Mutter und seine Gefährtin.“

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die gnostischen Evangelien dramatisch von den vier viel älteren (1.Jhd.) kanonischen Evangelien unterscheiden. Es liegt ein völlig konträres Gottesbild zugrunde, Jesus wird eher als geistige Erlösergestalt gedeutet, die eben NICHT Mensch war. Der Jesus der Bibel wird aber als wahrhaft leidender (Gott-)Mensch, der am Kreuz gestorben ist und am dritten Tag auferstand, dargestellt. Sein Evangelium richtet sich dann an alle Menschen und nicht nur an eine gnostische Elite.

Richtig ist allerdings, dass Jesus - für einen jüdischen Rabbi untypisch - auch Frauen in seine Jüngerschaft aufnahm. Den Frauen wird in den Evangelien sogar eine herausragende Stellung zugesprochen, weil sie diejenigen sind, die ihm bis zum Schluss nachfolgen. Während die Apostel und Jünger auf der Flucht in ihre Heimat Galiläa sind, stehen die Frauen um Maria Magdalena unter dem Kreuz. Deshalb sind es diese Frauen, denen der Auferstandene zuerst erscheint, die diese frohe Kunde dann den Aposteln und Jüngern verkünden.

Wenn man allerdings berücksichtigt, dass sich Jesus zu Beginn seiner öffentlichen Tätigkeit im Umfeld Johannes des Täufers aufhält, der ein ausgesprochener Asket und apokalyptischer Prediger war. Und wenn man zudem seine kritische Haltung auch gegenüber seiner Familie (Mk 3,23, Mk 3,33ff) betrachtet, dann fällt es schwer, sich diesen Jesus als verheirateten Ehemann vorzustellen. Von Dan Brows The Da Vinci Code einmal abgesehen gibt es auch nach dem Papyrusfund für diese These keinerlei historisch brauchbaren Belege.

8.10.12 14:03, kommentieren

Ein Lehrstück in Schwarz und Weiß

Fundamental-katholische Mitchristen gefallen sich in der Pose des Opfers, das gegen alle Widerstände der bösen Welt das Licht des Evangeliums trägt. Dabei wird natürlich sauber zwischen Gut und Böse unterschieden.

Ein Paradebeispiel liefert das jüngste Interview von Roland „Gandalf“ Noe mit dem Spezialisten für physikalische Gottesbeweise Paul Badde, behauptet letzterer doch, dass mit der Verkündigung der frohen Botschaft „der Widerstand überall auf der Welt vorprogrammiert“ sei. Komisch, ich fühle mich als Christ in meiner Welt überhaupt nicht abgelehnt!?

Ob die naive Vorstellung von der „wunderbaren Christianisierung Mexikos“ einfach nur dumm oder kalkuliert böswillig ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Jedenfalls wird das Abschlachten der indianischen Bevölkerung durch die christlichen Konquistadoren kaum thematisiert. Dies würde im Übrigen der inneren Logik Baddes zuwiderlaufen, möchte er doch umgekehrt die Christen als Opfer darstellen, nicht die Ureinwohnerschaft, die es aber rein faktisch war!

Neutral spricht er deshalb von der alten aztekischen Kultur „mit ihrem rätselhaften Todeskult“, die in nur wenigen Jahren zerstört wurde. Opferzahlen, die sich im vielfachen Millionenbereich bewegen, würden hier nur stören. Die christlichen Opfer hingegen werden penibel aufgezählt. Seit der Unabhängigkeit Mexikos und der anschließenden Gründung einer „Freimaurerrepulik“ habe es unzählige Christenverfolgungen gegeben „Über dreitausend Priester haben in diesen Verfolgungen ihr Leben gelassen.“ Im Handumdrehen werden auch die unzähligen Opfer des in Mexiko tobenden Drogenkrieges zu Opfern der satanischen Christenverfolgung stilisiert und mit 50000 beziffert.

Zum krönenden Abschluss wird die ganze Geschichte auch noch Gott persönlich in die Schuhe geschoben, indem Badde auf „das ‚nicht von Menschenhand gemalte’ Bild der Gottesmutter von Guadalupe“ und dessen Bedeutung für die Mexikaner verweist:

„Denn die mexikanische Nation ist de facto – und das ist bestens dokumentiert – durch ein persönliches Eingreifen Gottes evangelisiert worden und nicht durch die vielfältigen und ehrenwerten Anstrengungen der europäischen Missionare, die mit den spanischen Eroberern ins Land gekommen waren.“

Na bravo!

Jesus selbst gelang es nur sehr begrenzt, dass die Menschen an ihn glaubten, das Jüngerunverständnis im Markusevangelium und der Verrat durch Judas mit der anschließenden Kreuzigung zeugen davon. „Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind - man hätte dort in Sack und Asche Buße getan.“ (Mt 11,21) Trotz Wunder, Gleichnissen und Reich-Gottes-Verkündigung scheitert Jesus zuerst einmal. Wie sollten dann heilige Tücher, Binden und Umhänge den Glauben fördern?

Nein, Herr Badde, wenn der Glaube diese physikalischen „Zeichen“ braucht, dann ist er von dieser Welt, dann ist er im wahrsten Sinne des Wortes „oberflächlich“. Jesus verwehrte den Schriftgelehrten Zeichen (Mk 8,11f), er forderte Glauben ein, aus diesem Glauben heraus sind dann - und nur in dieser Reihenfolge - Wunder und Zeichen möglich. „Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg“ (Mk 10,52)

Ohne den Glauben der Menschen vermochte er keine Zeichen und Wunder zu vollbringen, so z.B.in seiner Heimat: „Und er konnte dort kein Wunder tun; […]Und er wunderte sich über ihren Unglauben.“ (Mk 6,5f)

Wären die spanischen Konquistadoren weniger den weltlichen Dingen zugeneigt gewesen und hätten sie die Botschaft des Evangeliums mehr in ihr Herz gelassen, wäre es wohl kaum zu einer solch blutigen Auseinandersetzung gekommen.

1 Kommentar 20.3.12 18:15, kommentieren

Nur die Liebe zählt

In seiner Bewertung, der Begriff „Homo-Ehe“ sei sehr problematisch, muss man Familienbischof  Tebartz-van Elst uneingeschränkt zustimmen! Handelt es sich doch um einen Kampfbegriff homophober Zeitgenossen. Problematisch allerdings, dass der Bischof diesen abwertenden Begriff seines Interviewers unkritisch hinnimmt. Umgehend verdeutlicht er noch einmal die Lehre der katholischen Kirche: Gott hat Mann und Frau füreinander geschaffen, aus ihrer lebenslangen Verbindung in Liebe und Treue erwächst Nachkommenschaft. An dieser Schöpfungswirklichkeit können und dürfen wir nicht vorbeigehen.

Nun wird die Forderung nach einer gleichgeschlechtlichen, sakramentalen Lebensgemeinschaft auf der Stufe der Ehe im Bereich der katholischen Kirche gar nicht erhoben, die Antwort des Bischofs zielt also eher in die säkulare Gesellschaft hinein. Den Menschen außerhalb der Kirche erklärt er, dass Kinder ohne beide Elternteile, Vater und Mutter, eine ungesunde seelische Entwicklung durchmachten, weil sie ohne Orientierung aufwüchsen.

Tebartz-van Elst beschreibt das katholische Ideal einer funktionierenden Familie, aus der heraus gesunde Kinder erwachsen. Allerdings verläuft das Leben nur selten auch nur ansatzweise entlang dieses Ideals. So kennt man wohlerzogene und gesunde Kinder, die bei nur einem Elternteil aufgewachsen sind. Weshalb der andere Teil fehlt, ob wegen eines Todesfalls, einer Trennung oder anderer Umstände, sei einmal dahingestellt. Dann gibt es Kinder, die in vollständigen Familien aufwachsen und trotzdem als Problemkinder bezeichnet werden müssen. Gründe können Familienstreitigkeiten, Übergriffe und seelische und körperliche Gewalt innerhalb der Familie sein.

Alleine diese Beobachtungen relativieren die Thesen des Bischofs und erhärten die Vermutung, dass sich auch Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften - wie dies in einigen Ländern z.B. durch Adoption möglich ist - seelisch gesund oder eben ungesund entwickeln können.

Hätte der Bischof allerdings tatsächlich Recht mit seinen Thesen, dann wäre die Kirche verpflichtet, Priester, die ein Kind gezeugt haben, auf ihre Vaterrolle und damit auf eine Heirat zu verpflichten. Zur katholischen Kirche konvertierte evangelische Pfarrer leben schließlich auch mit ihrer Familie zusammen im Pfarrhaus. Soviel Konsequenz müsste dann eingefordert werden, machte man sich ansonsten an diesen Kindern schuldig!

Oder aber man erklärt mit der urchristlichen Taufformel Es gibt nicht mehr [...] Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus den in der Schöpfungsordnung angelegten Unterschied zwischen den Geschlechtern für aufgehoben und fordert einen Umgang in gegenseitiger Liebe und Respekt. Das scheint mir vor der Anzahl und dem Geschlecht der Eltern die entscheidende Voraussetzung für eine gelingende Erziehung zu sein.

1 Kommentar 6.12.11 14:54, kommentieren