Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Neue Rechte

Brückenbauer an Mauerbauer

Manchmal sind Wahrheiten so einfach und gerade deshalb vielleicht so skandalös... Papst Franziskus sagte auf der himmlischen Pressekonferenz von Mexiko nach Rom: "Eine Person, die nur daran denkt Mauern zu bauen, wo immer sie auch sein mögen, und nicht daran denkt, Brücken zu bauen, ist kein Christ. Das steht nicht im Evangelium." Und tatsächlich, der christliche Gott überschreitet die nach menschlichen Vorstellungen gewaltigste Mauer überhaupt, er wird Mensch, um bei Menschen zu sein und für wahre Menschlichkeit zu werben und diese zu leben. Ein Brückenbauer zwischen der göttlichen und menschlichen Sphäre.

Dieser Jesus Christus muss der Maßstab für die Christen sein. Ich frage mich jedoch, ob tatsächlich Trump der Adressant dieser Botschaft ist?! Vielleicht hörten auch die Retter des christlichen Abendlandes in Deutschland die Worte des Papst?! Und ich hoffe, die Bischofskonferenzen der osteuropischen und sehr katholischen Länder haben dies ebenfalls gehört und verstanden!

Wenn man etwa an die Flüchtlingspolitik der polnischen Regierung denkt und die ausbleibende Kritik der polnischen Bischöfe, dann kann einem beim Gedanken, dass in diesem Land der Weltjugendtag stattfinden soll, nur schlecht werden. Wie verlogen kann eine solche Veranstaltung wohl werden? Eigentlich müsste man die Jugendlichen aufforden, dieses Event zu boykottieren. Was soll man in einem Land, das keine Fremden mag?

20.2.16 14:14, kommentieren

Bewunderung für Deutschland

Menschen, die in der Hölle gelebt und diese überlebt haben, wissen Helden von Mitläufern zu unterscheiden. Ruth Klüger, die heute eine Ansprache vor dem Bundestag hielt, sinnierte bereits in ihrer Autobiographie über das Gute und das Böse:

"Der Simone Weil war fast die ganze Belletristik verdächtig, weil darin fast immer das Gute langweilig und das Böse interessant ist, eine genaue Umkehrung der Wirklichkeit, meinte sie. Vielleicht wissen Frauen mehr über das Gute als Männer, die es so gern trivialisieren. Simone Weil hatte recht, ich weiß es von damals, das Gute ist unvergleichlich und auch unerklärlich, weil es keine rechte Ursache hat als sich selbst und auch nichts will als sich selbst.
Mir verschwimmen alle SS-Männer zu einer uniformierten Drahtpuppe mit Stiefeln, und als Eichmann gefangengenommen und hingerichtet wurde, war es mir geradezu peinlich egal. Diese Leute waren mir ein einziges Phänomen, und die persönlichen Unterschiede unter ihnen nicht das Nachgrübeln wert. Hannah Arendt hat das Gegenstück zu Simone Weils Behauptungen über das Gute geliefert, als sie auf die schlichte Tatsache hinwies, daß das Böse im Geiste engstirniger Borniertheit begangen wird. Damit hat sie allerdings ein Wutgeheul unter den Männern ausgelöst, die ganz richtig, wenn auch nicht unbedingt bewußt, begriffen, daß eine solche Entlarvung willkürlicher Gewalt das Patriarchat in Frage stellt. Vielleicht wissen Frauen mehr über das Böse als Männer, die es so gerne dämonisieren."

Heute dann schonte sie die Deutschen zwar nicht mit der Konfrontation ihrer historischen Verbrechen, brachte abschließend aber ihre Bewunderung für das gegenwärtige Deutschland zum Ausdruck:

"Hier, wo ein gegensätzliches Vorbild entstanden ist und trotz Hindernissen, Ärgernissen und Rückschlägen und Zweifeln noch weiter entsteht. Mit dem schlichten und dabei heroischen Slogan: Wir schaffen das!"

Das Gute ist nicht trivial, es fordert den steinigen Weg. Gerade die Christdemokraten sollten zu ihrer Kanzlerin stehen und nicht zu Mitläufern von Rattenfängern werden.


27.1.16 20:11, kommentieren

Lebensschutz auch für Geborene

Dem rechtskatholischen Lager spielen die Ereignisse in Köln in die Karten. Endlich ist der angebliche Beweis für die seit Jahr und Tag vorgetragenen Vorurteile erbracht: Muslime gehören nicht zu Deutschland. Der Islam ist eine problematische Religion. Schon glaubt man von allen Vorwürfen befreit zu sein. Man ist nicht rechts oder gar rechtsextrem, man ist nur vernünftig und realistisch.

In dieses Horn bläst auch der oberste Lebensschützer Deutschlands, Martin Lohmann. Voller Pathetik stellt er sich als Nachfahre stolzer Widerstandskämpfer im Dritten Reich vor, rechtes Gedankengut muss ihm also fremd sein.

"Als Historiker mache ich mir da grundsätzlich schon Sorgen, weil etwas sehr Gefährliches beobachtet werden kann. Und das ist der perfide Versuch vor allem linker Kräfte, jede noch so berechtigte Kritik, jedes noch so berechtigte kritische Hinterfragen und jede noch so menschenfreundliche Sorge als „rechts“ zu diskreditieren. Ich nenne das Diskriminierung im Namen angeblicher Toleranz, die aber letztlich nichts anderes als eine ebenso geschickte wie perfide Intoleranz ist. Und zwar mit einem bestimmten Ziel: der Schaffung von Rechtsradikalismus, um dann endlich sagen zu können: Seht her, am rechten Rand wächst es!"

Doch da hat Lohmann etwas falsch verstanden. Die Kritik an Seinesgleichen behauptet gar nicht, dass er ein Nazi oder Rechtsextremer ist. Die Kritik an diesen Vorzeigechristen samt ihren "Parteien und Gruppierungen", die Lohmann so schrecklich diffamiert sieht und die er benennen würde, wäre er so heldenhaft, wie er sich hier inszeniert, zielt auf die NÄHE zu Rechtsextremen und Neonazis. Denn die Partei, die er wohl meint, kann vor dem Hintergrund seiner Merkellritik ja nur die AfD sein. Eine Partei, in der sich auch adlige katholische Lebensschützer engagieren, in der der Lebensschutz noch ganz groß geschrieben wird. Naja, zumindest der Lebensschutz von ungeborenem Leben. Dass man sich auf den großen Demos für den Lebensschutz von zum Tode Verurteilten einsetzte oder den radikalen Lebensschutz der Millionen Flüchtlinge einforderte, das konnte man bisher nicht beobachten.Oder?

Die Nazis bekamen ihre Macht von den massenhaften Mitläufern in der Bevölkerung. Das ist der Grund, weshalb man den christlichen Bruder kritisieren muss, der mit gefährlichen Leuten sympathisiert. Die 5% Neonazis in unserer Bevölkerung werden wir wohl nicht so einfach los. Denen laufe ich als Christ allerdings auch nicht hinterher, sondern versuche sie argumentativ zu demaskieren. Die AfD ist ein Sammelbecken für NPDler geworden, die letzten vernünftigen Politiker haben die Partei lange verlassen. Und Lohmann kommt hier mit einem solchen Unsinn...

"Geht es Ihnen auch so? Machen auch Sie sich Sorgen zu Beginn dieses Jahres 2016, das in Köln mit einem Horrorszenario begann? Ich treffe immer wieder Menschen, die besorgt sind angesichts einer Entwicklung, von der Angela Merkel einmal fahrlässig oder zuversichtlich meinte: Wir schaffen das."

Jo, Lohmann, wir machen uns alle Sorgen. Die Welt ist beschissen, wem sagst du das? Doch was ist die Alternative? Grenzen, Augen und Ohren dicht? Wir demonstrieren ein bisschen gegen Abtreibung und suhlen uns in unserer Rechtgläubigkeit, die Menschen auf der Flucht interessieren uns aber nicht?
 
Dass man Straftäter verfolgt und Menschen aus sicheren Herkunftsländern kein Asyl gewährt, darüber streitet doch niemand in diesem Land. Da wird ein riesiger Luftballon aufgeblasen und als tödlicher Komet auf Europakurs verkauft. Die entscheidende Frage ist: Lassen wir die Menschen vor den europäischen Außengrenzen verrecken oder nicht. Haben diese Menschen Lebensschutz? Um mehr geht es nicht. Alle Lösungsvorschläge zur Verhinderung einer Tragödie sind willkommen. Angela Merkel jedenfalls hat zuerst einmal Verantwortung übernommen, was man von rechten katholischen Regierungen in unseren Nachbarländern nicht sagen kann. Und jetzt gilt es natürlich weiter zu arbeiten, die Dinge in den Griff zu bekommen. Und das passiert ja auch gerade. Uns Christen bleibt nur, daran mitzuwirken und zu beten, sonst nichts.

Laufen wir stattdessen rechtspopulistischen Rattenfängern hinterher, verraten wir alles, wofür das Christentum steht. Niemand verlangt von Christen, dass sie sich verstecken sollen. Steh auf, Lohmann, geh in die Flüchtlingsunterkünfte und pack an! Dann kann ich dich wieder ernst nehmen. Nimm dir nen K-TV-Kameramann mit und zeig uns, was christliches Engagement bedeutet. Zeig uns, was du unter Mission verstehst! Denn:

"Unsere Gesellschaft braucht dringend aufgeweckte und glaubenstreue wie glaubensstarke Christen, die sich einmischen."

24.1.16 12:27, kommentieren

Kölle all aff

So, ich hab mir ein paar Tage Zeit gelassen, nun möchte auch ich mich zu den Vorfällen am Kölner Hauptbahnhof äußern. Der  Stempel des linken Gutmenschen verpflichtet ja geradezu auf eine Antwort auf das Geschrei der letzten Tage. Und vorab: Mein Mitgefühl gilt den belästigten und bedrängten Frauen, die Opfer sexualisierter Gewalt wurden. Ich möchte ihr Leid mit diesem Text nicht relativieren oder verharmlosen. Sexualisierte Gewalt ist und bleibt ein großes Problem in unserer Gesellschaft, das hoffentlich Thema bleibt und noch mehr angegangen wird.

Wenn ich mir allerdings das Vokabular nicht nur in den rechten Medien anschaue, sondern auch das Vokabular der anderer Medien, von Politikern und Intellektuellen, dann wird mir angst und bange. Ist das überhaupt noch steigerungsfähig? Blanker Horror, Sex-Mob, Chaos-Nacht, Horror-Nacht, Zivilisationsbruch etc. In vorderster Front kämpft wieder die Kelle-Family auf all ihren Propagandakanälen in die Bevölkerung hinein. Frau "Mach doch die Bluse zu"-Kelle weiß keinen Aufschrei zu vernehmen. Dann knöpf dir die Bluse doch nicht bis über die Ohren zu, möchte man ihr antworten! Wer das hysterische auch feministische Geschrei dieser Tage nicht hört, der muss völlig taub oder völlig verblendet sein.

Ich frage mich wirklich, was in Deutschland los wäre, wenn es hier einen vergleichbaren Anschlag wie in Frankreich gegeben hätte. Und dass der kommen könnte, ist ja nicht ausgeschlossen. Ich befürchte, die Gewalt würde völlig eskalieren. Hier hätten Terroristen leichtes Spiel. Das Vokabular jedenfalls ist jetzt schon kaum noch steigerungsfähig.

Kelles Klaus funkt über kath.net eine Botschaft an alle Rassismus- und Rechts-Schreier, die nicht begriffen, "dass es hier gar nicht um mehr Rechts und mehr Reglementieren geht, sondern um die auch von ihnen gewollte bunte und freie Gesellschaft." Die sei in Gefahr! Das ist doch mal ein Ansatz, wir wollen also alle eine bunte, multikulturelle Gesellschaft, warum sagt ihr das denn nicht gleich. Dann könnten die Gutmenschen nämlich antworten, dass auch sie keine Vergewaltiger tolerieren, keine Gewalt akzeptieren und auf Sicherheit und Ordnung drängen.

Die Frage ist nur, ob eine rassistische und von Vorurteilen geprägte Haltung gegenüber allem Fremden und vor allem Muslimischen diesem Ziel gerecht werden kann? So recherchiert Kelle gleich noch eine Vergewaltigung durch einen Syrer in Süddeutschland und verweist auf die Ereignisse vor einer Pariser Polizeistation, wo ein Islamist erschossen wurde. Die Verbrechensrecherche wird sauber unter dem Stichwort Flüchtling und Moslem betrieben.

Niemand erwartet, dass die riesige Menge an Flüchtlingen problemlos zu integrieren wären, niemand erwartet, dass dies zu einer noch friedlicheren Gesellschaft führt. Da kommen oftmals schwer traumatisierte Menschen nach Deutschland, die uns auch weiterhin Probleme machen werden. Und ja, es kommen sicher auch Leute, die sich gar nicht erst integrieren wollen. Die muss man dann eben ausfindig machen und in ihre Heimatländer schicken, wenn das zu verantworten ist.

Es wird solche Zwischenfälle auch weiterhin geben. Die Karikatur des Gutmenschhen mit der rosa Brille ist ein schäbiger Versuch, Menschen, die sich für eine friedliche Welt einsetzen, zu diskreditieren. Diese Menschen wissen um die Schwierigkeiten und die Rückschläge bei dieser gewaltigen Aufgabe, weil sie an der Front kämpfen und helfen.

Ich erwarte auch von keinem Rechtsextremisten Unterstützung für diese Menschen, die erwarte ich auch nicht von Konservativen, Libertären, Atheisten oder wem auch immer. Unterstützung und Zuspruch erwarte ich aber von Christen. Christen, die sich gegen Menschen in Not stellen, die für die eigene Sicherheit Menschen an den Grenzen und im Mittelmeer opfern wollen, die haben aus meiner Sicht den Kern des Evangeliums nicht verstanden. An dieser Stelle wird das ständige rechtskonservative Geschwätz vom christlichen Opferleben, das man gerne vor sich herträgt, demaskiert. Diese Christen sind nicht bereit jeneiseits einer selbstgefälligen religiösen Opferinszenierung ein wirkliches Opfer zu bringen. Christentum als Fassade. Polen und andere katholische Länder zeigen, was dieses Christentum wert ist. Nichts.

Und an dieser Stelle muss man auch Papst Franziskus deutlich widersprechen, wenn er von der individualistischen westlichen Mentatlität spricht, die zu einer Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid des Nächsten führe. Diese Gleichgültigkeit sollte er erst einmal bei seinen Katholiken in so vielen Ländern diagnostizieren, die ihren Katholizismus feierlichst zur Schau stellen, gleichzeitig aber gegenüber menschlichem Leid immun sind. Da gehört eine Kritik des Papstes in diesen Tagen hin!

Denken wir doch die rechtsnationalen Forderungen einmal zu Ende. Was wäre das für ein Europa, das dann entstünde? Grenzen dicht, Straftäter raus und schon haben wir unsere heile Welt zurück?! Doch dieses menschengemachte Paradies wäre kaum zu halten und nur auf Kosten von vielen Opfern zu erreichen.

Die westliche Welt hat lange genug mit Kriegen und Waffengeschäften als Brandbeschleuniger in die Welt gewirkt, jetzt ernten wir das, was wir selbst gesät haben und das gefällt uns nicht. Wie mag unsere Hysterie in den Kriegsgebieten und bei den geschundenen, vergewaltigten und verstümmelten Menschen dieser Welt ankommen? Eine Frage, die mich gerade sehr beschäftigt. Rechtfertigen die Opfer von Paris, die abertausenden Opfer in Syrien und im Irak? Dieser Wahrnehmung müssen wir entgegegentreten. Sie ist ein großer Teil des Problems.

2 Kommentare 12.1.16 09:05, kommentieren

kath.net Doppelmoral

Dass die Moralwächter von kath.net auf dem rechten Auge blind sind, zeigt die fehlende Kritik an einer ziemlich geschmacklosen Werbeanzeige der "Junge Alternative NRW", für die kath.net Ikone Beatrix von Storch wirbt. Was hat man seinerzeit nicht alles aus den Tiefen des Weltbildverlages ans Tageslicht gezerrt, um die deutschen Bischöfe in Verbindung zu angeblich pornographischer Literatur zu bringen. Bei der rechtskatholischen Vorzeigeadligen ist man da scheinbar toleranter. Da ist es kein Problem, dass "Geld mit der Ware Frau" gemacht wird...

16.12.15 11:49, kommentieren

kath.net und der Front National

Kath.net feiert die Annäherung zwischen der katholischen Kirche in Frankreich und dem rechtsextremen Front National. Ich frage mich, wie lange die verantwortlichen Bischöfe in Deutschland und vor allem Österreich dem Treiben dieses rechtskatholischen Portals noch zuschauen?
 
Sollte die Stimmung gegen alles Fremde in unseren Ländern noch weiter kippen, dann werden sich die Hirten ihre Hände nicht in Unschuld waschen können. Sie haben tatenlos zugesehen, wie innerhalb der Kirche Front National, Pegida und AfD beworben und verteidigt wurden. Ich schäme mich als Katholik für diese meine blinden und tatenlosen Bischöfe!
 
Kardinal Marx meinte in Bezug auf das rechtskatholische Treiben im Internet, dass Verbloggung zu Verblödung führen könne. Man müsste ihm antworten, dass Ignoranz und Borniertheit eine Steigerungsform der Verblödung sind.

12.12.15 12:42, kommentieren

Spiel mit dem Feuer

Im rechtskatholischen Spektrum herrscht helle Aufregung. Es hat Brandanschläge auf das Auto der stellvertretenden AfD-Vorsitzenden und Europa-Abgeordneten Beatrix von Storch und auch auf den Kleinbus der Demo-für-Alle-Organisatorin Hedwig von Beverfoerde gegeben. Zudem wurde der Blogger Josef Bordat, der sich kritisch zu diesen Gewalttaten äußerte,  per E-Mail bedroht (hier). Wie die feigen Anschläge auf Flüchtlingsunterküfte sind auch diese Taten auf's Schärfste zu verurteilen. Sie werden von feigen Extremisten begangen, die im Schutze der Nacht und der Anonymität handeln. Ich hoffe, dass sie polizeilich verfolgt und gefasst werden und für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden.

Dennoch möchte ich noch einen kritischen Gedanken formulieren, vorab aber deutlich machen, dass dieser keine Relativierung oder Rechtfertigung für solche Verbrechen sein soll!

Wer mein Blog kennt, der weiß, wie ich zur AfD, zu Pegida und bestimmten neurechten Medien stehe. Ich halte es mit einer christlichen Grundhaltung für unvereinbar, sich mit diesen Kreisen gemein zu machen. Wie kann man als Christ den rechtsradikalen Organisatoren der Pegida hinterherlaufen? Wie kann man sich in einer Partei engagieren, die von Leuten geführt wird, deren Sprache auf NPD-Niveau liegt? Wie kann man Medien nutzen, die Hetze gegen Ausländer und Muslime toleriert?

Hier machen sich Christen mit Menschen und Institutionen gemein, die genau das, was sie jetzt verurteilen, nämlich Hetze und Gewalt gegenüber Andersdenkenden, in großem Stile befeuern. Zwei Beispiele:

Alle Stars der rechtskatholischen Szene halten die "Junge Freiheit" für ein geeignetes Medium für die Veröffentlichung ihrer Texte und Gedanken. Gerade im Zusammenhang mit den oben erwähnten Brandanschlägen wird sie als einzig aufrechtes und objektives Medium gelobt und oft verlinkt.

Schaut man sich aber einmal an, wer dort sonst noch so veröffentlicht und wie unter diesen Texten kommentiert wird, sollte man als Christ doch vielleicht ein wenig ins Grübeln kommen. So ist Michael Paulwitz einer der regelmäßigen Publizisten, Mitglied bei den Republikanern, gerne gesehener Redner bei diversen rechtsextremen Gruppen. Unter seinem aktuellen Beitrag bekommt man dann auch einen Eindruck davon, wie das System "Jungen Freiheit" funktioniert und wer dort kommentiert. Paulwitz weiß sein Klientel zu füttern. In einem sachlich klingenden und eloquenten Ton gibt er den Lesern zu verstehen, dass Deutschland aufgrund einer handlungsunfähigen politischen Führung  unaufhalsam auf eine Katastrophe zusteuert. Das, was er geschickt zwischen den Zeilen transportiert, sprechen die Leser dann in den Kommentaren aus: Es wird zu einem Bürgerkrieg kommen, Gewalt aus Notwehr ist die einzige Möglichkeit, die noch bleibt.

Und in diese Stimmung kommen dann unsere verehrten Mitchristen und faseln von Christenverfolgung in Europa aufgrund eines linksgrünhomofeminismusversifften Genderumerziehungsprogramms und verfassen gleichzeitig Petitionen gegen Hetze und Gewalt. Dabei füttern sie die Gewaltbereiten doch nur weiter an.

Um hier nicht falsch verstanden zu werden. Ich möchte nicht die vorgebrachte Kritik z.B. an der Genderforschung unterbunden wissen. Ich halte es aber für angebracht, dies nicht auf Medien der Neuen Rechten zu tun, wo diese Kritik zum Brandbeschleuniger werden kann.

Ein zweites, konkreteres Beispiel: Auf dem Blog "Christliches Forum" ist aktuell ein Beitrag von Peter Helmes zu lesen, dessen eigenes Blog ich hier auch schon kritisiert habe (vgl. hier). Das Christentum in Deutschland wird als von satanischen  Kräften durchzogen dargestellt, ein Christentum, das sich im Niedergang befinde, weil es sich mit Gender beschäftige und einen neuen Menschen schaffen wolle. In Abgrenzung dazu werden nun die Pegida-Demonstranten als friedvolle Bürger gezeichnet, die den Finger in die Wunden Deutschlands legen und den Niedergang aufhalten wollen. Die politische Korrektheit des Lügenpressesystems in Deutschland sei aber so nahe am islamischen Schariasystem, dass wir alle die verteufelten, die uns zeigen, dass wir Menschen in unser Land holen, die nicht bereit sind, die Grundwerte unserer Nation anzunehmen. Jeder Neonazi wird diesem Statement zujubeln, Helmes Blog belegt das auf beeindruckende Weise.

Letztendlich fallen diese Leute allen Christen in den Rücken, die sich für eine bessere Welt engagieren, die den Flüchtlingen helfen und so das Evangelium in die Welt tragen. Die rechten Bedenkenträger haben vielleicht noch nicht verstanden, dass gerade die Christen nicht der Meinung sein sollten, alles selbst in der Hand zu haben, einen bessere Welt oder einen besseren Menschen formen zu können. Christen vertrauen darauf, dass sie der Heiligen Geist darin unterstützt, was sie entlastet. Unsere Aufgabe ist zu helfen und zu heilen. Mehr können wir nicht tun, aber das können wir tun.
 
Rechte Propaganda ist aber das Gegenteil davon. Die Rechtsradikalen beschmutzen das christliche Abendland und damit das Evangelium, weil sie den Nächsten, den Fremden beschmutzen und das Schlechteste von ihm erwarten. Wer sich als Christ an deren Seite stellt, sollte das Wort Christenverfolgung meiden. Es ist ein Spiel mit dem Feuer, das nichts mit dem Christentum zu tun hat!

Ich fühle mich als Christ in Deutschland jedenfalls nicht verfolgt!

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