Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Homophobie

Müllers Agenda

Neben Kardinal Burke scheint nun auch Kardinal Müller Gefallen daran gefunden zu haben, gegen die Synode und seine Mitbrüder zu polemisieren (hier). Nun weiß ich nicht, ob er die Statements, die da auf kath.net zusammengestellt wurden, genau so gesagt hat, oder ob es sich mal wieder um eine tendenziöse Wiedergabe handelt. Sollte seine Argumentation aber präzise wiedergegeben sein, kann man sich nur fragen, ob diese nicht ein bisschen zu simpel ist?!

Es geht natürlich um die Frage nach dem Umgang der Kirche mit den wiederverheiratet Geschiedenen und den homosexuellen Katholiken. Müller stellt klar, dass es für die Beantwortung dieser Fragen nur den einen Referenzpunkt geben könne, das Evangelium von Jesus Christus. Und da ist ihm vollkommen zuzustimmen.

Natürlich zitiert er dann auch gleich die berühmten Worte des Herrn: "Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen." Damit hat sich für den Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre die Sache dann auch schon erledigt. Scheint ein easy Job zu sein, ohne einen großen Anspruch. Hier und da einmal auf die ewigen Wahrheiten verweisen und der Fall ist klar. Wozu Synoden und überhaupt Diskussionen?

Würde man den Kardinal hier wirklich ernst nehmen, müsste man ihn fragen, weshalb er nicht umgehend das Kirchenrecht und die gesamte Sakramentenlehre über die Ehe ändert? Jesus meint hier definitiv JEDE Ehe, wenn er den Schöpfungsbericht zitiert. So heißt es einen Vers vorher: "Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein." Von vollzogener sakramentaler Ehe, die nach katholischem Verständnis einzig und alleine unauflöslich ist, ist hier garantiert nicht die Rede. Weshalb die Kirche dann gegen die Weisung des Herrn zwischen sakramentaler und nicht-sakramentaler Ehe unterscheidet, ist dann wirklich nicht mehr nachzuvollziehen.

Noch besser wird's aber nach seinem grandiosen Einstieg, wenn er nun zur Frage der Homosexualität kommt. Urplötzlich ist Jesus und das Evangelium verschwunden und der Katechismus wird bemüht. Klar, den Kniff muss Müller schon anwenden, weil Jesus in seinem Evangelium rein gar nichts zum Thema gesagt hat. Aber egal, der Einstieg hörte sich stark an. Müller verteidigt das Evangelium gegen die Verwirrer der Welt, die letztendlich auch einem Großteil seiner Mitbrüder im Bischofsamt den Kopf verdreht haben. Was wären wir nur ohne ihn? Damit sein kleiner Trick nun aber nicht auffällt, schwenkt er auch gleich wieder zur göttlichen Offenbarung, in der - jetzt glauben wir es doch bestimmt - homosexuelle Liebe klar und deutlich als Sünde verurteilt wird. Alles Müller, oder was?

Und noch einmal Afrika

Eine typische Position, die gerne von erzkonservativen Katholiken eingenommen wird, ist die Ablehnung demokratischer Strukturen für die Kirche, weil die Glaubenswahrheiten nicht von Mehrheitsenscheidungen abhängig seien. Dem stimme ich in Bezug auf diesen Punkt, die Dogmen betreffend, ausdrücklich zu. Der Kern des Glaubens, etwa Aussagen zum Gottmenschen Jesu, seine Auferstehung betreffend etc., muss der ursprünglichen Offenbarung entsprechend tradiert werden, was allerdings nicht bedeutet, dass sich nicht auch ein vertiefendes Verständnis entwickeln kann.

Auch die Menschenwürde muss unverhandelbar sein, mit allen Konsequenzen, die  aus der Gottesebenbildlichkeit des Menschen folgen. Daraus ergeben sich aber auch Konsequenzen im negativen Sinne, Haltungen gegen das Leben, gegen die Menschenwürde sind in sich falsch.

Auf Zeit online
erschien ein interessanter Beitrag über den auch auf kath.net vielzitierten afrikanischen Theologen Obiora Ike, der noch einmal bestätigt, wie sehr Kardinal Kasper mit seinen Aussagen über die Möglichkeit, mit afrikanischen Bischöfen über Fragen der Homosexualität zu diskutieren, Recht hatte. Deshalb zitiert man ihn aktuell wohl nicht.

Der nigerianische Theologe und Afrikanist Obiora Ike hat Verständnis für die Bestrafung Homosexueller in seinem Land und in anderen afrikanischen Staaten geäußert. Wer öffentlich für die Gleichberechtigung von Homosexuellen eintrete, gefährde die "Einheit der Gesellschaft". Im Januar trat mit Unterstützung von christlichen und islamischen Geistlichen in Nigeria ein Gesetz in Kraft, das Versammlungen Homosexueller unter Strafe stellt. Es werde nach Einschätzung Ikes von 95 Prozent der Gesellschaft akzeptiert. "Als es beschlossen wurde, hat das Volk gejubelt." In den nördlichen Bundesstaaten des Landes, in denen die islamische Scharia gilt, müssen Homosexuelle mit harten Strafen bis zur Steinigung rechnen.
(vgl. hier)

Doch selbst wenn 100% der Nigerianer gejubelt hätten, diese Haltung gegenüber homosexuell veranlagten Menschen ist aus einer christlicher Perspektive heraus in sich schlecht. Das bedeutet natürlich nicht, dass man den Nigerianern nun eine andere Haltung verordnen könnte. Aber genau das meinte Kasper dann wohl auch. Die Kirche muss in Afrika ein Stück weit dem Zeitgeist entsprechen, um die Haltungen langsam und behutsam zu verändern. Das sieht auch Ike so. Die sexuelle Prägung macht einen Menschen nicht zum Unmenschen, sicher auch dann nicht, wenn er seine Sexualität lebt.

Endlich wieder Opfer

Endlich darf sich der (rom-)treue Katholik wieder in der Rolle des Opfers fühlen! Vorbei die Zeiten, da Missbrauch und Geldverschwendung ihn eher als Täter zeigten, man ist wieder da, wo man als Christ glaubt stehen zu müssen, im Zirkus vor den Löwen.

In Zeiten, in denen es nach Papst Franziskus mehr christliche Märtyrer gibt als zu Beginn der Kirche, weil Christen tatsächlich wieder mit dem Tode bedroht werden, möchte man auch in Deutschland etwas vom Image des Märtyrers abhaben. Und tatsächlich, beim Marsch für das Leben, der am Wochenende in Berlin stattfand, wurde man von Gegendemonstranten angerempelt und beschimpft, das ist doch mal ein Anfang.

Und schon läuft die Propagandamaschinerie auf den einschlägigen Internetportalen und Blogs auf Hochtouren und auch Kaiser Nero ist schnell benannt (vgl. hier). Josef Bordat sieht die Christen schon in einer Linie mit Juden und zu Unrecht diffamierten Nazis als die Prügelknaben der Nation (hier), ne Nummer kleiner ging es wohl nicht?!

Naja, mir fiel zu dieser Geschichte eine ganze Menge ein, doch würde ich mich wiederholen. Deshalb vielleicht nur ein Link zu einem älteren Text, der sich mit Martin Lohmanns (Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht) Fernsehauftritt bei "Hart aber Fair" auseinander setzt (hier). Dass homosexuell veranlagte Menschen sich von einer solchen Rhetorik angefeindet fühlen, ist wohl offensichtlich, spricht Lohmann ihnen zwar nicht das Lebens- aber doch das Liebesrecht ab. Eine Woche später spricht er sich dann bei Günther Jauch auch noch gegen eine Pille danach für Vergewaltigungsopfer aus. Wer solche Reden schwingt, muss sich über Gegenwind nicht wundern! Dem berechtigten Anliegen gegen Abtreibungen und aktive Sterbehilfe Stellung zu beziehen, dient das alles sicher nicht, weil Anfeindungen nicht den Dialog fördern, sondern Anfeindungen.

Das Übel der Homosexualität in der Kirche

Der offene Brief eines ehemaligen Homosexuellen an Papst Franziskus begeistert die Blogözese und auch kath.net. Robert Gollwitzer bittet den Papst um Unterstützung für Homosexuelle, die unter ihrer sexuellen Neigung leiden und diese überwinden wollen (vgl. hier).

Und tatsächlich, der Brief ist ein beeindruckendes Zeugnis von den Übeln, die das Thema Homosexualität in der Kirche verursacht. Bereits die ersten Sätze, nach der kurzen Vorstellung des Schreibers, bringen das Übel auf den Punkt:

"I am so thankful and feel so blessed that the Lord brought me to Homosexuals Anonymous. The people there did what actually the Church should do: They loved me enough to help me out of my gay life and (back) into the Church."

Was für ein schrecklicher Ort muss die Kirche sein, wenn man sich ihr nur zugehörig fühlen kann, wenn man das Leben eines Homosexuellen hinter sich lässt. Die Liebe, die Robert Gollwitzer bei den Anonymen Homosexuellen erfahren hat, die gibt es in der Kirche seiner Meinung nach nicht. Deshalb fordert er den Papst zu dieser Liebe auf.

Doch die Liebe der Kirche ist hoffentlich stärker und tiefer als die von Robert Gollwitzer erhoffte Liebe. Wenn Kirche nicht auch den homosexuellen Menschen ohne jede Voraussetzung und Bedingung liebt, dann wäre sie nicht mehr Kirche. Es ist tragisch, dass sich Menschen wie Robert Gollwitzer ausgegrenzt fühlen mussten und müssen! Die Kirche sollte diesen Menschen sagen, dass auch sie ein Teil der Kirche sind, nicht mehr und nicht weniger als der Papst selber, ob als Homosexueller oder ehemaliger Homosexueller, wenn es denn so etwas gibt...

Ein launischer Kommentar

Für das Salz in der traditionellen Burgsuppe sorgt auf kath.net oftmals der launige Klartext eines weihsen Bischofs (hier).

Die Gefahr des Missbrauchs [von Kindern] ist bei homosexuellen Menschen höher als bei Heterosexuellen (Vgl Dariusz Oko). Wenn die homosexuelle Neigung eine „Unordnung“ im Bereich der Sexualität ist, ist zu erwarten, dass sich diese auch in einer anderen Richtung manifestieren kann, nicht muss, aber eben kann! Das ist kein pauschales moralisches Urteil über alle Homosexuelle, sondern sagt nur etwas aus über Versuchbarkeit, Gefährdungen und die Wahrscheinlichkeit eines Missbrauchs!

Es ist ja auch kein Pauschalurteil über Männer, wenn man feststellt, dass Missbrauchstäter viel häufiger Männer sind als Frauen. In der kirchlichen Tradition spricht man bezüglich aller Sünden von einer „entfernten“, höheren“ oder „nächsten“ „Gelegenheit zur Sünde“, die je nach Gefahrenstufe zu meiden sei. Wer Kinder, für die es ohnehin Adoptiveltern gibt, zu einem homosexuellen Paar gibt, schafft die genannte „nächste Gelegenheit“!“

Heißt doch ins Verständliche übersetzt: Da Missbrauchstäter mehrheitlich Homosexuelle und Männer sind, halbiere ich die potenzielle Missbrauchsgefahr, wenn ich Kinder nicht in die Obhut von schwulen Paaren gebe. Mensch Laun, Sie sind ja echt ein gerissener Hund!

Das perfekte Paar, weil vor dem Hintergrund der nächsten Gelegenheit zur Sünde sicherste, wäre aber dann doch ein lesbisches, oder? Die sind zwar auch homosexuell, aber keine Männer, die Gefahr müsste - jetzt nageln Sie mich nicht drauf fest, bin kein guter Mathematiker - gegenüber einem schwulen Paar um mindestens 75% reduziert sein, gegenüber dem heterosexuellen Paar um 50%. Nahezu 100%ige Sicherheit erreicht nur eine alleinerziehende heterosexuelle Frau, die dann allerdings das Problem hat, dass die Vaterrolle für das Kind unbesetzt bleibt. Aber da gibt es ja Lösungen, die allerdings schon wieder das Missbrauchsrisiko erhöhen.

Laun, merken Sie was?! Die Geschichte mit der Sicherheit ist ziemlich kompliziert! Vor allem, wenn Sie jetzt auch noch weitere Ansprüche an potenzielle Väter stellen, und das tun Sie! Sie dürfen nicht geschieden sein, sie dürfen nicht Priester sein, auch wenn sie der Vater sind, dann spielt die wichtige Vaterrolle nämlich keine Rolle mehr, oder? Klar, homoerotische Phantasien dürfen die auch nicht haben. Wie beweist man eigentlich die eigene vollkommene Heterosexualität?

Wissen Sie, Laun, was ich mich in dieser ganzen Debatte immer frage?! Warum lässt Gott es überhaupt zu, dass Kindern die Eltern genommen werden? Und warum verlangt er dann so etwas, wie Sie es hier formulieren? Reicht die Liebe zweier Menschen nicht vielleicht doch aus, um ein Kind zu erziehen? Das frage ich Gott immerzu. Wie viele Kinder sind schon erfolgreich und gesund von nur einem Elternteil erzogen worden, wie viele von Verwandten, von Fremden, von Männern und von Frauen? Kein Hahn hat danach gekräht.

Denken Sie doch Ihre ungeordneten Konstruktionen einmal zu Ende! Heißt es nicht auch, dass die meisten Missbräuche in der Familie passieren? In der Familie von Mann und Frau versteht sich. Welche Sicherheitsmaßnahmen sollten denn aus dieser Tatsache folgen? Vielleicht sollten Familien grundsätzlich keine Kinder mehr erziehen, das kann doch der Staat oder die Kirche viel besser. Jetzt höre ich die Kelle-Family schon toben. Ist nicht so gemeint, mir geht’s nur um den Laun mit seiner Logik.

Und was bedeutet diese verquere Logik auf die Kirche angewendet? Da geistliche Missbrauchstäter nahezu ausschließlich Männer sind, sollte man Kinder möglichst nicht in die Obhut eines Geistlichen geben. Beim Kommunionsunterricht sollten Eltern also auf jeden Fall darauf achten, ihre Zöglinge zu einer Katechetin in die Gruppe zu geben! Niemals zum Pfarrer! Denkt an die nächste Gelegenheit zur Sünde!

Dass Ihre launische Verquickung von Homosexualität und Kindesmissbrauch völlig daneben ist, kann man im Übrigen schon daran ablesen, dass Sie als Referenz nicht etwa einen Psychiater oder Sexualwissenschaftler anführen, nein, Sie berufen dich auf einen anderen Fundigeistlichen aus Salzbughausen. So funktioniert die phantastische Welt im Innern der Burg.

Wären alle Fundis mit vergleichbarer Suicidlogik ausgestattet, man könnte sie glatt sich selbst überlassen und auf ihr Aussterben hinter der Salzburgmauer warten. Dann noch schnell ein katholisches Bestattungskommando durchgejagt und die Sache wäre Geschichte. Aber leider ist es nicht so einfach, fast so wie mit der sicheren Kindererziehung...

Von Demut und Barmherzigkeit

Den Kuss eines lesbischen Paares bei der Taufe ihres Kindes kommentiert KNA-Chef Ludwig Ring-Eifel (hier) mit den Worten: Da die Kirche nur die Sünde, nicht aber den Sünder verdammt, muss sie wohl auch dies in Demut und Barmherzigkeit aushalten.“

Wahrscheinlich hat man dem guten Mann nach seiner Kritik am rechten Arm des Benedetto-Fanclubs (vgl. hier) so den Kopf gewaschen, dass er seither nur noch die vorgefertigten Worthülsen aus den Schubladen dieser Leute wiederkäuen kann. Manchmal stellt auch so mancher Mitchrist meine Fähigkeit zu Demut und Barmherzigkeit hart auf die Probe.

Doch ich will's versuchen... Ich halte den die Liebe zweier Menschen verurteilenden Kommentar aus und nehme den Menschen Ludwig Ring-Eifel wahr. Jetzt geht es mir besser!

no comment

Hier zeigt dann einer sein wahres Gesicht... Und wer dann doch noch einen Kommentar braucht, der klicke hier.