Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Islamophobie

Grenzen in der Landschaft, Grenzen im Kopf und Grenzen im Gebet - das Rosengrenzgebet

Auf kath.net und in der Blogözese (etwa hier) meint man der Tagesschau und anderen Medien tendenziöse Berichterstattung nachweisen zu können. Das rosenkranzgestählte Grenzbollwerk gegen den Islam, das katholische Polen gestern an den Außengrenzen ihres Landes erbeteten, bezeichneten die kritisierten Medien als "umstritten", eine wohl noch sehr wohlwollende Formulierung.

Klarer formuliert es das Tradiportal katholisches.info und fällt den Brüdern im Geiste damit in den Rücken: "Mit dem Rosenkranz für Volk und Vaterland gegen George Soros, EU-Lobbyisten und Islamisierung"

Dann kan ja nix mehr schief gehen...

9.10.17 17:04, kommentieren

Demos gegen alle

Birgit Kelle wundert sich auf kath.net über das Ausbleiben von Demonstrationen  friedlicher Muslime gegen den Terrorismus ihrer islamistischen Mitbrüder und wagt die These, dass Millionen von Christen auf die Straße gehen würden, wenn jemand im Namen Jesu unschuldige Menschen töten würde.

Vielleicht sind meine Recherchekünste nur eingeschränkt, aber bisher habe ich im Internet von Frau Kelle keine Aufrufe zu Demonstartionen gefunden, als der amerikanische Präsident Bush zum Kreuzzug gegen den Terror aufrief, in den Irak einmarschierte und tausende von unschuldigen Menschen starben. Dabei liegt es der Dame durchaus Demos zu organisieren oder an ihnen teilzunehmen. Wenn es gegen Gender oder Schwule geht, dann ist sie in der Regel ganz vorne dabei.

Aber vielleicht tu ich ihr auch Unrecht und sie war 2001 auch auf der Straße gegen Bush...

7.6.17 10:38, kommentieren

Brückenbau mit Abrissbirne

Manchmal kann man nur den Kopf schütteln, wenn man die eine oder andere Predigt eines deutschen Bischofs liest. So ging es mir heute Morgen bei der Lektüre der gestrigen Predigt des Regensburger Bischofs Voderholzer, mit der er auf jeder Pegida-Demo tosenden Applaus geerntet hätte. So dürfe man nicht allen, "die sich Sorgen um unsere abendländische-christliche Kultur machten, von vorneherein alle möglichen pathologischen Phobien unterstellen".

Und wer bereitet den christichen Abendländern Sorgen? Na klar, der Islam!

„Der Islam nun freilich, so viel Realismus müssen wir aufbringen, ist eine postchristliche Erscheinung, die mit dem Anspruch auftritt, die Kerngehalte des Christentums zu negieren: Den Glauben an den  dreifaltigen Gott, die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und sein Erlösungswerk am Kreuz. Nur wer seinen eigenen Glauben entweder nicht kennt oder nicht ernst nimmt, kann hier eine weit reichende Integration des Islam als Islam für möglich halten.“

Wie gefährlich derartige Ansprachen von der Bischofskanzel sind, lässt sich leicht veranschaulichen. Dazu bedarf es nur eines winzigen Eingriffs in das Vokabular. Ersetzt man "postchristlich" durch "nichtchristlich" und "Islam" durch "Judentum" erhält man ebenfalls eine inhaltlich korrekte Aussage. Der juristische Unterschied einer solchen Rede wäre vermutlich eine Anklage wegen Volksverhetzung, die dem Bischof so vermutlich erspart bleibt.

"Der Bischof ist Pontifex, Brückenbauer, nicht Murifex, Mauerbauer. Und wir bezeugen vor der ganzen Welt den Glauben an Jesus Christus, bieten die Brücke an, laden ein, die Brücke zu betreten, die der allmächtige Gott selbst in Jesus Christus zur Welt geschlagen hat."

Man zeige mir den Moslem, der sich auf eine derart gebaute Brücke begibt, anstatt sich hinter seine Mauer zu verkriechen! Brückenbau mit Abrissbirne...

30.1.17 14:03, kommentieren

Falsche Propheten

kath.nets Vatikankorrespondent Armin Schwibach erinnert in einem aktuellen Beitrag an die "Regensburger Rede" Benedikt XVI, die damals für einige Aufregung in der Welt sorgte, weil er ein Zitat benutzte, in dem ein byzantinischer Kaiser dem Islam Inhumanität und Schlechtigkeit vorwarf. Ziel der Rede Benedikts war es aufzuzeigen, dass es Gottes Willen zuwider läuft, unvernünftig zu handeln. Religion und Vernunft, das große Thema des emeritierten Papstes.

Ob das, was Schwibach in seinem Beitrag macht, so vernünftig ist, wage ich zu bezweifeln. Ohne jeden Anschluss an die Rede Benedikts disqualifiziert er den Islam als "Religion der Eroberung", die mit dem christlichen Abendland unvereinbar ist. Terrorismus sei "fest verankert in der islamischen Kultur" und "Ausdruck eines religiösen Lebensstils". Der Islam sei "keine Religion des Friedens". 

Wie zuvor die Zitate aus der "Regensburger Rede" werden diese Aussagen teilweise in Anführungszeichen gesetzt. Schwibach missbraucht hier Benedikt XVI für seine eigene Islamphobie, ein wahrhaft unredliches Verfahren. Es wäre spannend zu erfahren, was Benedikt zu diesen Ausführungen sagen würde...

9.8.16 09:47, kommentieren

Gefährliche Konstruktionen

Nach den Gewaltakten der letzten Tage brechen im rechten und rechtskatholischen Spektrum die Dämme. Die seit jeher gepflegte Islamphobie schlägt nun in puren Hass um. Dabei verrät die Sprache wie so oft die totalitäre Ideologie der Protagonisten.
 
In der Jungen Freiheit wird nun unverholen die Verdrängung aller Muslime aus Europa gefordert. Dabei instrumentalisiert man gleich noch den Amokläufer von München als "Iraner mit deutschem Pass", also Moslem. Dass der Attentäter eher mit dem rechten politischen Spektrum liebäugelte und sein Deutschsein herausstellte, interessiert nicht. Iraner gleich Moslem gleich Terroist, so einfach funtioniert die rechtsradikale Gleichung.
 
Und dass Iraner zu 95% Schiiten sind und damit die am heftigsten verfolgte Gruppe des Islamischen Staates, das wird ein Detail sein, mit dem man den jungen Freihen wohl gar nicht mehr kommen muss. Viel zu kompliziert, das Volk braucht einfache Konzepte und einfache Lösungen.
 
Und auch auf kath.net arbeitet man kräftig mit an diesem einfachen Weltbild mit dem bösen Islam. "Würde sich ein Bischof im Zug zwischen Islamisten setzen?", fragt die Überschrift eines aktuellen Beitrags. Wie kath.net Islamisten von anderen Muslimen unterscheidet, wird dann auch gleich veranschaulicht: lächelnde "junge Männer mit Bärten und islamischen Kopfbedeckungen". So good, so easy.
 
Schade nur, dass dies gerade nicht für die Gewalttäter der letzten Tage galt. Der Attentäter von Ansbach wurde gar als Rambo gerufen, weil er eine so unislamische Langhaarfrisur trug wie Sylvester Stallone in seinen Rambofilmen. So stuften ihn auch seine Mitbewohnen als wenig gläubig ein. Aber das ist für die rechte Ideologie alles unwichtig: Moslem gleich Islamist und fertig. Das werden noch heiße Zeiten in Deutschland...

26.7.16 07:20, kommentieren

Der Splitter im Auge des Muslimen

Es ist ermüdend und ja, ich wiederhole mich, aber die rechtskatholischen Schreihälse fordern es immer wieder ein, deshalb noch einmal in aller Kürze...

Die "papsttreue katholische Publizistik" gefällt sich gerade wieder in ihrer Islamkritik. Der eine oder andere Bischof bläst mittlerweile in dasselbe Horn. Der Islam hat ein Gewaltproblem, Terrorismus sei nicht international, sondern islamisch, friedliche Muslime müssten sich viel mehr gegen den islamistischen Terrorismus stellen und ihm öffentlich abschwören.

Dem muss man mal wieder entgegen halten, dass man doch erst einmal vor der eigenen Haustüre kehren sollte. Bei den Opferzahlen unschuldiger Zivilisten ist der Westen immer noch uneinholbar in Führung. Im Irak, im Jemen, in Syrien, in Afghanistan, Pakistan und anderswo sterben Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder, wie die Fliegen. Und ich höre von den obigen Schreihälsen auch nicht nur ein einziges Wort darüber.

Wer hat den Nahen Osten denn überhaubt in Brand gesetzt? Und wer will mit den daraus resultierenden Flüchtlingsströmen gleichzeitig nichts zu tun haben? Christliche Nationen, christliche Bomberpiloten, christliche Drohnenpiloten. Wir haben wirklich keinen Grund, unseren muslimischen Mitbürgern gegenüber auf dem hohen moralischen Ross zu sitzen und auch nur irgendetwas von diesen Leuten einzufordern, wenn wir nicht ganz laut das Mea Culpa singen. Wer Krieg sät, darf über die eigenen Opfer nicht lamentieren. Und damit meine ich auch den drittgrößten Waffenlieferanten der Welt, Deutschland!

7 Kommentare 19.7.16 11:36, kommentieren

Alternative für Christentum

Das antichristliche Geschwätz - ich mag es gar nicht mehr rechtskatholisch nennen, denn dann wäre es ja irgendwo noch katholisch - was seit Wochen von Koriphäen wie Alexander Kissler, Wolfgang Ockenfels und kath.nets Großinquisitor Pety Winnemöller (hier und hier) zu lesen ist, lässt mich einfach nur noch ratlos zurück.

Wie schwer das Gift, das in der kirchlichen Rechtsaußenfraktion verspritzt wird, abzubauen ist, beweist aktuell auch David Berger. Sein kalter Entzug war wohl wenig erfolgreich, er braucht die islamophobe Droge wohl doch wieder. Aus den Regenbogenfarben lässt sich halt auch Braun mischen.

Allen gemeinsam ist die Reduzierung alles Christlichen auf eine entweltlichte Transzendenz. Liturgie, geistliche Stärkung und die Betonung des seelischen Heils gegenüber der körperlichen Unversehrtheit ist wichtig, wenn man das Elend von Flüchtlingen chrstlich legitimieren will. Man möchte den theoretischen Christen die Auswanderung nach Polen anempfehlen, dort ist die sakramentale Show ohne Bezug zur Welt in Vollendung möglich, da stört wirklich nichts Weltliches die frömmelnde Selbstbeweihräucherung, während die geringsten Brüder im Meer ersaufen.

1 Kommentar 8.6.16 11:41, kommentieren