Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Neue Rechte

Papst unterstützt die Merkellinie

Der päpstliche Appell an die Balkanländer, die Grenzen und Herzen für Flüchtlinge zu öffnen, ist längst überfällig. Hoffentlich hören zumindest die katholischen Menschen und Politiker die Worte des Papstes, bis hoch in die Slovakei und nach Polen mögen seine Worte dringen!

16.3.16 18:14, kommentieren

Verengungen lösen

Für alle rechtskatholischen Verharmloser der AfD gibt es jetzt den Entwurf eines Grundsatzprogramms zu bestaunen. Die dort angemahnte "deutsche Erinnerungskultur" im Hinblick auf die Zeit des Nationalsozialismus - natürlich ohne die "aktuellen Verengungen" - erinnert stark an identische Forderungen der NPD. Auch die übrigen Forderungen würde ich als antichristlich und asozial zusammenfassen. Aber man lese selbst (hier).

12.3.16 12:10, kommentieren

Deutsche Tugenden

AfD-Vize Gauland meint: "Wir müssen die Grenzen dichtmachen und dann die grausamen Bilder aushalten. Wir können uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen."

Mich erinnert das ein wenig an die Worte eines anderen Vizes:

„Es gehört zu den Dingen, die man leicht ausspricht. – ‚Das jüdische Volk wird ausgerottet’, sagt ein jeder Parteigenosse‚ 'ganz klar, steht in unserem Programm, Ausschaltung der Juden, Ausrottung, machen wir.’ […] Von allen, die so reden, hat keiner zugesehen, keiner hat es durchgestanden. Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht und ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte.“

24.2.16 20:19, kommentieren

Brückenbauer an Mauerbauer

Manchmal sind Wahrheiten so einfach und gerade deshalb vielleicht so skandalös... Papst Franziskus sagte auf der himmlischen Pressekonferenz von Mexiko nach Rom: "Eine Person, die nur daran denkt Mauern zu bauen, wo immer sie auch sein mögen, und nicht daran denkt, Brücken zu bauen, ist kein Christ. Das steht nicht im Evangelium." Und tatsächlich, der christliche Gott überschreitet die nach menschlichen Vorstellungen gewaltigste Mauer überhaupt, er wird Mensch, um bei Menschen zu sein und für wahre Menschlichkeit zu werben und diese zu leben. Ein Brückenbauer zwischen der göttlichen und menschlichen Sphäre.

Dieser Jesus Christus muss der Maßstab für die Christen sein. Ich frage mich jedoch, ob tatsächlich Trump der Adressant dieser Botschaft ist?! Vielleicht hörten auch die Retter des christlichen Abendlandes in Deutschland die Worte des Papst?! Und ich hoffe, die Bischofskonferenzen der osteuropischen und sehr katholischen Länder haben dies ebenfalls gehört und verstanden!

Wenn man etwa an die Flüchtlingspolitik der polnischen Regierung denkt und die ausbleibende Kritik der polnischen Bischöfe, dann kann einem beim Gedanken, dass in diesem Land der Weltjugendtag stattfinden soll, nur schlecht werden. Wie verlogen kann eine solche Veranstaltung wohl werden? Eigentlich müsste man die Jugendlichen aufforden, dieses Event zu boykottieren. Was soll man in einem Land, das keine Fremden mag?

20.2.16 14:14, kommentieren

Bewunderung für Deutschland

Menschen, die in der Hölle gelebt und diese überlebt haben, wissen Helden von Mitläufern zu unterscheiden. Ruth Klüger, die heute eine Ansprache vor dem Bundestag hielt, sinnierte bereits in ihrer Autobiographie über das Gute und das Böse:

"Der Simone Weil war fast die ganze Belletristik verdächtig, weil darin fast immer das Gute langweilig und das Böse interessant ist, eine genaue Umkehrung der Wirklichkeit, meinte sie. Vielleicht wissen Frauen mehr über das Gute als Männer, die es so gern trivialisieren. Simone Weil hatte recht, ich weiß es von damals, das Gute ist unvergleichlich und auch unerklärlich, weil es keine rechte Ursache hat als sich selbst und auch nichts will als sich selbst.
Mir verschwimmen alle SS-Männer zu einer uniformierten Drahtpuppe mit Stiefeln, und als Eichmann gefangengenommen und hingerichtet wurde, war es mir geradezu peinlich egal. Diese Leute waren mir ein einziges Phänomen, und die persönlichen Unterschiede unter ihnen nicht das Nachgrübeln wert. Hannah Arendt hat das Gegenstück zu Simone Weils Behauptungen über das Gute geliefert, als sie auf die schlichte Tatsache hinwies, daß das Böse im Geiste engstirniger Borniertheit begangen wird. Damit hat sie allerdings ein Wutgeheul unter den Männern ausgelöst, die ganz richtig, wenn auch nicht unbedingt bewußt, begriffen, daß eine solche Entlarvung willkürlicher Gewalt das Patriarchat in Frage stellt. Vielleicht wissen Frauen mehr über das Böse als Männer, die es so gerne dämonisieren."

Heute dann schonte sie die Deutschen zwar nicht mit der Konfrontation ihrer historischen Verbrechen, brachte abschließend aber ihre Bewunderung für das gegenwärtige Deutschland zum Ausdruck:

"Hier, wo ein gegensätzliches Vorbild entstanden ist und trotz Hindernissen, Ärgernissen und Rückschlägen und Zweifeln noch weiter entsteht. Mit dem schlichten und dabei heroischen Slogan: Wir schaffen das!"

Das Gute ist nicht trivial, es fordert den steinigen Weg. Gerade die Christdemokraten sollten zu ihrer Kanzlerin stehen und nicht zu Mitläufern von Rattenfängern werden.


27.1.16 20:11, kommentieren

Lebensschutz auch für Geborene

Dem rechtskatholischen Lager spielen die Ereignisse in Köln in die Karten. Endlich ist der angebliche Beweis für die seit Jahr und Tag vorgetragenen Vorurteile erbracht: Muslime gehören nicht zu Deutschland. Der Islam ist eine problematische Religion. Schon glaubt man von allen Vorwürfen befreit zu sein. Man ist nicht rechts oder gar rechtsextrem, man ist nur vernünftig und realistisch.

In dieses Horn bläst auch der oberste Lebensschützer Deutschlands, Martin Lohmann. Voller Pathetik stellt er sich als Nachfahre stolzer Widerstandskämpfer im Dritten Reich vor, rechtes Gedankengut muss ihm also fremd sein.

"Als Historiker mache ich mir da grundsätzlich schon Sorgen, weil etwas sehr Gefährliches beobachtet werden kann. Und das ist der perfide Versuch vor allem linker Kräfte, jede noch so berechtigte Kritik, jedes noch so berechtigte kritische Hinterfragen und jede noch so menschenfreundliche Sorge als „rechts“ zu diskreditieren. Ich nenne das Diskriminierung im Namen angeblicher Toleranz, die aber letztlich nichts anderes als eine ebenso geschickte wie perfide Intoleranz ist. Und zwar mit einem bestimmten Ziel: der Schaffung von Rechtsradikalismus, um dann endlich sagen zu können: Seht her, am rechten Rand wächst es!"

Doch da hat Lohmann etwas falsch verstanden. Die Kritik an Seinesgleichen behauptet gar nicht, dass er ein Nazi oder Rechtsextremer ist. Die Kritik an diesen Vorzeigechristen samt ihren "Parteien und Gruppierungen", die Lohmann so schrecklich diffamiert sieht und die er benennen würde, wäre er so heldenhaft, wie er sich hier inszeniert, zielt auf die NÄHE zu Rechtsextremen und Neonazis. Denn die Partei, die er wohl meint, kann vor dem Hintergrund seiner Merkellritik ja nur die AfD sein. Eine Partei, in der sich auch adlige katholische Lebensschützer engagieren, in der der Lebensschutz noch ganz groß geschrieben wird. Naja, zumindest der Lebensschutz von ungeborenem Leben. Dass man sich auf den großen Demos für den Lebensschutz von zum Tode Verurteilten einsetzte oder den radikalen Lebensschutz der Millionen Flüchtlinge einforderte, das konnte man bisher nicht beobachten.Oder?

Die Nazis bekamen ihre Macht von den massenhaften Mitläufern in der Bevölkerung. Das ist der Grund, weshalb man den christlichen Bruder kritisieren muss, der mit gefährlichen Leuten sympathisiert. Die 5% Neonazis in unserer Bevölkerung werden wir wohl nicht so einfach los. Denen laufe ich als Christ allerdings auch nicht hinterher, sondern versuche sie argumentativ zu demaskieren. Die AfD ist ein Sammelbecken für NPDler geworden, die letzten vernünftigen Politiker haben die Partei lange verlassen. Und Lohmann kommt hier mit einem solchen Unsinn...

"Geht es Ihnen auch so? Machen auch Sie sich Sorgen zu Beginn dieses Jahres 2016, das in Köln mit einem Horrorszenario begann? Ich treffe immer wieder Menschen, die besorgt sind angesichts einer Entwicklung, von der Angela Merkel einmal fahrlässig oder zuversichtlich meinte: Wir schaffen das."

Jo, Lohmann, wir machen uns alle Sorgen. Die Welt ist beschissen, wem sagst du das? Doch was ist die Alternative? Grenzen, Augen und Ohren dicht? Wir demonstrieren ein bisschen gegen Abtreibung und suhlen uns in unserer Rechtgläubigkeit, die Menschen auf der Flucht interessieren uns aber nicht?
 
Dass man Straftäter verfolgt und Menschen aus sicheren Herkunftsländern kein Asyl gewährt, darüber streitet doch niemand in diesem Land. Da wird ein riesiger Luftballon aufgeblasen und als tödlicher Komet auf Europakurs verkauft. Die entscheidende Frage ist: Lassen wir die Menschen vor den europäischen Außengrenzen verrecken oder nicht. Haben diese Menschen Lebensschutz? Um mehr geht es nicht. Alle Lösungsvorschläge zur Verhinderung einer Tragödie sind willkommen. Angela Merkel jedenfalls hat zuerst einmal Verantwortung übernommen, was man von rechten katholischen Regierungen in unseren Nachbarländern nicht sagen kann. Und jetzt gilt es natürlich weiter zu arbeiten, die Dinge in den Griff zu bekommen. Und das passiert ja auch gerade. Uns Christen bleibt nur, daran mitzuwirken und zu beten, sonst nichts.

Laufen wir stattdessen rechtspopulistischen Rattenfängern hinterher, verraten wir alles, wofür das Christentum steht. Niemand verlangt von Christen, dass sie sich verstecken sollen. Steh auf, Lohmann, geh in die Flüchtlingsunterkünfte und pack an! Dann kann ich dich wieder ernst nehmen. Nimm dir nen K-TV-Kameramann mit und zeig uns, was christliches Engagement bedeutet. Zeig uns, was du unter Mission verstehst! Denn:

"Unsere Gesellschaft braucht dringend aufgeweckte und glaubenstreue wie glaubensstarke Christen, die sich einmischen."

24.1.16 12:27, kommentieren

Kölle all aff

So, ich hab mir ein paar Tage Zeit gelassen, nun möchte auch ich mich zu den Vorfällen am Kölner Hauptbahnhof äußern. Der  Stempel des linken Gutmenschen verpflichtet ja geradezu auf eine Antwort auf das Geschrei der letzten Tage. Und vorab: Mein Mitgefühl gilt den belästigten und bedrängten Frauen, die Opfer sexualisierter Gewalt wurden. Ich möchte ihr Leid mit diesem Text nicht relativieren oder verharmlosen. Sexualisierte Gewalt ist und bleibt ein großes Problem in unserer Gesellschaft, das hoffentlich Thema bleibt und noch mehr angegangen wird.

Wenn ich mir allerdings das Vokabular nicht nur in den rechten Medien anschaue, sondern auch das Vokabular der anderer Medien, von Politikern und Intellektuellen, dann wird mir angst und bange. Ist das überhaupt noch steigerungsfähig? Blanker Horror, Sex-Mob, Chaos-Nacht, Horror-Nacht, Zivilisationsbruch etc. In vorderster Front kämpft wieder die Kelle-Family auf all ihren Propagandakanälen in die Bevölkerung hinein. Frau "Mach doch die Bluse zu"-Kelle weiß keinen Aufschrei zu vernehmen. Dann knöpf dir die Bluse doch nicht bis über die Ohren zu, möchte man ihr antworten! Wer das hysterische auch feministische Geschrei dieser Tage nicht hört, der muss völlig taub oder völlig verblendet sein.

Ich frage mich wirklich, was in Deutschland los wäre, wenn es hier einen vergleichbaren Anschlag wie in Frankreich gegeben hätte. Und dass der kommen könnte, ist ja nicht ausgeschlossen. Ich befürchte, die Gewalt würde völlig eskalieren. Hier hätten Terroristen leichtes Spiel. Das Vokabular jedenfalls ist jetzt schon kaum noch steigerungsfähig.

Kelles Klaus funkt über kath.net eine Botschaft an alle Rassismus- und Rechts-Schreier, die nicht begriffen, "dass es hier gar nicht um mehr Rechts und mehr Reglementieren geht, sondern um die auch von ihnen gewollte bunte und freie Gesellschaft." Die sei in Gefahr! Das ist doch mal ein Ansatz, wir wollen also alle eine bunte, multikulturelle Gesellschaft, warum sagt ihr das denn nicht gleich. Dann könnten die Gutmenschen nämlich antworten, dass auch sie keine Vergewaltiger tolerieren, keine Gewalt akzeptieren und auf Sicherheit und Ordnung drängen.

Die Frage ist nur, ob eine rassistische und von Vorurteilen geprägte Haltung gegenüber allem Fremden und vor allem Muslimischen diesem Ziel gerecht werden kann? So recherchiert Kelle gleich noch eine Vergewaltigung durch einen Syrer in Süddeutschland und verweist auf die Ereignisse vor einer Pariser Polizeistation, wo ein Islamist erschossen wurde. Die Verbrechensrecherche wird sauber unter dem Stichwort Flüchtling und Moslem betrieben.

Niemand erwartet, dass die riesige Menge an Flüchtlingen problemlos zu integrieren wären, niemand erwartet, dass dies zu einer noch friedlicheren Gesellschaft führt. Da kommen oftmals schwer traumatisierte Menschen nach Deutschland, die uns auch weiterhin Probleme machen werden. Und ja, es kommen sicher auch Leute, die sich gar nicht erst integrieren wollen. Die muss man dann eben ausfindig machen und in ihre Heimatländer schicken, wenn das zu verantworten ist.

Es wird solche Zwischenfälle auch weiterhin geben. Die Karikatur des Gutmenschhen mit der rosa Brille ist ein schäbiger Versuch, Menschen, die sich für eine friedliche Welt einsetzen, zu diskreditieren. Diese Menschen wissen um die Schwierigkeiten und die Rückschläge bei dieser gewaltigen Aufgabe, weil sie an der Front kämpfen und helfen.

Ich erwarte auch von keinem Rechtsextremisten Unterstützung für diese Menschen, die erwarte ich auch nicht von Konservativen, Libertären, Atheisten oder wem auch immer. Unterstützung und Zuspruch erwarte ich aber von Christen. Christen, die sich gegen Menschen in Not stellen, die für die eigene Sicherheit Menschen an den Grenzen und im Mittelmeer opfern wollen, die haben aus meiner Sicht den Kern des Evangeliums nicht verstanden. An dieser Stelle wird das ständige rechtskonservative Geschwätz vom christlichen Opferleben, das man gerne vor sich herträgt, demaskiert. Diese Christen sind nicht bereit jeneiseits einer selbstgefälligen religiösen Opferinszenierung ein wirkliches Opfer zu bringen. Christentum als Fassade. Polen und andere katholische Länder zeigen, was dieses Christentum wert ist. Nichts.

Und an dieser Stelle muss man auch Papst Franziskus deutlich widersprechen, wenn er von der individualistischen westlichen Mentatlität spricht, die zu einer Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid des Nächsten führe. Diese Gleichgültigkeit sollte er erst einmal bei seinen Katholiken in so vielen Ländern diagnostizieren, die ihren Katholizismus feierlichst zur Schau stellen, gleichzeitig aber gegenüber menschlichem Leid immun sind. Da gehört eine Kritik des Papstes in diesen Tagen hin!

Denken wir doch die rechtsnationalen Forderungen einmal zu Ende. Was wäre das für ein Europa, das dann entstünde? Grenzen dicht, Straftäter raus und schon haben wir unsere heile Welt zurück?! Doch dieses menschengemachte Paradies wäre kaum zu halten und nur auf Kosten von vielen Opfern zu erreichen.

Die westliche Welt hat lange genug mit Kriegen und Waffengeschäften als Brandbeschleuniger in die Welt gewirkt, jetzt ernten wir das, was wir selbst gesät haben und das gefällt uns nicht. Wie mag unsere Hysterie in den Kriegsgebieten und bei den geschundenen, vergewaltigten und verstümmelten Menschen dieser Welt ankommen? Eine Frage, die mich gerade sehr beschäftigt. Rechtfertigen die Opfer von Paris, die abertausenden Opfer in Syrien und im Irak? Dieser Wahrnehmung müssen wir entgegegentreten. Sie ist ein großer Teil des Problems.

2 Kommentare 12.1.16 09:05, kommentieren