Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Neue Rechte

Das Herz am rechten Fleck

Das papstkritische Nachrichtenportal kath.net erlaubt dem Leser seit einiger Zeit, die Kommentare unter den Beiträgen nur noch innerhalb von sieben Tagen zu lesen, danach werden alle Kommentare gelöscht.
 
Die meistkommentierten Beiträge listet kath.net auf der Startseite auf. Rekordhalter mit 154 Kommentaren ist zur Zeit ein Beitrag über die Forderungen Franziskus die Aufnahme von Flüchtlingen weltweit zu erleichtern und die Integrationsbemühungen zu verstärken.
 
Vermutlich wird das Papst-Bashing im Kommentarbereich dermaßen eskaliert sein, dass man die rechte Hetze kurzerhand schon nach 5 Tagen löschte, anders kann ich mir das vorzeitige Löschen der Kommentare trotz der Auflistung in der Bestenliste nicht erklären.
 
Alternativ hätte man die rechten Meinungsbeiträge ja auch gar nicht erst veröffentlichen können?! Schließlich behauptet kath.net, die Kommentare zu moderieren. Aber da schlagen bei kath.net wohl zwei Herzen in der Brust...

27.8.17 11:57, kommentieren

Wenn Christentum ins Gegenteil verkehrt wird

"Der Teufelspakt der Republikaner", so lautet die Überschrift eines Spiegel-Online-Artikels, der sich mit dem Rassismus und Antisemitismus im Weißen Haus beschäftigt, der die Partei der Republikaner zu spalten droht. Einer der Hauptaktuere in diesem Spiel ist nach Aussage vieler Experten der Katholik Steve Bannon, der kein Problem damit hat, die "Finsternis" als hilfreiche Waffe im Kampf um Macht einzusetzen. Wohlgemerkt, nur als Waffe, grundsätzlich vertritt Bannon ein dualistisches Weltbild und wähnt sich als Christ auf der Seite des Guten, das im Kampf gegen das Böse (wir kennen das schon von George Bushs "Achse des Bösen" ) bestehen muss. Eine apokalyptische Schlacht, die mit allen Mitteln gewonnen werden muss. Und hier ist dann wohl auch die Schnittmenge zu rechtskatholischen und vor allem evangelikalen Kreisen, die ebenfalls diesem Weltbild anhängen.

Als vor ein paar Wochen ein kritischer Beitrag des Jesuiten und Papstvertauten Antonio Spadaro in der Jesuitenzeitung "Civilta Cattolica" genau auf diesen "politisch-religiösen Manichäismus" aufmerksam machte und die Katholiken davor warnte, sich diese häretisch-evangelikalen Vorstellungen anzueignen, hagelte es massive Kritikaus der rechtskatholischen Ecke, die auch auf dem Linzer Portal eine enge Allianz mit evangelikalen Kreisen eingeht. Mitunter gerät die Kritik so massiv, weil man Spadaros Artikel als Angriff auf Trump und seinen Chefstrategen Bannon deutete, die in diesen Kreise sehr vereht werden.
 
Wie recht Spadaro mit seiner Analyse hatte, zeigt sich in diesen Tagen. Donald Trump verteidigt offen Neonazigruppen und Rassisten, weil diese Leute ihn an die Macht gebracht haben. Und das hat er Bannon zu verdanken, der die Rechtsausleger mit Breitbart-News auf Trump eingeschworen hat.

Wie leicht sich rechtskonservative Katholiken an den Teufel verkaufen ist erschreckend. Und leider kann man in Deutschland ähnliche Entwicklungen beobachten. Auf den gängigen katholischen Portalen wird Bannon und Trump verehrt. Auch in der rechtskatholischen Blogözese wird der Terroranschlag von Charlottesville relativiert und Trumps Rhetorik von der linken Provokation und der linken Mitverantwortung nachgeplappert.

Doch wie kommt es dazu, dass derart offen radikale und rassistische Politiker verehrt werden? Die Antwort ist relativ simpel. Gibt man beispielsweise bei kath.net einmal den Namen "Trump" in die Suchmaske ein, wird einem die Antwort auf dem virtuellen Silbertablett serviert: Die Reizthemen der Rechtskatholiken werden allesamt bedient: Gender, Familie/Ehe, Abtreibung, Islam. Aus diesen Themen besteht das rechtskatholisch-evangelikale Glaubensbekenntnis: Die moderne säkulare Gesellschaft ist verkommen und böse, der Islam bedroht das so geschwächte Christentum. Das ist nur zu stoppen, wenn wieder mehr christliche Kinder in christlichen Familien geboren werden. Mehr als das Nachplappern dieses Glaubensbekenntnis braucht es nicht, um Rechtskatholiken dazu zu bringen, ihre Seele an den Teufel zu verkaufen. Und das hat auch die AfD verstanden, denn das sind genau die Themen, mit denen sie in diesen Kreisen so erfolgreich ist.

Und es sind nicht nur katholische Laien, die dieses Weltbild teilen. Auch der in rechtskatholischen Kreisen vergötterte Dubia-Kardinal Burke hegt offenbar enge Kontakte zu Bannon, weil er die Welt ebenfalls so sieht. Und dann spielt es bei diesen Katholiken auch keine Rolle mehr, dass Bannon mehrfach geschieden und wiederverheiratet ist und von der Macht der Finsternis phantasiert, wichtig ist die richtige Ideologie, der Hass auf Islam und die freie säkulare Gesellschaft, das apokalyptische Glaubensbekenntnis muss stimmen, sonst nichts.

Und ich fürchte, es geht noch etwas weiter. Ich glaube, eine wesentliche Schnittmenge ist auch, dass diese Leute die Welt brennen sehen wollen. Und hier kommen wir wieder zum Artikel von Spadaro. Wie in evangelikalen und freikirchlichen Gemeinschaften fühlt man sich innerhalb der Kirche in einem sicheren Raum, alles draußen ist böse und vom Teufel. Benedikts Entweltlichung passt auch ganz gut in diese Gedankenwelt. Und irgendwann muss sich halt zeigen, dass man mit dieser Idee im Recht ist, irgenwann muss das Draußen eben brennen, die Apokalypse wird geradezu herbeigesehnt.

Als Katholik kann man Gott nur dafür danken, dass er einen Mann auf den Stuhl Petri gesetzt hat, der diesen Wahnsinn durchschaut und klar und deutlich die katholische Alternative predigt: Geht hinaus in die Welt und heilt sie. Franziskus setzt dem satanischen das göttliche Konzept gegenüber. Hoffentlich wird seine Stimme gehört...

17.8.17 10:54, kommentieren

Familie, Gott und Vaterland

Wenn amerikanische Präsidenten zum Kampf für "Familie, Freiheit und Gott" aufrufen, wie gestern Donald Trump in Warschau, kann einem nur Angst und Bange werden. Als dies zuletzt George W Bush tat, zorg das einen Krieg mit hunderttausenden von Opfern nach sich.

7.7.17 17:46, kommentieren

Ehe für alle oder Ehe mit Rechtsextremen?

Mittlerweile merken selbst Menschen innerhalb der AfD, dass die Partei ein Sammelbecken für Rechtsextremisten und Neonazis ist und ziehen die Konsequenzen. Das hält so manches rechtskatholische Nachrichtenportal oder auch rechtskatholische Blogs nicht davon ab, diese Partei als für einen Christen einzig wählbare zu relativieren oder zumindest Sympathien zu bekunden. Es reicht eben schon aus, wenn man die braune Ideologie mit etwas Lebensschutzfarbe übertüncht und gegen die "Ehe für alle" wettert, um bei diesen Menschen als gut katholisch zu gelten.

Wenn der Berliner Erzbischof Koch kritisiert, dass die "Ehe für alle" Christen in die Arme der AfD treibe, bei ihm kämen „stapelweise Briefe“ ein, in denen behauptet werde, dass die AfD „die einzige Partei“ sei, die noch christliche Inhalte vertrete, dann ist seine Aufgabe doch offensichtlich. Er sollte diese Briefe beantworten, um diesen Menschen klar zu machen, dass die "Ehe für alle" im Vergleich zu den rechtsextremen Positionen in der AfD wahrlich ein kleines Problem seien, dass diese Partei aufgrund ihrer Ausländerfeindlichkeit und völkischen Ideologie für einen Katholiken nicht wählbar ist.

6.7.17 09:52, kommentieren

Alternative für Ockenfels

Noch im Februar regte sich mein Lieblingsdominikaner Padre Ockenfels darüber auf, dass deutsche Bischöfe sich in den politischen Wahlkampf einmischen:

"Hier vermischen sich Glaube und Politik, und die klassische Unterscheidung, die ursprüngliche Gewaltenteilung zwischen imperium und sacerdotium, zwischen Staat und Kirche löst sich auf.

Nach der Devise "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern" wird er aktuell zum Youtube-Star für die AfD

22.3.17 17:39, kommentieren

Rechter Populismus

Immer wieder gegen die rechtskatholische Propaganda auf katholischen Nachrichtenportalen und der katholischen Bloggerwelt anzuschreiben ist ermüdend. Man wiederholt sich, hat den Eindruck, das alles schon einmal geschrieben zu haben.

Zudem habe ich das Gefühl, dass es in der Kirche insgesamt besser läuft, seitdem Franziskus am Ruder steht. Die Riege der papsttreuen katholischen Publizistik ist doch entscheidend ruhiger und weniger aggressiv unterwegs und auch kath.net ist etwas friedlicher geworden.

Trotzdem ist es Papst Franziskus wohl nicht entgangen, was im deutschsprachigen Raum so los ist. Bei der Audienz mit Ministerpräsidenten Torsten Albig sprach er das Thema Fremdenfeindlichkeit und Populismus offensichtlich aus eigenem Antrieb an.

Albig vertrat dabei die Linie der Kanzelrin, sah aber deutlich die Gefahr des rechten Populismus:

„Das Besorgniserregende oder das Traurige daran ist: Dass wir in einer Zeit, in der wir einer solch humanitären Aufgabe in Deutschland eigentlich eindrucksvoll gerecht geworden sind und Anlass hätten, uns über diesen Erfolg zu freuen – dass wir gerade dabei sind, uns in dieser Angst zu verfangen. Und diese Angst führt uns auf eine schiefe Bahn, das merken wir auch in Schleswig-Holstein.“

Schade, dass Franziskus dabei nicht besonders den Populismus anprangert, der aus der katholischen Ecke kommt. Eine Paradebeispiel für einen solchen liefert aktuell Padre Ockenfels auf kath.net, ausgerechnet unter dem Titel “Populistische Phrasendrescher”. Der Artikel könnte also glatt als Satire durchgehen, ich befürchte allerdings, dass Ockenfels das so meint, wie er es schreibt.

Fester Bestandteil einer jeden rechtskatholischen Propaganda ist die Kritik an der “deutschen Nationalkirche” mit ihrem geldgeilen Kirchensteuersystem, ob es passt oder nicht, das muss in einen richtigen Ockenfels hinein, auch wenn er eigentlich über Populismus und Flüchtlingspolitik schreibt.

In den ersten Kapiteln gibt es denn auch wenig Konkretes, unbegrüdetes rechtskatholisches Blabla. Doch eine Sache ist interessant, die Art und Weise, wie Ockenfels die Bergpredigt, letztendlich das Evangelium kastriert.

“Die Kirchenleitungen sind in Deutschland gerade dabei, ihre Wahrheitsansprüche dialogisch-dialektisch aufzuheben, in trauter Eintracht die Bergpredigt Jesu als politische Handlungsanweisung umzudeuten und – namentlich in der Flüchtlingsfrage – die strukturelle Soziallehre mit individualmoralischen Pflichten zu verwechseln.”

Hört sich kompliziert an, soll es auch, damit keiner versteht, was hier steht: Christentum und Evangelium haben nach Ockenfels nichts in der Politik zu suchen, Politiker sollten möglichst nicht mit der Bergpredigt hantieren. Dann kann man auch die C-Parteien ignorieren und mit sauberem Gewissen zur AfD wechseln. Aber das meint Ockenfels sicher nicht...

Das Recht auf Asyl hochzuhalten, Flüchtlinge in Not aufzunehmen, also die “Wir-schaffen-das-Linie” der Kanzlerin bezeichnet er als “quasitheologischen Nonsens”. “Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen”, lesen wir aus Jesu Munde im Matthäusevangelium. Und danach richtet er die Menschen. Nach Ockenfels quasitheologischem Populismus ist das hanebüchener Schwachsinn und “pastoraler Populismus”, das gilt vielleicht für den deutschen Bettler, nicht aber für den syrischen Flüchtling. Der gehört hier gar nicht hin, dann kann einem die Bergpredigt auch nicht quer kommen. Flüchtling! Lass dich taufen und verrecke im Mittelmeer oder im Krieg, im Himmel wird es dir dann schon besser gehen.

Ohne Merkel gäbe es also in Deutschland gar keine Probleme mit Flüchtlingen. Klar, wenn man alle an den Grenzen verrecken ließe, dann wäre das wohl so, AfD-Populismus lässt grüßen.  Und sicherlich wird Merkel auch für den Krieg in Syrien und im Irak verantwortlich sein!

Und natürlich darf zum Schluss auch die Lügenpresse nicht fehlen, in der arme Katholiken wie Ockenfels zensiert werden. Ich frage mich, weshalb mir sein Gerede auf kath.net oder in der Jungen Freiheit begegnet?

Letztlich versucht er dann noch die Befürworter der merkelschen Flüchtlingspolitik mit Nazivokabular zu verunglimpfen, eine Strategie, die man von den Höckes, Petrys und Gaulands dieser Nation schon zur Genüge kennt. Die “Aufsüdung” des Volkes sei aufgrund der massenhaften Abtreibung nötig, damit wäre Tradis Lieblingsthema auch noch drin und die Verschwörungstheorie perfekt. Brovo Ockenfels.

Zuletzt weist er Merkel noch Slogans aus der Persil-Werbung nach, sein Thema war ja populistische Phrasen, nicht vergessen! Ich frage mich, wann Ockenfels endlich nen Persilschein bekommt. KzH bis DZE heißt das bei der Bundeswehr.

2 Kommentare 11.10.16 12:57, kommentieren

Für Vertriebene und gegen Flüchtlinge

Klaus Kelle gibt der CDU nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern auf kath.net ein paar Tipps, wie sie mit "christlicher" Politik die abtrünnigen AfD-Wähler zurückgewinnen könnte: Gegen Zuwanderung, gegen Islam, gegen Schwule, gegen Gender, gegen Multikulti!
 
Stattdessen: Für den Marsch für das Leben (das Leben der obigen Gruppen sicherlich einmal ausgenommen), für Vertrieben (also Deutsche, muslimische Flüchtlinge kann er ja nicht meinen), für Mittelständler, für Landfrauen, für Katholiken.

Ein schönes Beispiel dafür, was Rechtskatholiken als "christlich" begreifen. Man kann sich nur wünschen, dass diese Leute irgendwann aufwachen und ihre Menschenverachtung vor ihrer Rückkehr in die C-Partei bei der AfD lassen.

1 Kommentar 5.9.16 18:38, kommentieren