Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Neue Rechte

Alternative für Ockenfels

Noch im Februar regte sich mein Lieblingsdominikaner Padre Ockenfels darüber auf, dass deutsche Bischöfe sich in den politischen Wahlkampf einmischen:

"Hier vermischen sich Glaube und Politik, und die klassische Unterscheidung, die ursprüngliche Gewaltenteilung zwischen imperium und sacerdotium, zwischen Staat und Kirche löst sich auf.

Nach der Devise "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern" wird er aktuell zum Youtube-Star für die AfD

22.3.17 17:39, kommentieren

Rechter Populismus

Immer wieder gegen die rechtskatholische Propaganda auf katholischen Nachrichtenportalen und der katholischen Bloggerwelt anzuschreiben ist ermüdend. Man wiederholt sich, hat den Eindruck, das alles schon einmal geschrieben zu haben.

Zudem habe ich das Gefühl, dass es in der Kirche insgesamt besser läuft, seitdem Franziskus am Ruder steht. Die Riege der papsttreuen katholischen Publizistik ist doch entscheidend ruhiger und weniger aggressiv unterwegs und auch kath.net ist etwas friedlicher geworden.

Trotzdem ist es Papst Franziskus wohl nicht entgangen, was im deutschsprachigen Raum so los ist. Bei der Audienz mit Ministerpräsidenten Torsten Albig sprach er das Thema Fremdenfeindlichkeit und Populismus offensichtlich aus eigenem Antrieb an.

Albig vertrat dabei die Linie der Kanzelrin, sah aber deutlich die Gefahr des rechten Populismus:

„Das Besorgniserregende oder das Traurige daran ist: Dass wir in einer Zeit, in der wir einer solch humanitären Aufgabe in Deutschland eigentlich eindrucksvoll gerecht geworden sind und Anlass hätten, uns über diesen Erfolg zu freuen – dass wir gerade dabei sind, uns in dieser Angst zu verfangen. Und diese Angst führt uns auf eine schiefe Bahn, das merken wir auch in Schleswig-Holstein.“

Schade, dass Franziskus dabei nicht besonders den Populismus anprangert, der aus der katholischen Ecke kommt. Eine Paradebeispiel für einen solchen liefert aktuell Padre Ockenfels auf kath.net, ausgerechnet unter dem Titel “Populistische Phrasendrescher”. Der Artikel könnte also glatt als Satire durchgehen, ich befürchte allerdings, dass Ockenfels das so meint, wie er es schreibt.

Fester Bestandteil einer jeden rechtskatholischen Propaganda ist die Kritik an der “deutschen Nationalkirche” mit ihrem geldgeilen Kirchensteuersystem, ob es passt oder nicht, das muss in einen richtigen Ockenfels hinein, auch wenn er eigentlich über Populismus und Flüchtlingspolitik schreibt.

In den ersten Kapiteln gibt es denn auch wenig Konkretes, unbegrüdetes rechtskatholisches Blabla. Doch eine Sache ist interessant, die Art und Weise, wie Ockenfels die Bergpredigt, letztendlich das Evangelium kastriert.

“Die Kirchenleitungen sind in Deutschland gerade dabei, ihre Wahrheitsansprüche dialogisch-dialektisch aufzuheben, in trauter Eintracht die Bergpredigt Jesu als politische Handlungsanweisung umzudeuten und – namentlich in der Flüchtlingsfrage – die strukturelle Soziallehre mit individualmoralischen Pflichten zu verwechseln.”

Hört sich kompliziert an, soll es auch, damit keiner versteht, was hier steht: Christentum und Evangelium haben nach Ockenfels nichts in der Politik zu suchen, Politiker sollten möglichst nicht mit der Bergpredigt hantieren. Dann kann man auch die C-Parteien ignorieren und mit sauberem Gewissen zur AfD wechseln. Aber das meint Ockenfels sicher nicht...

Das Recht auf Asyl hochzuhalten, Flüchtlinge in Not aufzunehmen, also die “Wir-schaffen-das-Linie” der Kanzlerin bezeichnet er als “quasitheologischen Nonsens”. “Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen”, lesen wir aus Jesu Munde im Matthäusevangelium. Und danach richtet er die Menschen. Nach Ockenfels quasitheologischem Populismus ist das hanebüchener Schwachsinn und “pastoraler Populismus”, das gilt vielleicht für den deutschen Bettler, nicht aber für den syrischen Flüchtling. Der gehört hier gar nicht hin, dann kann einem die Bergpredigt auch nicht quer kommen. Flüchtling! Lass dich taufen und verrecke im Mittelmeer oder im Krieg, im Himmel wird es dir dann schon besser gehen.

Ohne Merkel gäbe es also in Deutschland gar keine Probleme mit Flüchtlingen. Klar, wenn man alle an den Grenzen verrecken ließe, dann wäre das wohl so, AfD-Populismus lässt grüßen.  Und sicherlich wird Merkel auch für den Krieg in Syrien und im Irak verantwortlich sein!

Und natürlich darf zum Schluss auch die Lügenpresse nicht fehlen, in der arme Katholiken wie Ockenfels zensiert werden. Ich frage mich, weshalb mir sein Gerede auf kath.net oder in der Jungen Freiheit begegnet?

Letztlich versucht er dann noch die Befürworter der merkelschen Flüchtlingspolitik mit Nazivokabular zu verunglimpfen, eine Strategie, die man von den Höckes, Petrys und Gaulands dieser Nation schon zur Genüge kennt. Die “Aufsüdung” des Volkes sei aufgrund der massenhaften Abtreibung nötig, damit wäre Tradis Lieblingsthema auch noch drin und die Verschwörungstheorie perfekt. Brovo Ockenfels.

Zuletzt weist er Merkel noch Slogans aus der Persil-Werbung nach, sein Thema war ja populistische Phrasen, nicht vergessen! Ich frage mich, wann Ockenfels endlich nen Persilschein bekommt. KzH bis DZE heißt das bei der Bundeswehr.

2 Kommentare 11.10.16 12:57, kommentieren

Für Vertriebene und gegen Flüchtlinge

Klaus Kelle gibt der CDU nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern auf kath.net ein paar Tipps, wie sie mit "christlicher" Politik die abtrünnigen AfD-Wähler zurückgewinnen könnte: Gegen Zuwanderung, gegen Islam, gegen Schwule, gegen Gender, gegen Multikulti!
 
Stattdessen: Für den Marsch für das Leben (das Leben der obigen Gruppen sicherlich einmal ausgenommen), für Vertrieben (also Deutsche, muslimische Flüchtlinge kann er ja nicht meinen), für Mittelständler, für Landfrauen, für Katholiken.

Ein schönes Beispiel dafür, was Rechtskatholiken als "christlich" begreifen. Man kann sich nur wünschen, dass diese Leute irgendwann aufwachen und ihre Menschenverachtung vor ihrer Rückkehr in die C-Partei bei der AfD lassen.

1 Kommentar 5.9.16 18:38, kommentieren

Mehr Christentum?

Um "Junge Freiheit"-Autor und Theologieprofessor Wolfgang Ockenfels war es lange Zeit ruhig geworden. Nun aber war es wohl mal wieder Zeit für einen islamophoben Kommentar auf kath.net. Dass er darin die "Karl May"-Romane als Quelle seines Islambildes nennt, ist schon ein bisschen zum Schmunzeln.
 
Diese gnadenlose Offenheit behält er auf beeindruckende Weise auch im weiteren Verlauf seines Kommentares durch. Die von Angela Merkel als alternativlos bezeichnete Flüchtlingspolitik mit ihren "politisch-theologischen Beschwörungen von Nächstenliebe und Barmherzigkeit, von Grenzenlosigkeit und Völkerversöhnung in der 'einen Welt'“  sieht der Dominikanerpater als gescheitert und lobt die Alternative: Die für Deutschland und die, die die anderen europäischen Länder gehen. Islamophobe vereinigt euch!

Und mit ebendieser Politik hätten auch die christlichen Parteien ihr C wieder verdient. Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Völkerversöhnung sollten da also möglichst keine Rolle spielen. Halleluja!

6.4.16 14:53, kommentieren

Papst unterstützt die Merkellinie

Der päpstliche Appell an die Balkanländer, die Grenzen und Herzen für Flüchtlinge zu öffnen, ist längst überfällig. Hoffentlich hören zumindest die katholischen Menschen und Politiker die Worte des Papstes, bis hoch in die Slovakei und nach Polen mögen seine Worte dringen!

16.3.16 18:14, kommentieren

Verengungen lösen

Für alle rechtskatholischen Verharmloser der AfD gibt es jetzt den Entwurf eines Grundsatzprogramms zu bestaunen. Die dort angemahnte "deutsche Erinnerungskultur" im Hinblick auf die Zeit des Nationalsozialismus - natürlich ohne die "aktuellen Verengungen" - erinnert stark an identische Forderungen der NPD. Auch die übrigen Forderungen würde ich als antichristlich und asozial zusammenfassen. Aber man lese selbst (hier).

12.3.16 12:10, kommentieren

Deutsche Tugenden

AfD-Vize Gauland meint: "Wir müssen die Grenzen dichtmachen und dann die grausamen Bilder aushalten. Wir können uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen."

Mich erinnert das ein wenig an die Worte eines anderen Vizes:

„Es gehört zu den Dingen, die man leicht ausspricht. – ‚Das jüdische Volk wird ausgerottet’, sagt ein jeder Parteigenosse‚ 'ganz klar, steht in unserem Programm, Ausschaltung der Juden, Ausrottung, machen wir.’ […] Von allen, die so reden, hat keiner zugesehen, keiner hat es durchgestanden. Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht und ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte.“

24.2.16 20:19, kommentieren