Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Neue Rechte

Mehr Christentum?

Um "Junge Freiheit"-Autor und Theologieprofessor Wolfgang Ockenfels war es lange Zeit ruhig geworden. Nun aber war es wohl mal wieder Zeit für einen islamophoben Kommentar auf kath.net. Dass er darin die "Karl May"-Romane als Quelle seines Islambildes nennt, ist schon ein bisschen zum Schmunzeln.
 
Diese gnadenlose Offenheit behält er auf beeindruckende Weise auch im weiteren Verlauf seines Kommentares durch. Die von Angela Merkel als alternativlos bezeichnete Flüchtlingspolitik mit ihren "politisch-theologischen Beschwörungen von Nächstenliebe und Barmherzigkeit, von Grenzenlosigkeit und Völkerversöhnung in der 'einen Welt'“  sieht der Dominikanerpater als gescheitert und lobt die Alternative: Die für Deutschland und die, die die anderen europäischen Länder gehen. Islamophobe vereinigt euch!

Und mit ebendieser Politik hätten auch die christlichen Parteien ihr C wieder verdient. Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Völkerversöhnung sollten da also möglichst keine Rolle spielen. Halleluja!

6.4.16 14:53, kommentieren

Papst unterstützt die Merkellinie

Der päpstliche Appell an die Balkanländer, die Grenzen und Herzen für Flüchtlinge zu öffnen, ist längst überfällig. Hoffentlich hören zumindest die katholischen Menschen und Politiker die Worte des Papstes, bis hoch in die Slovakei und nach Polen mögen seine Worte dringen!

16.3.16 18:14, kommentieren

Verengungen lösen

Für alle rechtskatholischen Verharmloser der AfD gibt es jetzt den Entwurf eines Grundsatzprogramms zu bestaunen. Die dort angemahnte "deutsche Erinnerungskultur" im Hinblick auf die Zeit des Nationalsozialismus - natürlich ohne die "aktuellen Verengungen" - erinnert stark an identische Forderungen der NPD. Auch die übrigen Forderungen würde ich als antichristlich und asozial zusammenfassen. Aber man lese selbst (hier).

12.3.16 12:10, kommentieren

Deutsche Tugenden

AfD-Vize Gauland meint: "Wir müssen die Grenzen dichtmachen und dann die grausamen Bilder aushalten. Wir können uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen."

Mich erinnert das ein wenig an die Worte eines anderen Vizes:

„Es gehört zu den Dingen, die man leicht ausspricht. – ‚Das jüdische Volk wird ausgerottet’, sagt ein jeder Parteigenosse‚ 'ganz klar, steht in unserem Programm, Ausschaltung der Juden, Ausrottung, machen wir.’ […] Von allen, die so reden, hat keiner zugesehen, keiner hat es durchgestanden. Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht und ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte.“

24.2.16 20:19, kommentieren

Brückenbauer an Mauerbauer

Manchmal sind Wahrheiten so einfach und gerade deshalb vielleicht so skandalös... Papst Franziskus sagte auf der himmlischen Pressekonferenz von Mexiko nach Rom: "Eine Person, die nur daran denkt Mauern zu bauen, wo immer sie auch sein mögen, und nicht daran denkt, Brücken zu bauen, ist kein Christ. Das steht nicht im Evangelium." Und tatsächlich, der christliche Gott überschreitet die nach menschlichen Vorstellungen gewaltigste Mauer überhaupt, er wird Mensch, um bei Menschen zu sein und für wahre Menschlichkeit zu werben und diese zu leben. Ein Brückenbauer zwischen der göttlichen und menschlichen Sphäre.

Dieser Jesus Christus muss der Maßstab für die Christen sein. Ich frage mich jedoch, ob tatsächlich Trump der Adressant dieser Botschaft ist?! Vielleicht hörten auch die Retter des christlichen Abendlandes in Deutschland die Worte des Papst?! Und ich hoffe, die Bischofskonferenzen der osteuropischen und sehr katholischen Länder haben dies ebenfalls gehört und verstanden!

Wenn man etwa an die Flüchtlingspolitik der polnischen Regierung denkt und die ausbleibende Kritik der polnischen Bischöfe, dann kann einem beim Gedanken, dass in diesem Land der Weltjugendtag stattfinden soll, nur schlecht werden. Wie verlogen kann eine solche Veranstaltung wohl werden? Eigentlich müsste man die Jugendlichen aufforden, dieses Event zu boykottieren. Was soll man in einem Land, das keine Fremden mag?

20.2.16 14:14, kommentieren

Bewunderung für Deutschland

Menschen, die in der Hölle gelebt und diese überlebt haben, wissen Helden von Mitläufern zu unterscheiden. Ruth Klüger, die heute eine Ansprache vor dem Bundestag hielt, sinnierte bereits in ihrer Autobiographie über das Gute und das Böse:

"Der Simone Weil war fast die ganze Belletristik verdächtig, weil darin fast immer das Gute langweilig und das Böse interessant ist, eine genaue Umkehrung der Wirklichkeit, meinte sie. Vielleicht wissen Frauen mehr über das Gute als Männer, die es so gern trivialisieren. Simone Weil hatte recht, ich weiß es von damals, das Gute ist unvergleichlich und auch unerklärlich, weil es keine rechte Ursache hat als sich selbst und auch nichts will als sich selbst.
Mir verschwimmen alle SS-Männer zu einer uniformierten Drahtpuppe mit Stiefeln, und als Eichmann gefangengenommen und hingerichtet wurde, war es mir geradezu peinlich egal. Diese Leute waren mir ein einziges Phänomen, und die persönlichen Unterschiede unter ihnen nicht das Nachgrübeln wert. Hannah Arendt hat das Gegenstück zu Simone Weils Behauptungen über das Gute geliefert, als sie auf die schlichte Tatsache hinwies, daß das Böse im Geiste engstirniger Borniertheit begangen wird. Damit hat sie allerdings ein Wutgeheul unter den Männern ausgelöst, die ganz richtig, wenn auch nicht unbedingt bewußt, begriffen, daß eine solche Entlarvung willkürlicher Gewalt das Patriarchat in Frage stellt. Vielleicht wissen Frauen mehr über das Böse als Männer, die es so gerne dämonisieren."

Heute dann schonte sie die Deutschen zwar nicht mit der Konfrontation ihrer historischen Verbrechen, brachte abschließend aber ihre Bewunderung für das gegenwärtige Deutschland zum Ausdruck:

"Hier, wo ein gegensätzliches Vorbild entstanden ist und trotz Hindernissen, Ärgernissen und Rückschlägen und Zweifeln noch weiter entsteht. Mit dem schlichten und dabei heroischen Slogan: Wir schaffen das!"

Das Gute ist nicht trivial, es fordert den steinigen Weg. Gerade die Christdemokraten sollten zu ihrer Kanzlerin stehen und nicht zu Mitläufern von Rattenfängern werden.


27.1.16 20:11, kommentieren

Lebensschutz auch für Geborene

Dem rechtskatholischen Lager spielen die Ereignisse in Köln in die Karten. Endlich ist der angebliche Beweis für die seit Jahr und Tag vorgetragenen Vorurteile erbracht: Muslime gehören nicht zu Deutschland. Der Islam ist eine problematische Religion. Schon glaubt man von allen Vorwürfen befreit zu sein. Man ist nicht rechts oder gar rechtsextrem, man ist nur vernünftig und realistisch.

In dieses Horn bläst auch der oberste Lebensschützer Deutschlands, Martin Lohmann. Voller Pathetik stellt er sich als Nachfahre stolzer Widerstandskämpfer im Dritten Reich vor, rechtes Gedankengut muss ihm also fremd sein.

"Als Historiker mache ich mir da grundsätzlich schon Sorgen, weil etwas sehr Gefährliches beobachtet werden kann. Und das ist der perfide Versuch vor allem linker Kräfte, jede noch so berechtigte Kritik, jedes noch so berechtigte kritische Hinterfragen und jede noch so menschenfreundliche Sorge als „rechts“ zu diskreditieren. Ich nenne das Diskriminierung im Namen angeblicher Toleranz, die aber letztlich nichts anderes als eine ebenso geschickte wie perfide Intoleranz ist. Und zwar mit einem bestimmten Ziel: der Schaffung von Rechtsradikalismus, um dann endlich sagen zu können: Seht her, am rechten Rand wächst es!"

Doch da hat Lohmann etwas falsch verstanden. Die Kritik an Seinesgleichen behauptet gar nicht, dass er ein Nazi oder Rechtsextremer ist. Die Kritik an diesen Vorzeigechristen samt ihren "Parteien und Gruppierungen", die Lohmann so schrecklich diffamiert sieht und die er benennen würde, wäre er so heldenhaft, wie er sich hier inszeniert, zielt auf die NÄHE zu Rechtsextremen und Neonazis. Denn die Partei, die er wohl meint, kann vor dem Hintergrund seiner Merkellritik ja nur die AfD sein. Eine Partei, in der sich auch adlige katholische Lebensschützer engagieren, in der der Lebensschutz noch ganz groß geschrieben wird. Naja, zumindest der Lebensschutz von ungeborenem Leben. Dass man sich auf den großen Demos für den Lebensschutz von zum Tode Verurteilten einsetzte oder den radikalen Lebensschutz der Millionen Flüchtlinge einforderte, das konnte man bisher nicht beobachten.Oder?

Die Nazis bekamen ihre Macht von den massenhaften Mitläufern in der Bevölkerung. Das ist der Grund, weshalb man den christlichen Bruder kritisieren muss, der mit gefährlichen Leuten sympathisiert. Die 5% Neonazis in unserer Bevölkerung werden wir wohl nicht so einfach los. Denen laufe ich als Christ allerdings auch nicht hinterher, sondern versuche sie argumentativ zu demaskieren. Die AfD ist ein Sammelbecken für NPDler geworden, die letzten vernünftigen Politiker haben die Partei lange verlassen. Und Lohmann kommt hier mit einem solchen Unsinn...

"Geht es Ihnen auch so? Machen auch Sie sich Sorgen zu Beginn dieses Jahres 2016, das in Köln mit einem Horrorszenario begann? Ich treffe immer wieder Menschen, die besorgt sind angesichts einer Entwicklung, von der Angela Merkel einmal fahrlässig oder zuversichtlich meinte: Wir schaffen das."

Jo, Lohmann, wir machen uns alle Sorgen. Die Welt ist beschissen, wem sagst du das? Doch was ist die Alternative? Grenzen, Augen und Ohren dicht? Wir demonstrieren ein bisschen gegen Abtreibung und suhlen uns in unserer Rechtgläubigkeit, die Menschen auf der Flucht interessieren uns aber nicht?
 
Dass man Straftäter verfolgt und Menschen aus sicheren Herkunftsländern kein Asyl gewährt, darüber streitet doch niemand in diesem Land. Da wird ein riesiger Luftballon aufgeblasen und als tödlicher Komet auf Europakurs verkauft. Die entscheidende Frage ist: Lassen wir die Menschen vor den europäischen Außengrenzen verrecken oder nicht. Haben diese Menschen Lebensschutz? Um mehr geht es nicht. Alle Lösungsvorschläge zur Verhinderung einer Tragödie sind willkommen. Angela Merkel jedenfalls hat zuerst einmal Verantwortung übernommen, was man von rechten katholischen Regierungen in unseren Nachbarländern nicht sagen kann. Und jetzt gilt es natürlich weiter zu arbeiten, die Dinge in den Griff zu bekommen. Und das passiert ja auch gerade. Uns Christen bleibt nur, daran mitzuwirken und zu beten, sonst nichts.

Laufen wir stattdessen rechtspopulistischen Rattenfängern hinterher, verraten wir alles, wofür das Christentum steht. Niemand verlangt von Christen, dass sie sich verstecken sollen. Steh auf, Lohmann, geh in die Flüchtlingsunterkünfte und pack an! Dann kann ich dich wieder ernst nehmen. Nimm dir nen K-TV-Kameramann mit und zeig uns, was christliches Engagement bedeutet. Zeig uns, was du unter Mission verstehst! Denn:

"Unsere Gesellschaft braucht dringend aufgeweckte und glaubenstreue wie glaubensstarke Christen, die sich einmischen."

24.1.16 12:27, kommentieren