Balken und Splitter

Tragendes und Beladenes, Witziges und Spitzes; bohrende Gedanken zur Lehre eines Zimmermanns
 
 

Neue Rechte

Für Vertriebene und gegen Flüchtlinge

Klaus Kelle gibt der CDU nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern auf kath.net ein paar Tipps, wie sie mit "christlicher" Politik die abtrünnigen AfD-Wähler zurückgewinnen könnte: Gegen Zuwanderung, gegen Islam, gegen Schwule, gegen Gender, gegen Multikulti!
 
Stattdessen: Für den Marsch für das Leben (das Leben der obigen Gruppen sicherlich einmal ausgenommen), für Vertrieben (also Deutsche, muslimische Flüchtlinge kann er ja nicht meinen), für Mittelständler, für Landfrauen, für Katholiken.

Ein schönes Beispiel dafür, was Rechtskatholiken als "christlich" begreifen. Man kann sich nur wünschen, dass diese Leute irgendwann aufwachen und ihre Menschenverachtung vor ihrer Rückkehr in die C-Partei bei der AfD lassen.

Mehr Christentum?

Um "Junge Freiheit"-Autor und Theologieprofessor Wolfgang Ockenfels war es lange Zeit ruhig geworden. Nun aber war es wohl mal wieder Zeit für einen islamophoben Kommentar auf kath.net. Dass er darin die "Karl May"-Romane als Quelle seines Islambildes nennt, ist schon ein bisschen zum Schmunzeln.
 
Diese gnadenlose Offenheit behält er auf beeindruckende Weise auch im weiteren Verlauf seines Kommentares durch. Die von Angela Merkel als alternativlos bezeichnete Flüchtlingspolitik mit ihren "politisch-theologischen Beschwörungen von Nächstenliebe und Barmherzigkeit, von Grenzenlosigkeit und Völkerversöhnung in der 'einen Welt'“  sieht der Dominikanerpater als gescheitert und lobt die Alternative: Die für Deutschland und die, die die anderen europäischen Länder gehen. Islamophobe vereinigt euch!

Und mit ebendieser Politik hätten auch die christlichen Parteien ihr C wieder verdient. Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Völkerversöhnung sollten da also möglichst keine Rolle spielen. Halleluja!

Papst unterstützt die Merkellinie

Der päpstliche Appell an die Balkanländer, die Grenzen und Herzen für Flüchtlinge zu öffnen, ist längst überfällig. Hoffentlich hören zumindest die katholischen Menschen und Politiker die Worte des Papstes, bis hoch in die Slovakei und nach Polen mögen seine Worte dringen!

Verengungen lösen

Für alle rechtskatholischen Verharmloser der AfD gibt es jetzt den Entwurf eines Grundsatzprogramms zu bestaunen. Die dort angemahnte "deutsche Erinnerungskultur" im Hinblick auf die Zeit des Nationalsozialismus - natürlich ohne die "aktuellen Verengungen" - erinnert stark an identische Forderungen der NPD. Auch die übrigen Forderungen würde ich als antichristlich und asozial zusammenfassen. Aber man lese selbst (hier).

Deutsche Tugenden

AfD-Vize Gauland meint: "Wir müssen die Grenzen dichtmachen und dann die grausamen Bilder aushalten. Wir können uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen."

Mich erinnert das ein wenig an die Worte eines anderen Vizes:

„Es gehört zu den Dingen, die man leicht ausspricht. – ‚Das jüdische Volk wird ausgerottet’, sagt ein jeder Parteigenosse‚ 'ganz klar, steht in unserem Programm, Ausschaltung der Juden, Ausrottung, machen wir.’ […] Von allen, die so reden, hat keiner zugesehen, keiner hat es durchgestanden. Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht und ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte.“

Brückenbauer an Mauerbauer

Manchmal sind Wahrheiten so einfach und gerade deshalb vielleicht so skandalös... Papst Franziskus sagte auf der himmlischen Pressekonferenz von Mexiko nach Rom: "Eine Person, die nur daran denkt Mauern zu bauen, wo immer sie auch sein mögen, und nicht daran denkt, Brücken zu bauen, ist kein Christ. Das steht nicht im Evangelium." Und tatsächlich, der christliche Gott überschreitet die nach menschlichen Vorstellungen gewaltigste Mauer überhaupt, er wird Mensch, um bei Menschen zu sein und für wahre Menschlichkeit zu werben und diese zu leben. Ein Brückenbauer zwischen der göttlichen und menschlichen Sphäre.

Dieser Jesus Christus muss der Maßstab für die Christen sein. Ich frage mich jedoch, ob tatsächlich Trump der Adressant dieser Botschaft ist?! Vielleicht hörten auch die Retter des christlichen Abendlandes in Deutschland die Worte des Papst?! Und ich hoffe, die Bischofskonferenzen der osteuropischen und sehr katholischen Länder haben dies ebenfalls gehört und verstanden!

Wenn man etwa an die Flüchtlingspolitik der polnischen Regierung denkt und die ausbleibende Kritik der polnischen Bischöfe, dann kann einem beim Gedanken, dass in diesem Land der Weltjugendtag stattfinden soll, nur schlecht werden. Wie verlogen kann eine solche Veranstaltung wohl werden? Eigentlich müsste man die Jugendlichen aufforden, dieses Event zu boykottieren. Was soll man in einem Land, das keine Fremden mag?

Bewunderung für Deutschland

Menschen, die in der Hölle gelebt und diese überlebt haben, wissen Helden von Mitläufern zu unterscheiden. Ruth Klüger, die heute eine Ansprache vor dem Bundestag hielt, sinnierte bereits in ihrer Autobiographie über das Gute und das Böse:

"Der Simone Weil war fast die ganze Belletristik verdächtig, weil darin fast immer das Gute langweilig und das Böse interessant ist, eine genaue Umkehrung der Wirklichkeit, meinte sie. Vielleicht wissen Frauen mehr über das Gute als Männer, die es so gern trivialisieren. Simone Weil hatte recht, ich weiß es von damals, das Gute ist unvergleichlich und auch unerklärlich, weil es keine rechte Ursache hat als sich selbst und auch nichts will als sich selbst.
Mir verschwimmen alle SS-Männer zu einer uniformierten Drahtpuppe mit Stiefeln, und als Eichmann gefangengenommen und hingerichtet wurde, war es mir geradezu peinlich egal. Diese Leute waren mir ein einziges Phänomen, und die persönlichen Unterschiede unter ihnen nicht das Nachgrübeln wert. Hannah Arendt hat das Gegenstück zu Simone Weils Behauptungen über das Gute geliefert, als sie auf die schlichte Tatsache hinwies, daß das Böse im Geiste engstirniger Borniertheit begangen wird. Damit hat sie allerdings ein Wutgeheul unter den Männern ausgelöst, die ganz richtig, wenn auch nicht unbedingt bewußt, begriffen, daß eine solche Entlarvung willkürlicher Gewalt das Patriarchat in Frage stellt. Vielleicht wissen Frauen mehr über das Böse als Männer, die es so gerne dämonisieren."

Heute dann schonte sie die Deutschen zwar nicht mit der Konfrontation ihrer historischen Verbrechen, brachte abschließend aber ihre Bewunderung für das gegenwärtige Deutschland zum Ausdruck:

"Hier, wo ein gegensätzliches Vorbild entstanden ist und trotz Hindernissen, Ärgernissen und Rückschlägen und Zweifeln noch weiter entsteht. Mit dem schlichten und dabei heroischen Slogan: Wir schaffen das!"

Das Gute ist nicht trivial, es fordert den steinigen Weg. Gerade die Christdemokraten sollten zu ihrer Kanzlerin stehen und nicht zu Mitläufern von Rattenfängern werden.